Lettland

Deutsche Städte gedenken der nach Riga deportierten Juden

Gundula Bavendamm, Vorstandsmitglied des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, bei der Gedenkveranstaltung in Bikernieki Foto: picture alliance/dpa

Mit einer Gedenkfahrt haben Vertreter aus mehr als 30 deutschen Städten in Lettland an die Deportation und Ermordung von europäischen Juden vor 85 Jahren erinnert.

In der Gräber- und Gedenkstätte Biķernieki in Riga gedachten die Delegierten des Deutschen Riga-Komitees der Opfer der nationalsozialistischen Gräueltaten während des Zweiten Weltkriegs. Bei einer Zeremonie würdigten sie auch die Einweihung des Erinnerungsorts in einem Wald in der lettischen Hauptstadt vor 25 Jahren. Zudem besuchten sie weitere Gedenkorte und die Überreste des Konzentrationslagers Jungfernhof.

Riga war Ziel und Ort der ersten Massenverschleppungen von Juden. Vom November 1941 bis zum Winter 1942 wurden mehr als 25.000 Juden aus Deutschland und Österreich zur Vernichtung in die lettische Hauptstadt deportiert. Zum Gedenken an die Opfer legten die Botschafterinnen der beiden Länder zusammen mit den deutschen Gästen, Vertretern der jüdischen Gemeinde und der Stadt Riga Kränze und Blumen nieder. 

In Biķernieki wurden damals nahezu alle Verschleppten durch Nationalsozialisten und lettische Hilfskräfte erschossen. Die Toten wurden namenlos im Wald verscharrt. Auch politische Häftlinge und sowjetische Kriegsgefangene wurden in Massengräbern hingerichtet.

Zahlreiche Menschen kamen zur Gräber- und Gedenkstätte Bikernieki bei RigaFoto: picture alliance/dpa

Zwischen 1941 und 1944 starben dort mehr als 35.000 Menschen. »Der Bikernieki-Wald war im Grunde der erste Ort in Riga, an dem Massenmorde an Juden stattfanden. Die ersten Morde fanden hier vor genau 85 Jahren am 2. und 3. Juli 1941 statt«, sagte der Leiter des Museums der Juden in Lettland, Ilya Lensky, in seiner Rede bei der Zeremonie.

Kommunale Erinnerungsgemeinschaft von 80 Städten

Die Gedenkstätte wurde 60 Jahre nach Beginn der Deportationen am 30. November 2001 eingeweiht. Deren zentraler Platz liegt in einer Mulde und besteht aus einem sechs Meter hohen Mahnmal mit einem Gedenkstein aus schwarzem Marmor. Darin eingelassen sind Namenslisten der Opfer.Einzigartige Erinnerungsgemeinschaft Maßgeblich an deren Errichtung beteiligt war das Deutsche Riga-Komitee.

In der kommunalen Erinnerungsgemeinschaft haben sich mehr als 80 Städte vereint, aus denen damals die Sammeltransporte von Juden nach Riga abgingen. Beteiligt ist auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Tafel in der Gräber- und Gedenkstätte Biķernieki bei RigaFoto: picture alliance/dpa

Deren Bundesvorstandsmitglied Gundula Bavendamm betonte im Gespräch mit der dpa die Bedeutung der Erinnerungsarbeit, die an die nächste Generation weitergetragen werden müssen und sich durch Russlands Krieg gegen die Ukraine in einem neuen »Resonanzraum« vollziehe. Gegründet wurde das Riga-Komitee im Jahr 2000.

Einer der Initiatoren war der ehemalige Bundestagsabgeordnete Winfried Nachtwei, der 1989 bei einer Spurensuche in Lettland das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen aufdeckte. »Durch den Bezug zu den Herkunftsstädten und bestimmten Menschen erhält das völlig Unbegreifliche eine örtliche Nähe, es werden diese gigantischen anonymen Zahlen heruntergebrochen und bekommen ein Gesicht«, sagt er der »Deutschen Presse-Agentur« in Riga. dpa

Vorschau

Widderhorn im Dom und ein Hauch von »Yiddish Summer« - Festival »Shalom-Musik.Koeln«

Begegnungen, Neugier und Zuhören fördern - das wollen die Macher des Festivals »Shalom-Musik.Koeln«. Und reichlich Musik und Gesang auf die Bühne bringen. Der Verein hinter dem Festival bekommt dafür jetzt einen Preis

von Leticia Witte  20.08.2026

Kunst

Von Guggenheim bis Geffen

Wie jüdische Mäzene im 20. Jahrhundert der Moderne zum Durchbruch verhalfen

von Jana Talke  20.08.2026

Kulturkolumne

Some like it cold

Warum Disneys Eiskönigin nicht nur gegen Hitze hilft

von Sophie Albers Ben Chamo  20.08.2026

Medien

Protokollant des täglichen Irrsinns

Der Publizist Henryk M. Broder wird heute 80 Jahre alt. Eine persönliche Würdigung

von Reinhard Mohr  20.08.2026

Heidelberg

Hüter des Gedächtnisses

Im Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden liegt alles, was jüdische Gemeinden seit 1945 in Deutschland an Dokumenten produziert haben. Jens Hoppe, der Leiter der Einrichtung, sichert die Zukunft der Bestände

von Eugen El  19.08.2026

Programm

Ein Moped-Gottesdienst, Kaffee, Kuchen und ein Zirkus-Koffer in Frankfurt: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 20. August bis zum 27. August

 19.08.2026

Orlando (Florida)

Harrison Ford wird erneut zu Indiana Jones

Diesmal wird der jüdische Darsteller kein Abenteuer auf der Leinwand erleben. Aber worum geht es dann?

 19.08.2026

Film

25 Jahre »A.I.«: Odyssee eines Roboter-Jungen

Ein Vierteljahrhundert ist Spielbergs Film »A.I. – Künstliche Intelligenz« jetzt alt. Das Werk ist extrem rührselig, aber dennoch sehenswert. Und es wirft Fragen auf, die auch 2026 sehr relevant sind

von Gregor Tholl  19.08.2026

Film

Überraschend witzige Geschichte über Begehren und Scham

In der Slasher-Satire »Teenage Sex and Death at Camp Miasma« von Jane Schoenbrun spritzt Blut, Gillian Anderson flirtet und eine junge Regisseurin versucht, ihre eigene Lust zu verstehen

von Shireen Broszies  19.08.2026