Künstliche Intelligenz

So Fake, aber so gut

Keiner von ihnen ist echt. Aber die 20 Stars im AI-generierten Anti-Kanye-Video sehen verdammt gut aus. Foto: Screenshot Instagram

Zugegeben, ich hatte bereits beschlossen, mir etwas Gutes zu tun und fortan Augen und Ohren zu verschließen, sobald der Name Kanye West, Ye oder auch menschenverachtender, durchgeknallter Vollidiot, in den Schlagzeilen auftaucht.

Ja, er hat mal gute Musik gemacht. Ja, ich besitze sogar zwei Alben. Aber angesichts des anschwellenden Antisemiten-Gesangs war irgendwann Schluss mit der akademisch antrainierten Trennung von Kunst und Künstler. Sein Name sei vergessen. Bis mir immer wieder dieses Video zugeschickt wurde.

In sanft-sattem Schwarz-Weiß kommen mir Scarlett Johansson, Jerry Seinfeld, Natalie Portman, Lenny Kravitz, Mark Zuckerberg - insgesamt 20 Stars mit jüdischen Wurzeln aus dem Unterhaltungs- und Hightech-Olymp entgegen. Elegant wie Katzen, wissend lächelnd, unfassbar cool, über den Dingen stehend. Und alle tragen ein kuscheliges weißes T-Shirt, das piktogrammhaft eine Hand mit ausgestrecktem Mittelfinger zeigt - Nein, kein Hamsa, Mama! -, in der Mitte davon ein Davidstern und darunter einfach nur »Kanye«.

Weder Johansson noch Spielberg haben vor der Kamera gestanden

Unterlegt ist das wunderbare »Geh doch zur Hölle«-Defilee mit einer Elektroversion von »Hava Nagila«. Und während Steven Spielberg grinsend die Beine übereinanderschlägt, und Lisa Kudrows Lächeln süßer ist als eine Sufganja-Füllung, wird mir warm ums Herz, und die Anspannung der vergangenen 495 Tage voller Horrornachrichten, Angst, Enttäuschung, Heulattacken und Kopfschmerzen, dieses »Jeden Tag wird es immer noch schlimmer« weicht, wenn auch nur kurz. Aber sie weicht ein bisschen.

Nein, weder Johansson noch Zuckerberg oder Drake und Portman haben wirklich vor der Kamera gestanden. Und Johansson hat auch schon voller Wut reagiert, dass ihr Abbild mal wieder ohne ihr Wissen und ihre Zustimmung benutzt wurde. Denn das Video, das natürlich ratzfatz viral ging, ist das Produkt der israelischen Artificial-Intelligence-Firma Elevaitor, die sich auf generative KI spezialisiert hat.

Lesen Sie auch

Für deren Gründer Guy Bar und Ori Bejerano ist der Clip die Antwort auf Wests antisemitische Dauerbeschallung, die gerade in einer Super-Bowl-Werbung für eine Webseite, auf der ein T-Shirt mit Hakenkreuz verkauft wurde, kulminierte.

Allein das zu schreiben, regt mich schon wieder unglaublich auf. Aber dann schaue ich mir einfach noch ein paar Mal das Ende des Elevaitor-Videos an, wo ein AI-generierter Adam Sandler einen AI-generierten Mittelfinger in die Kamera hält.

Supercentenarians

Älteste Holocaust-Überlebende Mollie Horwitz wird 110 - oder gar 113

Mit 110 Jahren steigen Hochbetagte auf in die Gruppe der »Supercentenarians«, von denen es nicht viele auf der Welt gibt. Gehört Mollie Horwitz jetzt dazu oder schon seit drei Jahren, wie Wissenschaftler vermuten?

von Christiane Laudage  11.03.2026

Brüssel

Belgische Juden fordern Antisemitismusbeauftragten

Nach dem Sprengstoffanschlag auf die Synagoge von Lüttich verlangt der jüdische Dachverband CCOJB größere Anstrengungen der Politik im Kampf gegen Judenhass

 10.03.2026

Antisemitismus

Schweiz: Dauerbelastung durch Judenhass

In seinem Jahresbericht zum Antisemitismus verzeichnet der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) zwar einen Rückgang bei tätlichen Angriffen - aber einen massiven Zuwachs im Online-Bereich

von Michael Thaidigsmann  10.03.2026

Polen

Wenige Juden, viele Debatten

Jüdisches Leben pendelt seit 1989 zwischen Sichtbarkeit und Verschwinden. Eine Begegnung mit dem früheren Dissidenten, Aktivisten und Publizisten Konstanty Gebert

von Nicole Dreyfus  09.03.2026

Chabad

Europäische Rabbiner tagen in Berlin

Die Hauptstadt ist seit Montag Treffpunkt von rund 180 Rabbinern aus ganz Europa

 09.03.2026

London

Iraner wegen Ausspähung jüdischer Einrichtungen verhaftet

Die Antiterroreinheit der Londoner Polizei hat in der Nacht zehn Personen festgenommen, darunter vier mutmaßliche Spione der Islamischen Republik

 06.03.2026

Großbritannien

Radikal pragmatisch

Ahmed Fouad Alkhatib arbeitet an einem palästinensischen Staat. Für den brauche es vor allem Frieden und Zusammenarbeit in der Region, sagt der Mann, der in Gaza und in den USA aufgewachsen ist

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  04.03.2026

Österreich

Der jiddische Sherlock Holmes

Der Schriftsteller Jonas Kreppel schuf im Wien der k. u. k. Zeit einen jüdischen Meisterdetektiv. Nun wurde die Krimireihe von einem New Yorker Autor wiederbelebt

von Jörn Pissowotzki  04.03.2026

Kalifornien

»Tehrangeles« jubelt

Im Großraum Los Angeles lebt die größte persische Exilgemeinde der Welt. Sie unterstützt das militärische Vorgehen der USA und Israels. Auch über die Zukunft des Iran machen sich viele Gedanken

von Gunda Trepp  04.03.2026