Computerlogbuch der Enterprise, Sternzeit 2026,9 - Captain Kirk. An Bord: Spock, Pille, Scotty, Sulu, Uhura und Chekov. Klangvolle Namen. Die Schauspieler sind inzwischen fast alle tot oder an der Schwelle zu 90 oder darüber. Doch die Legende lebt weiter - und feiert Jubiläum: Vor 60 Jahren, am 8. September 1966, wurde die erste Folge der Erfolgsserie »Star Trek« (deutsch: Raumschiff Enterprise) im US-TV-Sender NBC ausgestrahlt.
»Der Weltraum - unendliche Weiten. (…) Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung fünf Jahre unterwegs ist, um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.« Für Fans (»Trekkies«) hat dieser Vorspann, mit dem jede Folge beginnt, nichts von seiner Faszination verloren.
»Raumschiff Enterprise«, eine der legendärsten TV-Serien aller Zeiten, spielt im Jahr 2200; einer Zeit, in der die Menschheit den Dritten Weltkrieg überlebt hat und sich friedlich mit anderen außerirdischen Lebensformen zur »Vereinigten Föderation der Planeten« zusammengeschlossen hat. Die »Raumflotte« entsendet die »USS Enterprise« auf die Mission, fremde Planeten und Galaxien zu erkunden und unbekannte Lebensformen kennenzulernen.
Kirk, Spock, Pille, Scotty und Uhura
Die Original-Besatzung wird geführt von Captain James Tiberius Kirk (William Shatner, 95), dem Ersten Offizier Mr. Spock (Leonard Nimoy, gestorben 2015), Chef-Ingenieur »Scotty« Scott (James Doohan, gest. 2005), Steuermann Sulu (George Takei, 89), Kommunikationsoffizier Lieutenant Uhura (Nichelle Nichols, gest. 2022), Navigator Pavel Chekov (Walter Koenig, 89) und Schiffsarzt Dr. Leonard »Pille« McCoy (DeForest Kelly, gest. 1999).
Sowohl Shatner als auch Nimoy und Koenig stammen aus jüdischen Familien. Und der Spock-Darsteller hat immer wieder betont, dass die Serie für ihn eine jüdische DNA hat: »Wenn die hohe Wertschätzung von Bildung jüdisch ist, dann kann man durchaus sagen, dass es in Star Trek jüdische Aspekte gibt. Und wie steht es mit der Toleranz gegenüber jedem Individuum, seiner Würde? Wie steht es mit Wohltätigkeit und Sorge um die Bedürftigen? Das sind Werte, die in der ganzen Serie sehr wichtig sind, und es sind jüdische Werte!«
Der Vulkanier mit den spitzen ohren sei für ihn eine Figur mit ausgeprägtem »Diaspora-Charakter«, der für »das Andere« steht, den »Fremden«. Und dann ist da noch der Vulkanier-Gruß, den Nimoy erfunden hat, in Erinnerung an den Birkat Kohanim, den Segen in der Synagoge in Boston.
Galaktische Perspektive
»Star Treks« Sicht auf den Menschen und seine Verbündeten ist optimistisch, aber manchmal auch ziemlich schlicht: Auf den Expeditionen werden zwar Grenzen durchbrochen und die Menschen scheinen über sich hinauszuwachsen. Doch der Erkenntnisfähigkeit sind eben auch menschliche Grenzen gesetzt. Die vermeintlich galaktische Perspektive hat »Star Trek«-Schöpfer Gene Roddenberry (1921-1991) wohl ganz bewusst gewählt: Geh weiter weg von dir, damit du dich selbst besser erkennen kannst!
Tatsächlich sind die »fernen Welten« und vermeintlich unbekannten Gesellschaften doch immer ein ziemlich glasklares Spiegelbild terrestrischer Gesellschaftsentwürfe. Was sind im Kalten Krieg die aggressiven Klingonen anderes als rückwärtsgewandte, militaristische Sowjets? Matriarchische Planeten reflektieren die Frauenbewegung in Amerika. Und die verschlagenen, stets schwer zu deutenden Romulaner stellen wohl die Bedrohung aus dem fernen China dar.
Auch die Rassentrennung in den USA wird thematisiert - und überwunden. In einer Folge, die in manchen Südstaaten als inakzeptabel aussortiert wurde, küsst Captain Kirk die schwarze Offizierin Uhura. Das Führungstrio der Enterprise verkörpert drei Archetypen: den Tatmenschen (Kirk), den Vernunftgesteuerten (Spock) und den Gefühlsmenschen (»Pille«). Sie alle brauchen einander; jeder für sich kommt mit seinem Angang allein nicht zum Ziel.
Lagerfeuer »am Rande des Universums«
In mehreren Nachfolge-Kinofilmen, -Generationen und Staffeln, in Hunderten Folgen wurden die Storyboards zunehmend komplexer, die Charaktere immer ausgefeilter. Und doch ist vielleicht eine Szene aus dem Kinofilm »Star Trek V: Am Rande des Universums« (1989) als menschlich-männliche Urerfahrung besonders emblematisch: Bei ihrem Camping-Urlaub auf der Erde 2287 singen Captain Kirk und »Pille« McCoy abends am Lagerfeuer gemeinsam einen amerikanischen Kinderkanon. »Row, row, row your boat / Gently down the stream. Merrily, merrily, merrily, merrily, Life is but a dream.« (»Ruder‘ dein Boot sanft die Strömung hinab; heiter, heiter, heiter / Das Leben ist nur ein Traum«). Spock weigert sich zunächst mitzusingen, da der Text ohne Sinn sei. Am Ende aber begleitet er Kirk und McCoy stumm mit seinem vulkanischen Saiteninstrument. Faszinierend!