Debatte

Danger Dan und Igor Levit: So reagiert »Die Anstalt« in ihrer Sendung auf die Absage des ZDF

Foto: picture alliance / SvenSimon

Die Macher der Satiresendung »Die Anstalt« haben die ZDF-Entscheidung zur Ausladung des Rappers Danger Dan erneut deutlich kritisiert und ihre Position vor der Kamera erläutert. In ihrer Jubiläumssendung, die der Sender am Samstagabend vorab im Stream bereitstellte, äußern sich die drei Moderatoren ausführlich zu dem Streit - teilweise unter großem Applaus des Studiopublikums. Gefeiert wurde die 100. Ausgabe der Sendung.

»Wir verstehen, dass man über den Song geteilter Meinung sein kann, aber wir empfinden die Entscheidung des ZDF in einer Zeit, in der rechtsextreme Gewalt in der Geschichte der Bundesrepublik mal wieder einen Höchststand erreicht hat, einfach als mutlos«, sagte Moderator Claus von Wagner.

Lesen Sie auch

Das Team las abwechselnd Passagen aus dem Song »Keine Angst« vor und kommentierte sie. Darunter war etwa eine Stelle, in der es darum geht, Namen von Rechtsextremen zu recherchieren und zu veröffentlichen. Das könne strafbar sein, sagte Moderator Max Uthoff. 

Über die letzten Zeilen des Liedes, in dem vier Vornamen genannt werden, die identisch sind mit Vornamen einschlägig bekannter, zum Teil schon rechtskräftig verurteilter Linksextremisten, habe das Team viel diskutiert. Man verurteile Gewalt. Die Frage sei aber, was passiere, wenn der Staat sein Gewaltmonopol nicht durchsetze und Menschen ungeschützt seien vor Nazis, sagte Uthoff. 

Die Debatte sei wichtig und das Team hätte sich sehr gewünscht, dass Danger Dan hätte auftreten dürfen, so dass man im Anschluss mit ihm hätte diskutieren können, sagte Moderatorin Maike Kühl. 

Zuvor war nach einem Sketch ein schwarzer Flügel gezeigt worden. Auf diesen waren zwar Scheinwerfer gerichtet, es saß aber niemand an dem Instrument. Davor stand ein einsames Mikrofon. Ursprünglich sollte Danger Dan den Song mit Starpianist Igor Levit in der 100. Ausgabe der Satiresendung präsentieren. 

Das ZDF thematisierte den abgesagten Auftritt auch in einer »Aspekte«-Sendung am Samstagabend. Zahlreiche Experten wurden zu der Thematik befragt, die von verschiedenen Seiten beleuchtet wurde. Zu Wort kamen Juristen, Journalisten, Kabarettisten und Publizisten mit verschiedenen Einschätzungen. 

Der Sender hatte erklärt, dass der Text des Liedes als Anleitung zum politischen Extremismus verstanden werden könne, der Selbstjustiz propagiere und rechtswidrige Taten und Gewalt nicht ausschließe. 

Der Leiter der ZDF-Hauptredaktion Show, Oliver Heidemann, unterstrich, man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Heidemann bedauerte, dass sie lange gedauert habe. Diesen Punkt verstehe er. dpa

TV-Kritik

Der Ring, der nie gelungen: Arte-Doku über Richard Wagner und sein monumentales Werk

Eine Arte-Dokumentation erzählt die Geschichte von Richard Wagners Gesamtkunstwerk und seiner Vereinnahmung durch die Nazis

von Manfred Riepe  14.08.2026

Gesangswettbewerb

Hat neue ESC-Vorschrift Auswirkungen auf drohenden Israel-Boykott?

Diese Debatte lässt den Eurovision Song Contest nicht los: Einige Länder könnten auch die kommende Ausgabe des ESC aufgrund der Teilnahme des jüdischen Staates boykottieren. Nun gibt es eine neue Regel - sorgt diese nun für Ruhe?

von Daniel Zander  14.08.2026

Exklusiv

Causa Georg Restle: Jetzt meldet sich WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni zu Wort

Felix Schotland, Mitglied im WDR-Rundfunkrat und im Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, beschwerte sich über einen X-Post des Journalisten Georg Restle. Nun bekam er eine Antwort

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026

Leipzig

Ausstellung mit Fotografien von NS-Deportationen

Mehrere Hunderttausend Menschen wurden in der NS-Zeit aus dem Deutschen Reich deportiert. Ein Forschungsprojekt sichert seit Jahren fotografische Dokumente. Einige zeigt jetzt das Leipziger Ariowitsch-Haus

 13.08.2026

Jubiläum

25 Jahre Jüdisches Museum Berlin: Risse in der Geschichte

2001 öffnete das Jüdische Museum seine Türen für die Öffentlichkeit. Der Bau des bekannten Architekten Daniel Libeskind stand da schon. Und spricht bis heute eine eigene Sprache

von Nikolas Ender  13.08.2026

NRW

Antisemitismus: Konzert der Rapper Kneecap in Oberhausen geplant, Absage gefordert

Die Veranstalter sagen, Vorwürfe der Terrorverherrlichung gegen die nordirische Band würden ernst genommen und »intensiv geprüft«. Eine Absage komme aber nicht infrage

 13.08.2026

Comics

Asterix’ Vater

Vor 100 Jahren wurde René Goscinny geboren. Der Erfinder des gallischen Dorfes hat mit seinem jüdischen Humor ein Genre neu erfunden

von Alexander Kluy  13.08.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  13.08.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 12.08.2026