Hochschule

Akademische Gemeinsamkeiten

Längst stehen die Hochschulen der Welt über ein agiles Netzwerk miteinander in Verbindung. Es findet ein Austausch an Wissen statt, aber auch das akademische Personal ist in reger Bewegung. Für dieses Treiben im Hochschulbereich gibt es in Deutschland Förderprogramme von staatlicher wie nicht-staatlicher Seite, es gibt Eigeninitiativen innerhalb des akademischen Betriebs, und seit Jahrzehnten läuft all das auch zwischen den Universitäten Israels und Deutschlands ab.

Zum Austausch des »akademischen Nachwuchses« hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)zusammen mit dem Ministerium für Wissenschaft und Technologie schon vor über 20 Jahren aufgerufen (damals ging es vor allem um Wassertechnologieforschung).

AUSLANDSSTUDIUM Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) bietet auch schon eine ganze Weile die Möglichkeit eines Auslandsstudiums in Israel, lädt aber eben auch israelische Studierende dazu ein, an deutsche Unis zu kommen.

Das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) pflegt ebenfalls Kooperationen mit Israels akademischer Welt. Mit seiner (zusammen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung) errichteten und jährlich stattfindenden »Israel-Akademie« bietet das jüdische Begabtenförderungswerk seinen Stipendiaten eine gemeinschaftliche Bildungsreise an.

Im Jahr 2020 gab es 251 Kooperationen deutscher und israelischer Hochschulen.

Laut COGERIL, einer Informationsplattform für Wissenschaftler beider Länder, die im Auftrag des BMBF tätig ist, verzeichnete die deutsche Hochschulkonferenz im Jahr 2020 251 Kooperationen deutscher und israelischer Hochschulen. An diesen Kooperationen beteiligten sich demnach »124 deutsche und 33 israelische Hochschulen sowie drei weitere israelische Forschungseinrichtungen«. Ganz vorne mit dabei sei mit 34 Kooperationen die Hebräische Universität Jerusalem. Auf deutscher Seite liege die Freie Universität Berlin an der Spitze.

STÄDTEPARTNERSCHAFT Aber man ist eben auch andernorts sehr rege mit dabei, immer wieder gibt es etwas von neuen Aktivitäten zu berichten. Seit Sommer 2021 zählt Beer Sheva zu Münchens Partnerstädten. Im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten fiel diese Entscheidung, sich mit einer israelischen Stadt freundschaftlich zu verbinden, recht spät. Sie scheint einigen Kooperationsaktivitäten zwischen den Münchnern und den israelischen Universitäten ein wenig hinterherzuhinken.

Zumal es an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) seit 1997 den Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur von Professor Michael Brenner gibt, darin eingebettet seit 2015 das »Zentrum für Israel-Studien« sowie seit 2018 die damit verbundene »Amos Oz Poetik-Gastprofessur für Hebräische Literatur«. Dabei, erklärt Brenner, sei allerdings auch generell zu unterscheiden zwischen den »Universitätspartnerschaften und Städtepartnerschaften, aus denen sich dann eben auch Partnerschaften der jeweiligen Universitäten ergeben«.

Für den Forschungsschwerpunkt deutschsprachige Literatur steht in Beer Sheva Professor Mark Gelber.

So habe die LMU eben schon längere Zeit eine Universitätspartnerschaft mit Tel Aviv. Auf die Partnerschaft mit der Ben-Gurion-Universität des Negev (BGU) in der etwa 210.000 Einwohner zählenden Wüstenstadt Beer Sheva freue er sich, und zwar besonders als Historiker: »Diese Universität ist eine innerhalb Israels führende im Bereich ›Israel Studies‹, von deren Wissen über die Geschichte des Landes, die des Zionismus, die politische Figur Ben Gurion wir profitieren können«, auch wenn ihm natürlich klar sei, so Brenner, dass die BGU – gelegen »im israelischen Silicon Valley« – auf den ersten Blick vor allem als Partnerin der Münchner Technischen Universität interessant erscheine, »aber es sind da eben auch die Geisteswissenschaften sehr stark«.

Zudem beherberge die Universität ein reiches Archiv, »in dem zum Beispiel die Nachlässe von Amos Oz liegen«. Für den Forschungsschwerpunkt »deutschsprachige Literatur« steht innerhalb der BGU ohne Frage Professor Mark Gelber, Literaturwissenschaftler und einer der bekanntesten Stefan-Zweig-Forscher. Er wird am 25. Januar, veranstaltet von Brenners Lehrstuhl und dem Münchner Kulturreferat, einen virtuellen Vortrag in deutscher Sprache halten über Beer Sheva, dessen Geschichte wie Gegenwart. »Das erschien uns doch für alle Menschen in München und nicht nur für die Studierenden passend zu sein«, sagt Brenner.

FORSCHUNGSZENTRUM Etwas Neues tut sich auch in Frankfurt am Main, das unlängst das 40. Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Tel Aviv beging. Seit Dezember 2021 gibt es eine Absichtserklärung zwischen der Goethe-Universität und der Universität Tel Aviv. Beide sind bereits seit 1984 Partneruniversitäten. Nun soll zusätzlich und ganz neu ein gemeinsames Zentrum zur Erforschung »religiöser Studien und interreligiöser Dynamiken« gegründet werden. Von Frankfurter Seite steht für dieses Vorhaben Christian Wiese, Inhaber der Frankfurter Martin-Buber-Professur im Fachbereich Evangelische Theologie sowie Direktor des seit Anfang 2021 bestehenden Buber-Rosenzweig-Instituts.

Ein neues Zentrum soll religiöse Studien und interreligiöse Dynamiken erforschen.

Wiese geht davon aus, dass die Gründung des »ersten deutsch-israelischen Forschungszentrums im Bereich der Geisteswissenschaft« in den nächsten Monaten über die Bühne gehen kann. Damit werde etwas entstehen, was »deutlich über die normalen Formen der Kooperation hinaus« reiche, »denn wir arbeiten wirklich gemeinsam, haben ein gemeinsames Forschungsprogramm mit gemeinsamen Vorlesungen, einen Austausch von Dozenten, Summer Schools, tatsächliche Begegnungen, Studierendenaustausch«.

Auch werde man viel mehr als bisher interdisziplinär aufgestellt sein: »Einbezogen werden neben Religionswissenschaften, Judaistik und Islamwissenschaft ebenso Geschichtswissenschaft, Philosophie oder Ethnologie, sofern sie sich auch mit Religion beschäftigen.« Geplant sei dann auch ein gemeinsamer englischsprachiger Masterstudiengang mit dem Schwerpunkt »interreligiöse Dynamiken«. Mehr akademische Gemeinsamkeit geht kaum.

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