Berlin

Antisemitismusvorwürfe: Kulturfestival in Neukölln streicht umstrittene Gaza-Performance

Ein Blick auf Berlin-Neukölln Foto: picture alliance / CHROMORANGE

Nach massiver Kritik wegen des Vorwurfs der Holocaustverharmlosung hat das Berliner Kulturfestival »48 Stunden Neukölln« eine geplante Veranstaltung kurzfristig aus seinem Programm gestrichen. Wie der »Tagesspiegel« berichtet, sollte ein performativer Audiowalk unter dem Titel »Walking the Gaza Monologues« stattfinden und dabei Bezüge zwischen dem Krieg im Gazastreifen und dem Holocaust herstellen.

Geplant war eine Route entlang der Stolpersteine, die an von den Nationalsozialisten ermordete Juden erinnern. Nach Angaben der Veranstalter sollten sich dabei »die Zeitachsen zweier Völkermorde zu Parallelen entwickeln«. Anschließend war ein Workshop im linken Kollektiv-Café »K-Fetisch« vorgesehen.

Scharfe Kritik kam unter anderem von Elio Adler, dem Vorsitzenden des Vereins WerteInitiative. In einem offenen Brief erklärte er, die Verbindung von Texten über den Gaza-Krieg mit Stolpersteinen stelle die Schoa und den israelischen Krieg gegen die palästinensische Terrororganisation Hamas auf eine Ebene. Eine solche Gleichsetzung sei historisch falsch und entspreche nach der Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) antisemitischen Mustern.

»Täter-Opfer-Umkehr in Reinform«

Wer das Andenken der Schoa-Opfer derart instrumentalisiere, verhöhne sie ein zweites Mal, heißt es im Brief. »Das ist Täter-Opfer-Umkehr in Reinform, ausgetragen auf dem Rücken der Toten«, schrieb Adler.

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Der »Tagesspiegel« berichtet weiter, Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) habe noch am Freitagabend reagiert und Kulturstadträtin Janine Wolter (SPD) informiert. Auch Sozialstadtrat Hannes Rehfeldt (CDU) forderte in einer E-Mail an das Bezirksamt, die aus seiner Sicht antisemitische und die Schoa verharmlosende Aufführung zu stoppen.

Am Samstag nahm die Festivalleitung den Programmpunkt von ihrer Internetseite. Später erklärte sie, die problematische inhaltliche Verknüpfung sei bei der ursprünglichen Anmeldung nicht erkennbar gewesen. Erst nach Hinweisen habe man die »volle inhaltliche Tragweite« erkannt und das Projekt deshalb aus dem Programm entfernt. Zugleich kündigten die Veranstalter an, ihre redaktionellen Prüfverfahren künftig zu verschärfen. Die Instrumentalisierung historischer Gedenkorte sowie jede Form von Antisemitismus oder Relativierung hätten auf dem Festival keinen Platz.

Plattform für Antisemitismus und Israelhass

Allerdings verweist der »Tagesspiegel« darauf, dass das Festival wenige Tage zuvor einen Instagram-Beitrag zur Veranstaltung mit Herz-Symbolen kommentiert hatte. Die Organisatoren des Audiowalks warfen dem Festival anschließend vor, politischem Druck nachgegeben zu haben. Eine Holocaustrelativierung habe man nie beabsichtigt.

Auch die israelische Botschaft in Berlin äußerte sich zu dem Vorfall. Nicht die Absage sei der eigentliche Skandal, sondern die Tatsache, dass die Idee überhaupt Teil eines öffentlich geförderten Kulturfestivals habe werden können. Sie kritisierte zudem, öffentliche Gelder dürften nicht dazu beitragen, Antisemitismus und Israelhass eine Plattform zu bieten.

Das Festival »48 Stunden Neukölln« wird nach eigenen Angaben seit Jahren von der Berliner Senatskulturverwaltung und dem Bezirksamt Neukölln gefördert. Ob für den abgesagten Audiowalk öffentliche Fördermittel bewilligt worden waren, bleibt zunächst unklar.im

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