Esther Abrami

Die Klassik-Influencerin

Esther Abrami bei einem Auftritt im Hyde Park in London (2024) Foto: picture alliance / empics

Das Albumcover zeigt die Violinistin Esther Abrami selbstbewusst in Pose – mit nackten Beinen und Stöckelschuhen. »Women« ist auch eine Ehrung ihrer Großmutter, die sich nach der Hochzeit keine musikalische Laufbahn erlauben konnte und ihre erste Violine später der Enkeltochter in die Arme legte. Die ließ sich glücklicherweise nicht von einer Karriere abhalten. Im Gegenteil: Die 28-jährige Französin ist nicht nur Musikerin, sondern macht auf TikTok und anderen Social-Media-Kanälen Klassik populär. Inzwischen hat sie Hunderttausende Follower.

Ihr Debüt-Album »Esther Abrami« erschien 2022, mit ihrem jüngsten Werk »Women« würdigt sie 14 Komponistinnen, zu denen sie eine besondere Beziehung spürt. Wie Ilse Weber (1903–1944): Mit zittrigem Ton interpretiert Abrami die letzte Strophe des Wiegenlieds »Wiegala« der Sängerin und Liedermacherin, die im Ghetto Theresienstadt im Kinderkrankenhaus arbeitete. Als mehrere Kinder nach Auschwitz deportiert wurden, ging sie freiwillig mit. Wie diese jungen Menschen und Weber wurde auch der Urgroßvater von Esther Abrami im größten Vernichtungslager der Nazis ermordet.

Die insgesamt 16 für »Women« eingespielten Werke stammen aus unterschiedlichen Epochen und Genres, die Komponistinnen unter anderem aus Brasilien, Japan, den USA, Tschechien und Venezuela. Es sind etliche Neuentdeckungen darunter. Das älteste Werk hat Hildegard von Bingen (1098–1179) geschrieben, eine der ersten identifizierbaren Komponistinnen in der Geschichte der westlichen Musik. Mit »Flowers« ist aber auch die Popsängerin Miley Cyrus vertreten.

Abrami scheute sich nicht, ungewöhnliche Stücke zu kombinieren

Abrami scheute sich nicht, ungewöhnliche Stücke zu kombinieren – etwa einen Walzer der japanischen Musikerin Yoko Shimomura aus einem Videospiel mit neuen Werken der Filmkomponistinnen Rachel Portman und Anne Dudley sowie eher historische Werke wie die von Pauline Viardot-Garcia (1821–1910), Chiquinha Gonzaga (1847–1935) und Teresa Carreño (1853–1917).

Viele Stücke hat die Violonistin selbst bearbeitet und arrangiert, wobei sie sehr viel Wert auf lange Bögen und Melodien legt. Das macht Esther Abrami sehr geschickt – und so entsteht aus dem Potpourri ein homogenes Album. Auch den »March of the Women« von Ethel Smyth, einer führenden Figur der Suffragettenbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts, hat sie bearbeitet und die Originalstimme von Ethel Smyth mit eingebaut – was das Hörerlebnis allerdings stört. Mit Abramis eigener Komposition »Transmission« klingt das Album aus.

So zeigt sich erneut: Die Klassik-Influencerin spielt nicht nur hervorragend Geige und beweist bei Recherchen zu neuen Themen viel Ausdauer und Geduld, sondern es liegt ihr auch, zu arrangieren und zu komponieren.

Esther Abrami: »Women«. Sony Classical, 2025, 61 Minuten, 19,90 €

Köln/Murwillumbah

Der neue Dschungel-Cast: Genialer Coup oder totaler Flop?

Gil Ofarim und Co.: Das neue Dschungelcamp-Ensemble sorgt für geteilte Meinungen. Während die einen den Cast lieben, gibt es auch auffällig viele Debatten darüber. Lohnt sich das Einschalten diesmal?

von Jonas-Erik Schmidt  22.01.2026 Aktualisiert

Hollywood

Goldie Hawn lüftet das Geheimnis einer langen Beziehung

»Er ist mein Sexobjekt«: Die jüdische Schauspielerin spricht offen über Leidenschaft, Patchwork-Glück und warum Freiheit ihre Beziehung zu Kurt Russell so besonders macht

 22.01.2026

TV-Tipp

Doku über Margot Friedländer am Holocaust-Gedenktag - Gegen das Vergessen

Nicht nur für sechs Millionen Juden, sondern für alle unschuldig Ermordeten des Nazi-Regimes wollte Margot Friedländer immer als Überlebende des Holocaust sprechen - zum Beispiel in diesem bewegenden Dokumentarfilm

von Jan Lehr  22.01.2026

Kulturkolumne

Meditieren mit Guru oder mit der Techniker Krankenkasse?

Auf der Suche nach einem glücklichen Leben ohne Stress: Mein langer Weg zur Achtsamkeit

von Ayala Goldmann  22.01.2026

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  22.01.2026

Award

»Auch wenn es dunkel ist« ist Hörspiel des Jahres 2025

Das Hörspiel »Auch wenn es dunkel ist. Berichte vom 7. Oktober« gibt Opfern des Überfalls der Hamas auf Israel 2023 eine Stimme. Das Dokumentarstück interpretiere nicht und klage nicht an, lobte die Jury

 22.01.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  22.01.2026

Kino

Gedenken oder knutschen?

Der Coming-of-Age-Film »Delegation« nimmt Reisen israelischer Jugendlicher in ehemalige deutsche KZs in Polen unter die Lupe

von Ayala Goldmann  22.01.2026

Medien

Sophie von der Tann für Grimme-Preis nominiert

Die umstrittene ARD-Journalistin Sophie von der Tann führt die Liste der Nominierungen für den Grimme-Preis an. In allen Kategorien dominieren die Öffentlich-Rechtlichen. Zugleich gibt es Kritik an zahlreichen Leerstellen

von Jana Ballweber  22.01.2026