Meinung

Was man als Jude tun muss, um Donald Trump gut zu finden

Verbreitet nicht nur bei Jüdinnen und Juden äußerst ambivalente Gefühle: US-Präsident Donald Trump Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Manche Juden lieben Donald Trump. Israelis sind geradezu verschossen in ihn: In Tel Aviv wurde eine Hauswand gesichtet, auf der ein riesiges Trump-Konterfei prangt. Spätestens seit linksradikale Studenten an amerikanischen Unis ihre jüdischen Kommilitonen bespuckt, beschimpft, beleidigt und bedroht haben, und zudem herauskam, dass an amerikanischen Bildungseinrichtungen palästinensische Professoren lehren, die das genozidale Massaker vom 7. Oktober 2023 als »antikolonialen Akt« gefeiert haben – Mord an Säuglingen und Vergewaltigungen inklusive –, spätestens seit diesen Ungeheuerlichkeiten sehen viele konservative Juden in Trump einen Verbündeten.

Immerhin hat der Mann sich unmissverständlich gegen Antisemitismus ausgesprochen. Seine Regierung will palästinensische Aktivisten ausweisen. Die Harvard University, wo der linke Judenhass sich besonders ungeniert austobte, soll von der Regierung in Washington kein Geld mehr bekommen. Was ist daran falsch?

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Zunächst einmal muss, wer den 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten als Kämpfer gegen den Antisemitismus feiert, über allerlei hinwegsehen. Er muss vergessen, gegen wen sich die Proteste der Hamas-Freunde an amerikanischen Unis seinerzeit gerichtet haben: gegen Joe Biden, nicht gegen Trump. Biden war für die linksradikalen Studenten eine absolute Hassfigur, weil er seine Solidarität mit Israel erklärt, die Familien der Geiseln umarmt und Israel mit so vielen Waffen unterstützt hat wie kein Präsident zuvor.

Außerdem muss man, um Trump als Jude gut zu finden, vergessen, mit wem er sich im November 2022 zum Abendessen traf: Kanye West. West, der sich neuerdings Ye nennt, ist ein Rapper mit antisemitischem Tourette-Syndrom: Es fällt ihm schwer, sich öffentlich zu äußern, ohne seine Bewunderung für Hitler und seine Abscheu gegen Juden kundzutun. Zum Dinner hatte er einen weiteren Gast mitgebracht, einen gewissen Nick Fuentes. Jener Fuentes, von dem auch weiter unten noch die Rede sein wird, ist ein Holocaustleugner, der antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet, kurz: ein Nazi. Natürlich hat Trump sich für sein trautes Zusammensein mit zwei Judenhassern von der radikalen Sorte nie entschuldigt.

Frauenverachtung und Hitlergruß

Um Trump für einen Verbündeten zu halten, muss man auch übersehen, wer derzeit für ihn arbeitet. Da ist etwa Paul Ingrassia, der für Trumps Weißes Haus die Verbindung mit dem Department of Homeland Security hält, der amerikanischen Version des Innenministeriums. Ingrassia ist ein Freund von Andrew Tate, dem für seine Frauenverachtung bekannten Influencer, der mittlerweile zum Islam übergetreten ist. Tate hat den Hitlergruß gezeigt und die Hamas für ihre Heldentaten gepriesen. Paul Ingrassia wurde ferner auf Veranstaltungen mit dem oben erwähnten Nick Fuentes gesichtet, auf denen seine Anhänger brüllten: »Nieder mit Israel!«

Ferner sollten wir Kingsley Wilson nicht vergessen, eine 26-Jährige, die unter Trump zu einer Pressesprecherin des Pentagon wurde. Wilson ist Fan der AfD (Sie postet im Internet auf Deutsch: »Ausländer raus!«), glaubt, dass Leo Frank, ein amerikanischer Jude, der 1915 gelyncht wurde, sein Schicksal verdient hätte, und findet gar nicht gut, dass Amerika Israel unterstützt.

Nun ist Wilson eine kleine Angestellte, aber Kash Patel ist immerhin der von Trump auserkorene FBI-Chef. Und Patel war achtmal im Podcast eines gewissen Stew Peters zu Gast – Peters posierte auf einem Foto mit Hitlers Mein Kampf und reagiert auf Juden generell mit Schaum vor dem Mund. Selbstverständlich behauptete Patel, er könne sich an diesen Stew Peters überhaupt nicht erinnern; selbstverständlich lügt er.

Trump wendet sich ausschließlich gegen eine Form des Judenhasses

Zu schlechter Letzt sollten wir noch auf eine besondere Perle in Trumps Einwanderungspolitik zu sprechen kommen. Es ist nämlich eine Lüge, dass Donald Trump überhaupt alle Einwanderer ablehnt (auch Afghanen, die unter Einsatz ihres Lebens für die US-Streitkräfte gearbeitet haben). Es gibt eine bemerkenswerte Ausnahme: Vor Kurzem hieß die amerikanische Regierung mehr als 50 weiße Südafrikaner willkommen, die vor einem (fiktiven) Genozid an den Weißen Südafrikas fliehen. Unter den Geflüchteten: ein Charl Kleinhaus, der im Internet veröffentlicht hatte, Juden seien »nicht vertrauenswürdig«, eine »gefährliche Gruppe« und keinesfalls »Gottes Auserwählte«. Eigentlich sollte Antisemitismus unter Trump ein Grund sein, um keinen Flüchtlingsstatus gewährt zu bekommen. Indessen hält Herr Kleinhaus sich selbst nicht für einen Antisemiten.

Ziehen wir nun den Strich unter diese Bilanz und stellen fest: Trump wendet sich ausschließlich gegen eine Form des Judenhasses, die linke Spielart. Rechte Antisemiten dagegen scheinen ihm höchst willkommen zu sein.

Juden, die sich mit Trump einlassen, wiederholen einen Fehler, den die Zionisten schon einmal gemacht haben. 1934 traf Chaim Weizmann, der Anführer der Zionistischen Weltorganisation, Benito Mussolini in Rom zum Tee. Er hoffte, den Duce für eine Unterstützung des Jischuw, der jüdischen Bevölkerung im britischen Mandatsgebiet Palästina, gewinnen zu können. Der Fairness halber sollte man hinzufügen: Der italienische Faschismus war damals noch überhaupt nicht judenfeindlich, und Mussolini noch nicht mit Hitler verbündet (den er für einen teutonischen Barbaren hielt). Aber er war doch schon der Chef einer autoritären, extrem nationalistischen Regierung. Hat Weizmanns Besuch bei Mussolini sich für den Jischuw denn wenigstens gelohnt? Nein; als zwei Jahre später der arabische Aufstand gegen die Briten losbrach, haben der Duce und Hitler sich doch lieber mit dem Großmufti verbündet, dem berüchtigten Harsch Amin al-Husseini, der von einer »Endlösung« im Nahen Osten träumte.

Und Donald Trump? Der hat sich soeben von Katar ein fliegendes Bordell, eine innen vergoldete Boeing 747, im Wert von 400 Millionen Dollar schenken lassen. Das Emirat Katar ist ein moderner Sklavenstaat; es ist außerdem der Sugardaddy der Hamas. Wer nun glaubt, dass Trump den Herrschern von Katar für ihr Geschenk keine Gegenleistung schuldet – nun, diesem Freund Israels habe ich in Jerusalem kostengünstig eine Klagemauer zu verkaufen.

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