NRW

Antisemitismus: Konzert der Rapper Kneecap in Oberhausen geplant, Absage gefordert

Kneecap am Mittwoch bei einem Auftritt in Paredes De Coura (Portugal) Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Das anstehende Konzert der nordirischen Hiphop-Gruppe Kneecap in Oberhausen sorgt bereits im Vorhinein für heftige Diskussionen. Das Trio aus Belfast soll am 20. August in der Turbinenhalle auftreten. Kritiker werfen der Band unter anderem Sympathien für die Terrororganisationen Hamas und Hisbollah sowie antisemitische Äußerungen vor und verlangen eine Absage. Die »WAZ« berichtete.

Das Oberhausener Bündnis »Es reicht! – Oberhausen solidarisch gegen Rechts« hat die Veranstalter öffentlich dazu aufgefordert, das Konzert nicht stattfinden zu lassen. In sozialen Netzwerken wird ebenfalls Kritik geübt. Dort reichen die Kommentare von »unglaublich« bis »widerlich« und »ekelhaft«.

Für besondere Empörung sorgte ein Auftritt von Kneecap im November 2024. Damals trug ein Bandmitglied eine Flagge der Hisbollah auf der Bühne. In einem Video ist zudem zu hören, wie der Musiker »Free Palestine! Up Hamas! Up Hezbollah!« ins Mikrofon ruf.

»Faschistische Terrorpropaganda«

Das Oberhausener Bündnis sieht in dem geplanten Konzert eine klare Grenze überschritten. »Die Band Kneecap hat wiederholt auf ihren Konzerten ihre Unterstützung für die islamistischen Terrorgruppen Hamas und Hisbollah kundgetan. Das ist nicht zu tolerieren. Antisemitismus und faschistischer Terrorpropaganda dürfen in Oberhausen keine Bühne geboten werden«, erklärte die Initiative.

Verantwortlich für das Konzert ist die Hamburger Musikagentur Kingstar Music, die die Turbinenhalle für die Veranstaltung angemietet hat. Geschäftsführer Timo Birth betont, die politische Kontroverse um Kneecap sei dem Unternehmen bekannt.

»Kneecap sind eine international erfolgreiche und derzeit viel diskutierte Band, für deren Konzert auch in Deutschland eine entsprechende Nachfrage besteht«, erklärte Birth. Gleichzeitig verwies er auf einen Unterschied zwischen Kritik an der israelischen Regierung und Antisemitismus beziehungsweise der Unterstützung terroristischer Organisationen. »Die pauschale Einordnung der Band als israelfeindlich würden wir uns in dieser Form daher nicht zu eigen machen«, erklärte der Veranstalter laut »WAZ«.

»Intensive Prüfung«

Kingstar lehne Antisemitismus sowie die Unterstützung oder Verherrlichung terroristischer Organisationen ausdrücklich ab. Die Vorwürfe gegen Kneecap würden ernst genommen und derzeit »intensiv geprüft«, hieß es.

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Eine Absage sei allerdings nicht vorgesehen. »Eine Konzertveranstaltung bedeutet aus unserer Sicht nicht, dass sich der Veranstalter sämtliche politische Aussagen eines auftretenden Künstlers zu eigen macht. Das gilt für Kneecap ebenso wie für andere Künstler, mit denen wir zusammenarbeiten«, so Birth.

Auch die Turbinenhalle selbst sieht derzeit keinen Anlass, den Auftritt zu verhindern. Die Betreiber fungieren bei der Veranstaltung lediglich als Vermieter der Halle. »Wir achten darauf, wen wir uns ins Haus holen«, sagt Sprecher Björn Josefiak. Bei Künstlern, die kontrovers betrachtet würden, beschäftige man sich im Vorfeld auch mit möglichen Konsequenzen. Dazu könnten etwa Demonstrationen oder Auseinandersetzungen rund um die Veranstaltung gehören.

»Kulturelle Vielfalt«

Im Fall von Kneecap habe man jedoch keine Absage erwogen. Die Turbinenhalle sei ein Ort, »an dem kulturelle Vielfalt wie an kaum einem anderen Ort gelebt wird«, erklärte Josefiak. Dass das nordirische Trio kontrovers gesehen werde, sei bekannt. »Ja. Aber da ist immer die Frage: Wie geht man damit um?«

Für Verwunderung sorgt zudem, dass das Konzert erst wenige Tage vor dem Termin öffentlich angekündigt wurde. Die Band machte den Auftritt über soziale Medien bekannt, Tickets werden unter anderem über Eventim verkauft. Weder Kingstar noch die Turbinenhalle hätten zuvor offensiv für das Konzert geworben, heißt es in dem Zeitungsbericht aus NRW.

Kritiker vermuten dahinter den Versuch, den Verkauf zu ermöglichen, ohne durch eine frühzeitige Ankündigung zusätzliche Aufmerksamkeit auf die umstrittene Band zu lenken.

Möglicher Verstoß gegen Terrorismusgesetz

Die Kontroverse um die Band hat auch eine juristische Vorgeschichte. Der Auftritt mit der Hisbollah-Flagge und die Rufe »Up Hamas! Up Hezbollah!« waren von britischen Behörden als möglicher Verstoß gegen das dortige Terrorismusgesetz untersucht worden.

Der Kneecap-Rapper Liam Óg Ó hAnnaidh, bekannt als Mo Chara, wurde deshalb im Mai 2025 angeklagt. Er erklärte, ihm sei nicht bewusst gewesen, wie die Flagge der Hisbollah aussehe. Die Musiker wiesen außerdem zurück, Hamas oder Hisbollah zu unterstützen. im

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