Berlinale

Boykottaufruf: 80 Filmschaffende gegen die Berlinale

»Ich bin eine große Unterstützerin des BDS«: Ehrenbär-Gewinnerin Tilda Swinton 2025 Foto: picture alliance/dpa


Dutzende Filmschaffende werfen den Internationalen Filmfestspielen Berlin eine mangelnde Positionierung im Israel-Hamas-Krieg in Gaza vor. Bekannte Namen wie der von Schauspielerin Tilda Swinton und ihrer Kollegen Nan Goldin und Javier Bardem sind unter einem öffentlichen Brief zu finden, den das Branchenblatt »Variety« veröffentlicht hat.

Die Rede ist von einem »institutionellen Schweigen der Berlinale zum Völkermord an den Palästinensern«. Dagegen habe sich das Festival zu Gräueltaten im Iran und in der Ukraine klar positioniert. In dem Schreiben werden mehrfach das Palestine Film Institute und Workers for Palestine​ zitiert, die den Richtlinien des Boycott, Divestment, and Sanctions (BDS) folgen, die Vorlagen für derartige Aktionen bereitstellen.

Kritik an Wim Wenders

Israel streitet ab, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen. Das ist auch die Position der Bundesregierung. Vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag läuft eine von Südafrika angestrengte Genozid-Klage gegen Israel.

Auf der 76. Berlinale ist es immer wieder zu politischen Aktionen mit Bezug zum Nahostkonflikt gekommen. Nachdem eine politische Selbstverortung von ihm gefordert wurde, hatte Jurypräsident Wim Wenders bei der Jury-Pressekonferenz betont, Filmschaffende seien ein Gegenwicht zur Politik. Daraufhin hatte die indische Schriftstellerin Arundhati Roy ihre Teilnahme abgesagt. Auch der öffentliche Brief kritisiert explizit Wenders‘ Aussage.

Tuttle: Tief verwurzelter Respekt vor Menschenwürde

Berlinale-Chefin Tricia Tuttle hatte sich am Wochenende hinter den Jurychef und die auf dem Festival vertretenen Künstler gestellt. Sie betonte in einem Statement, auf dem Festival finde freie Meinungsäußerung statt und den Filmschaffende auf der Berlinale sei ein tief verwurzelter Respekt vor der Würde jedes Menschen gemeinsam.

Lesen Sie auch

»Wir glauben nicht, dass es unter den hier vertretenen Filmschaffenden jemanden gibt, dem gleichgültig wäre, was in dieser Welt geschieht – jemanden, der die Rechte, das Leben oder das immense Leid der Menschen in Gaza und im Westjordanland, in der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan, im Iran, in der Ukraine, in Minneapolis und an einer erschreckend großen Zahl weiterer Orte nicht ernst nähme«, schrieb Tuttle unter anderem. Doch stehe es natürlich jedem Künstler frei, sein »Recht auf freie Meinungsäußerung so ausüben«, wie er oder sie es selbst entscheiden.

Der Nahostkonflikt hat die Berlinale, die als politisches Filmfestival gilt, auch in den vergangenen Jahren beschäftigt. Nach der Abschlussgala 2024 gab es Kritik an Auftritten einzelner Preisträger, die das Vorgehen Israels in Gaza verurteilten, ohne jedoch den Grund dafür zu nennen, die Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023. ja/dpa

Interview

»Mit Humor, Herz und Haltung«

Florian Sitte über Politik an Fastnacht, seine Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft und die Reaktionen auf seine denkwürdige Rede als Till während der Mainzer Fastnachtsitzung

 18.02.2026

Berlinale

Deutsch-israelisches Co-Producing-Netzwerk stellt sich vor

»FutureNARRATIVE Fund« will Film-, TV- und Theaterprojekte aus beiden Ländern vernetzten und Fördermittel bündeln

von Ayala Goldmann  18.02.2026

Theater

Buh-Rufe, »Halt die Fresse«-Schreie: Tumult bei Premiere - Zuschauer greifen Schauspieler an

Am Bochumer Schauspielhaus hat ein Stück einen Tumult ausgelöst

 18.02.2026

Nachruf

Eine Trennung inspirierte Billy Steinberg zu »Like a Virgin«

Der jüdische Songwriter starb im Alter von 75 Jahren in Kalifornien

 18.02.2026

New York

Hollywoodgrößen unterstützen literarischen Benefizabend für Kibbuz Be’eri

Künstler sollen bei diesem Event historische Briefe und Archivtexte vor, »von Julius Cesar bis Maimonides, von Winston Churchill bis Golda Meir«

 18.02.2026

Leipzig

Nach Ofarims Dschungel-Triumph: Influencer sammelt Spenden für Markus W.

Der Mann, den der Musiker 2021 fälschlicherweise des Antisemitismus beschuldigt hatte, bedankt sich und plädiert für Transparenz

 17.02.2026

Tom Shoval

»Es ist schwer, den Kreis zu schließen«

Im Rahmen der Berlinale wird die Doku »A Letter to David« gezeigt, dieses Mal als komplette Version. Ein Interview mit dem Regisseur

von Katrin Richter  17.02.2026

Interview

»Diese Initiative kann eine Brücke sein«

Der Dokumentarfilmer Yair Qedar über den Berliner Auftakt zum ersten »Aleph Festival« der hebräischen Sprache und Kultur

von Helmut Kuhn  17.02.2026

Dschungelcamp

Was macht Gil Ofarim mit seinem Geld vom RTL-Dschungelcamp?

Er erhält eine Antrittsgage für seine Teilnahme bei »Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!« - und 100.000 Euro für die Krönung zum Dschungelkönig obendrauf. Das hat der Musiker mit dem Geld geplant

von Anna Eube  16.02.2026