Wien

US-Flüchtlingsorganisation HIAS muss ihr Europa-Büro schließen

Jüdische Flüchtlinge aus Moskau kommen im August 1973 in Wien an. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs galt die Hebrew Immigration Aid Society (HIAS) in Wien als Europas Ellis Island für Schoa-Überlebende und andere jüdische Flüchtlinge auf dem Weg nach Amerika, Kanada, Australien, Südamerika und später Israel.

Nun muss die historische Organisation ihre Wiener Zentrale schließen und Dutzende Mitarbeiter entlassen. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat beschlossen, das US-Flüchtlingsprogramm zu beenden und die Finanzhilfe zu stoppen, mit denen das »Resettlement Support Center« in Österreich finanziert wurde und das HIAS mehr als 25 Jahre betrieben hat, so ein Bericht der »Jewish Telegraph Agency«.

Im Iran gestrandet

Durch diesen Schritt würden mehr als 14.000 iranische religiöse Minderheiten – darunter Hunderte Juden sowie Tausende Baha’i, Christen, Zoroastrier und Mandäer –, deren Überprüfung und Genehmigung für die Umsiedlung in die USA bereits abgeschlossen gewesen sei, im Iran zurückgelassen, heißt es weiter. Auch mehrere hundert eritreische und andere Asylsuchende in Israel hätten ihre Möglichkeit für eine legale Umsiedlung verloren.

»Diese Entscheidung bringt Tausende von Familien in Gefahr und nimmt ihnen den Zugang zu Sicherheit«, wird Beth Oppenheim, Geschäftsführerin von HIAS, zitiert. HIAS werde sich für die Wiederherstellung und Wiedereröffnung rechtmäßiger Wege für Menschen einsetzen, die vor religiöser Verfolgung fliehen müssen, und werde weiterhin Tausenden von Flüchtlingen und Asylsuchenden weltweit Dienstleistungen anbieten. »Seit Generationen sind die Vereinigten Staaten ein Leuchtfeuer für all jene, die vor religiöser Unterdrückung fliehen müssen, und wir werden dafür kämpfen, dieses Erbe zu bewahren«, so Oppenheim.

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Die Trump-Regierung hatte den Schritt damit begründet, dass US-Gemeinden keine Kapazitäten hätten, weitere Flüchtlinge aufzunehmen, auch deren Assimilation sei ein Problem. Gemäß einer präsidentiellen Anordnung werde die Aufnahme von Flüchtenden nur dann wiederaufgenommen, wenn diese den nationalen Interessen der USA entsprächen und die öffentliche und nationale Sicherheit oder die Ressourcen der Steuerzahler nicht gefährdeten.

Nach der Schoa hatte das HIAS rund 150.000 Überlebenden bei der Umsiedlung geholfen. Nach dem Ungarischen Volksaufstand 1956 wurde Wien erneut zu einem Knotenpunkt für Flüchtlinge, als Tausende von Juden vor der Unterdrückung in der Sowjetunion flohen. Ende der 70er- bis Ende der 80er-Jahre fanden mehr als 400.000 Juden aus der ehemaligen Sowjetunion ihren Weg über Wien nach Amerika und in andere Länder, so JTA.

Auch Google-Mitgründer Sergey Brin passierte Wien

Unter anderem Google-Mitgründer Sergey Brin und die Musikerin Regina Spektor gehörten zu den vielen prominenten Juden, die auf ihrer Reise von der Sowjetunion in die Vereinigten Staaten Österreich passierten. »Wenn Ihre Familie in der Nachkriegszeit oder im Rahmen der sowjetischen jüdischen Immigration angekommen ist, war das HIAS-Büro in Wien möglicherweise ihr Tor in die Vereinigten Staaten«, wird Oppenheim zitiert.

In seiner modernen Form sei das HIAS-Büro in Österreich im Jahr 2000 zu einem von den USA finanzierten »Resettlement Support Center« geworden, das im Auftrag des Büros für Bevölkerung, Flüchtlinge und Migration des Außenministeriums tätig ist, so der Bericht weiter. Als eines von neun solcher Zentren weltweit habe sich das Wiener Zentrum zuletzt vor allem auf iranische religiöse Minderheiten konzentriert. Zwischen 2001 und 2025 habe man nach eigenen Angaben mehr als 33.000 Menschen aus dem Iran in die Vereinigten Staaten umgesiedelt. ja

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