Der Philosoph und Religionswissenschaftler Carlos Fraenkel ist neuer Direktor des Potsdamer Einstein-Forums. Am Montag stellte Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) den 1971 in Münster geborenen Wissenschaftler, der zuvor unter anderem in Oxford und Montreal lehrte, der Öffentlichkeit vor.
Die 1993 gegründete Stiftung Einstein-Forum widmet sich der wissenschaftlichen Debatte mit der Öffentlichkeit. »Im Einstein-Forum wird das Argument gewichtet, nicht die Herkunft des Argumentes«, sagte Schüle. »Menschen, die akademische Weihen erfahren haben, diskutieren mit jenen, die vielleicht ohne akademische Weihen sind.« Zudem gehört der Stiftung Albert Einsteins Sommerhaus in Caputh, und sie vergibt regelmäßig Stipendien für Gastwissenschaftler.
Philosophie in Öffentlichkeit verankern
»Wir wollen die Philosophie breit in der Öffentlichkeit verankern«, kündigte Fraenkel an. »Wir wollen ein globales, lebendiges Streitgespräch über die sokratische Frage, wie sollen wir leben, wie stellen wir uns ein gelingendes Leben vor und wie muss die Gesellschaft aussehen, damit wir ein gelingendes Leben führen können?« Das sei eine Menschheitsfrage, auf die es Antworten in der westlichen Tradition, aber auch in den Traditionen des Hinduismus, Buddhismus und des Islam gebe.
»Wir müssen uns, ob wir es wollen oder nicht, neu orientieren in dieser Welt und neu darüber nachdenken, wie wir leben wollen«, sagte Fraenkel. »Wir kommen nicht umhin, über diese Fragen nachzudenken.«
Die Philosophie könne den Menschen Werkzeuge geben, das intelligent zu tun, und nicht aus Affekten heraus zu handeln. »Ich möchte nicht irgendwann die Geschichte erzählen müssen, dass der Enkel deutscher Juden, die aus Deutschland von den Nazis vertrieben wurden, seine Stelle verloren hat, weil die AfD auch in Brandenburg an die Macht gekommen ist.«