Schweiz

Trauer um Alicia, Diana und Charlotte

Menschen legen am Brandort Blumen nieder, um der 40 Toten und 155 Verletzten zu gedenken. Foto: picture alliance/KEYSTONE

In der Silvesternacht wurde für unzählige junge Menschen das Feiern zum tödlichen Albtraum. In einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana ist es in den frühen Morgenstunden des 1. Januar zu einem Flammeninferno gekommen, bei dem 40 vor allem sehr junge Menschen ums Leben kamen, 155 weitere Personen wurden teils schwer verletzt.

Ein Feuer, dessen Ursache nach wie vor Gegenstand der Ermittlungen ist, vermutlich aber durch Wunderkerzen und brennbares Deckenmaterial ausgelöst wurde, hatte sich in der Bar, die sich im Untergeschoss eines Gebäudes befand, durch einen sogenannten Flashover-Brand schlagartig verbreitet. Die Opfer, die mittlerweile alle identifiziert werden konnten, waren zwischen 14 und 39 Jahre alt.

Schockstarre in der jüdischen Gemeinde

Die Brandkatastrophe in Crans-Montana versetzte auch die jüdische Schweiz in eine Schockstarre. Denn unter den Toten befinden sich drei junge jüdische Frauen. Wie die jüdische Gemeinde von Lausanne und des Kantons Waadt in einer Mitteilung am Sonntag bestätigte, handelt es sich bei zwei der drei Toten um die 15-jährige Alicia Gonset und ihre 14-jährige Schwester Diana. Die beiden Teenager stammten aus Pully, einem Vorort von Lausanne, wo die Familie Mitglied der jüdischen Gemeinde ist.

Die dritte junge Frau, die erst am Sonntag identifiziert wurde, ist Charlotte Niddam, Staatsbürgerin Frankreichs, Großbritanniens sowie Israels. Die Familie gab ihren Tod in den sozialen Medien »mit großer Trauer« bekannt und erklärte, die Einzelheiten der Beerdigung würden noch zu gegebener Zeit mitgeteilt. Sie werde voraussichtlich in Paris stattfinden. Auch die britische Außenministerin Yvette Cooper bestätigte die Nachricht in einem Beitrag auf der Plattform X. Die 15-jährige Charlotte Niddam besuchte das Immanuel College, eine Privatschule in Hertfordshire, sowie die Jewish Free School im Nordwesten Londons. Laut der Website des Resorts Crans-Montana arbeitete sie als Babysitterin in der Gegend.

Im gleichen Gebäudekomplex, in dem das Feuer ausgebrochen war, befindet sich auch ein Betraum von Chabad Lubawitsch.

Im gleichen Gebäudekomplex, in dem das Feuer ausgebrochen war, befindet sich auch ein Betraum von Chabad Lubawitsch. Anfänglich gab es laut lokalen Berichten Befürchtungen, dass es sich um einen Anschlag handeln könnte, der der jüdischen Gemeinde galt. Als in der Silvesternacht das Feuer in der Bar »Le Constellation« ausbrach, wurde auch die israelische Forensikorganisation »Zaka« alarmiert.

Diese ist auf Einsätze nach schweren Unglücksfällen, Explosionen und Terroranschlägen weltweit spezialisiert. Der letzte Auslandseinsatz der Organisation fand Mitte Dezember 2025 in Australien nach dem Angriff am Bondi Beach statt. Innerhalb weniger Stunden traf das Zaka-Team nun in der Schweiz ein, um bei der Identifizierung der Opfer zu helfen.

Zaka: Vertrauensvoller Austausch mit den Behörden

Die Organisation arbeitet aus religiöser Überzeugung daran, alle sterblichen Überreste den einzelnen Opfern korrekt zuzuordnen, damit würdige Bestattungen möglich sind. Zaka kam zwar in Crans-Montana nicht zum Einsatz, weil die Schweizer Behörden die Identifikation selbst durchführen wollten, bleibt aber vor Ort, um Angehörige zu unterstützen. Wie es vonseiten Zakas heißt, respektiere man den vertrauensvollen Austausch mit den Behörden im Land.

Nach Crans-Montana angereist ist auch der israelische Botschafter in der Schweiz, Tibor Schlosser. Er drückte vor Ort sein Mitgefühl aus und bot Unterstützung an. Wie er im Gespräch mit dieser Zeitung sagte, erklärt sich Israel auf unbeschränkte Zeit bereit, Schwerverletzte aufzunehmen. »Verschiedene israelische Krankenhäuser haben angeboten, Patienten aufzunehmen.« Außerdem bestehe die Möglichkeit, dass bei Bedarf ein Team spezialisierter Ärztinnen und Ärzte in die Schweiz reist, um medizinisches Expertenwissen zu teilen, sagte Schlosser.

7. Oktober

London: Maskierte Aktivisten protestieren gegen jüdischen Dachverband

Antiisraelische Aktivisten haben den Jahrestag des 7. Oktober 2023 zum Anlass genommen, das Board of Deputies of British Jews verbal anzugreifen. Es gab mehrere Festnahmen

 07.10.2026

Top 50

Die einflussreichsten Juden

Wie in jedem Jahr hat die »Jerusalem Post« ihr Ranking veröffentlicht – mit mehr Frauen und Gruppenplätzen

von Michael Thaidigsmann  07.10.2026

Meinung

Seht her, Berlin und New York: Es geht auch anders

Gerade am 7. Oktober wäre von linker Seite mehr Feingefühl zu erwarten. Zürich zeigt es diesmal vor.

von Nicole Dreyfus  07.10.2026

Fußball

Boykott gegen Israel – schließt sich das Schweizer Frauennationalteam den irischen Männern an?

Der Schweizerische Fußballverband reagierte offen, betonte jedoch, dass der Sport im Zentrum stehen solle

von Nicole Dreyfus  07.10.2026

Schweiz

Leerstellen im Mengele-Dossier

Nicht nur geschwärzte Namen sorgen im Mengele-Dossier des Nachrichtendienstes für Fragen. Auch wichtige Unterlagen fehlen – und niemand kann heute mehr genau erklären, warum.

von Nicole Dreyfus  06.10.2026

Großbritannien

»Die Grünen sind jetzt eine extremistische Partei«

Ein Parteitagsbeschluss der englischen Grünen, in dem der Zionismus als eine Spielart des Rassismus bezeichnet und zur Befreiung Palästinas aufgerufen wird, ist nicht nur in Großbritannien auf heftige Kritik gestoßen

 05.10.2026

Nachruf

Weimer würdigt gestorbene Holocaust-Überlebende Irene Butter

Eine weitere jüdische Zeitzeugin des Holocaust ist tot. Irene Butter starb im Alter von 95 Jahren in den USA. Lange hatte sie nichts von ihren Erlebnissen im KZ erzählt. Dann berichtete sie jahrzehntelang Schülern von ihrem Leben

von Christoph Arens  05.10.2026

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Madrid

Kritik an Zara wegen Halloween-Kostüm mit Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung

Die Hintergründe

 02.10.2026