Italien

Pride in Rom schließt jüdische LGBTQ-Organisationen aus

Im vergangenen Jahr war die Teilnahme von jüdischen LGBTQ-Gruppen trotz Kontroversen noch möglich. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Die Organisatoren der Rome Pride Parade, die am 20. Juni in der italienischen Hauptstadt stattfinden soll, haben angekündigt, dass die jüdischen LGBTQ-Gruppen Keshet Italia und Keshet Europe nicht mit einem Festwagen an der Parade teilnehmen dürfen, da diese sich nicht von dem distanziert haben, was die Rome Pride Parade als »Völkermord in Gaza« bezeichnet.

In einer Erklärung auf ihrem offiziellen Facebook-Kanal teilt Rome Pride mit: »Jeder, der die Gründungswerte unserer Bewegung und unserer Gemeinschaft teilt, kann sich uns auf die Straße anschließen. Die Teilnahme eines Festwagens an der Rome Pride setzt daher – unabhängig von sexueller Orientierung, Identität, Religion, ethnischer Zugehörigkeit oder Nationalität der an Bord – eine klare und eindeutige Haltung voraus, die den von der israelischen Regierung verübten Völkermord verurteilt.«

Scharfe Reaktion nach Ausschluss

Rome Pride betont weiter, dass man sehr wohl zwischen der israelischen Regierung und der jüdischen Gemeinschaft unterscheiden könne – unabhängig davon, ob es sich um LGBTQIA+-Personen oder Nicht-LGBTQIA+-Personen handle. »Niemand macht jüdische Menschen pauschal für die Kriegshandlungen der israelischen Regierung verantwortlich.« Kritik üben die Veranstalter jedoch ausdrücklich an Keshet Italia: »Wir machen Keshet Italia jedoch verantwortlich dafür, dass es versagt hat und weiterhin versagt hat, sich vom andauernden Völkermord in Gaza zu distanzieren.«

Wie aus der Stellungnahme hervorgeht, fiel die Entscheidung nach Gesprächen zwischen den Veranstaltern der Rome Pride sowie Vertretern von Keshet Italia und Keshet Europe. Keshet Italia reagierte scharf auf den Ausschluss. In einer Erklärung wirft die Organisation der Rome Pride vor, »ihr wahres Gesicht gezeigt« zu haben. Der einzige Grund für die Ausladung sei ihre jüdische Identität. Bereits im vergangenen Jahr habe es während der Parade offen antisemitische Vorfälle gegeben, die von den Organisatoren weder verurteilt noch thematisiert worden seien. Das damalige Schweigen sei nun, so Keshet Italia, zu aktiver Mitschuld geworden.

Keshet Italia warnt vor Umgang mit Genozid-Begriff

Keshet Italia hatte sich in Vergangenheit mehrfach öffentlich besorgt über das Leid der palästinensischen Bevölkerung geäußert. Gleichzeitig warnte die Organisation davor, eine Sprache zu verwenden, die Juden kollektiv verantwortlich mache oder historische Traumata instrumentalisiere.

Erst Anfang des Monats hatte sich die Organisation in einem ausführlichen Instagram-Statement zum Nahostkonflikt geäußert. Darin erklärte Keshet Italia, man empfinde großes Mitgefühl für das Leid der palästinensischen Bevölkerung, auch wenn geopolitische Konflikte nicht zum eigentlichen Schwerpunkt der Organisation gehörten. Gleichzeitig mahnte die Gruppe, mit Begriffen vorsichtig umzugehen, die historisch stark aufgeladen seien.

Gefährliches Signal

Besonders kritisch sieht Keshet Italia die Verwendung des Begriffs »Völkermord«. Dieser sei keineswegs neutral, sondern rufe unweigerlich historische Erinnerungen hervor. Sorge bereite zudem die immer häufiger geäußerte Behauptung, »das jüdische Volk tue nun anderen an, was ihm selbst widerfahren sei«. Eine solche Aussage richte sich nicht mehr nur gegen die Politik der israelischen Regierung, sondern stelle letztlich eine Verbindung zwischen dem gesamten jüdischen Volk und dem Krieg her.

Die Debatte sorgt inzwischen weit über Italien hinaus für Diskussionen. Kritiker sehen in dem Ausschluss ein gefährliches Signal, weil jüdische LGBTQ-Gruppen offenbar nur dann akzeptiert würden, wenn sie bestimmte politische Positionen übernehmen. Unterstützer der Entscheidung argumentieren hingegen, Pride-Veranstaltungen müssten auch klare politische Haltung zeigen.

Italiens jüdischer Dachverband schaltet sich ein

Scharfe Kritik kommt inzwischen auch vom Verband Italienischer Jüdischer Gemeinden (UCEI). Die Organisation warnte davor, dass die Teilnahme jüdischer Vereine künftig an bestimmte politische Narrative oder ideologische Positionen gebunden werde. Niemand dürfe einem politischen Loyalitätstest unterzogen werden, um Teil einer Bewegung zu sein, die ursprünglich auf Inklusion, Gleichberechtigung und Würde aufgebaut wurde, erklärte der Verband.

Das fordert auch der Europäische Jüdische Kongress. Auf X schreibt die europäische Dachorganisation jüdischer Gemeinden, die die Interessen von Dutzenden jüdischen Gemeinschaften in Europa vertritt: »Wir schließen uns der Stellungnahme des Verbandes Italienischer Jüdischer Gemeinden an, der davor warnte, dass diese Entscheidung die Teilnahme jüdischer Vereine an die Einhaltung bestimmter politischer Positionen knüpfen könnte.«

Seit dem 7. Oktober und dem darauffolgenden Gaza-Krieg kommt es weltweit immer häufiger zu Spannungen bei Pride-Veranstaltungen. In verschiedenen Städten berichteten jüdische Teilnehmende von Anfeindungen, Ausschlüssen oder Sicherheitsbedenken. Auch internationale LGBTQ+-Verbände gerieten zuletzt unter Druck, Position gegen Israel zu beziehen oder israelische Organisationen auszuschließen.

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