USA

Mehrgewichtig, zionistisch und stolz

Alexa Lemieux, damals noch Alfia, in »Love Is Blind« Foto: © 2022 Netflix, Inc.

USA

Mehrgewichtig, zionistisch und stolz

Alexa Lemieux ist Influencerin in den sozialen Medien und zum Vorbild für viele junge jüdische Frauen geworden

von Sarah Thalia Pines  11.11.2025 17:41 Uhr

Gut, dass es sie noch gibt, denkt man sich beim Anblick des glücklichen Paares mit dem Nachnamen Lemieux. Kennengelernt haben sich Alexa Alfia und Brennon Lemieux 2022 in der Trash-Sendung Love is Blind, die seit 2020 auf Netflix läuft. Das Konzept: Potenzielle Paare treffen sich »blind« und sprechen durch eine blickdichte Trennwand miteinander.

Irgendwann entscheidet eine sich für den anderen, oder umgekehrt, woraufhin ebenso »blind« die Verlobung stattfindet. Zur ersten realen Begegnung, bei der beide einen Blick aufeinander werfen können, kommt es erst zur Hochzeit. Auch das selbstverständlich vor laufender Kamera. Die Kandidaten können sich bis zur letzten Minute umentscheiden, was zumeist auch geschieht.

Nicht so im Fall der Lemieuxs. »Wow, du bist großartig«, so die Reaktion von Brennon, als er Alfia zum ersten Mal sah. Und Alfia? Nun, sie habe sich in dem Moment in ihn verliebt, als sie herausfand, dass er Schakschuka genauso gern isst wie sie. Der Rest war fast egal. Heute hat das Paar ein Kind, und Alexa brachte kürzlich unter anderem das von ihr mit entworfene Babymode-Label »L’ovedbaby x Alexa Lemieux« an den Start.

»Selbstvertrauen ist eine Geisteshaltung«

Alexa ist gebürtige Israelin und gilt als lustig und selbstbewusst. »Confidence is a state of mind«, lautet ihr Motto auf Instagram, was so viel heißt wie »Selbstvertrauen ist eine Geisteshaltung«. Denn sie ist das, was man auf Neudeutsch »body positive« nennt. Seit ihrem TV-Auftritt ist sie Vorbild für jüdische Mädchen mit körperbedingten Minderwertigkeitskomplexen.

Sie ist außerdem ein Star in den sozialen Medien, weil sie die erste mehrgewichtige Teilnehmerin und dann auch noch Gewinnerin von Love is Blind war. Und weil sie und ihr Mann weiterhin wahnsinnig verliebt wirken. Außerdem gilt Alexa als erklärte Unterstützerin Israels, und zwar so sehr, dass sie für manche Fans der TV-Sendung zu »zionistisch« wirkte und sogar Morddrohungen bekam. Sie werde ihr Jüdischsein gewiss nicht verheimlichen, um irgendjemandem zu gefallen, betonte Alexa gegenüber »The Jewish News of Northern California«.

Lesen Sie auch

Die 30-Jährige hat in Tel Aviv studiert und betreibt heute im texanischen Dallas eine Versicherungsagentur. Ihre Familie ist das, was man wohlhabend nennt, ihr Mann dagegen stammt aus eher einfachen Verhältnissen. Zudem trägt Alexa nie – zumindest nicht in den sozialen Medien – dasselbe Outfit mehr als einmal. Aber alle ihre Kleider sind außerordentlich körperbetont und tief dekolletiert.

Die Fans lieben sie für ihren Stil und die Tatsache, dass sie sich nicht für ihren Körper schämt, sondern ihn stolz zeigt. Sie kocht gern, erzählt sie, und feiert Schabbat mit Freunden. Und sie hat Heimweh nach Israel. Auf Instagram ist sie Werbeträgerin für zahlreiche Kosmetik- und Modeartikel, die Fingernägel stets gepflegt, lang und spitz sowie in grellen Farben lackiert.

Ihr Instagram-Account scheint vielen ein Ort des Trostes

Ihr Instagram-Account scheint vielen geradezu ein Ort des Trostes zu sein: Alles läuft perfekt. Alexa und ihr Mann sind oft im Urlaub mit Cocktails in der Hand zu sehen. Brennon, stets gebräunt und mit Cowboyhut, wirkt, als sei er der Fotograf von Alexas Outfits und Posen. Auch wolle man nun wohl mehr gemeinsame Kinder.

Sie habe nicht gewusst, wie viele Menschen sich schämen, jüdisch zu sein, sagte Alexa einmal dem »Forward« – bevor sie ihren Auftritt in Love is Blind hatte. Seither erhalte sie Hunderte von Nachrichten von Juden aus ganz Amerika, die schrieben, wie sehr es ihnen geholfen habe, eine Frau zu sehen, die mutig genug sei zu sagen, dass sie stolz darauf ist, jüdisch zu sein. Das habe ihr Leben verändert. Ihre Reaktion darauf: Sie sei nun einmal jüdisch und könne nicht anders.

Debatte

Soll die Bevölkerung in der Schweiz auf 10 Millionen begrenzt werden?

Ein Pro & Contra

von Jessie Katz, Zsolt Balkanyi-Guery  12.06.2026

Norwegen

Wenn die Sonne weder unter- noch aufgeht

Warum der Schabbat und manche Feiertage im hohen Norden eine Herausforderung sein können

von Elke Wittich  12.06.2026

Fußball

Fußball auf dem Appellplatz von Buchenwald

Seit der Europameisterschaft 2024 erinnert die Gedenkstätte Buchenwald im Internet an Fußballer, Funktionäre und Spiele im ehemaligen Konzentrationslager. Der Appellplatz war Spielstätte, Häftlinge konnten kurz dem Lageralltag entfliehen

von Matthias Thüsing  09.06.2026

WM 2026

Schweizer Fußball-Stars begeistern jüdische Kinder

Kinder und Jugendliche einer jüdischen Schule in San Diego haben mit der Schweizer Nationalmannschaft Fußball gespielt

von Nicole Dreyfus  09.06.2026

Daniel Jositsch, Zürcher SP-Ständerat, am letzten Donnerstag, dem Tag seines Austritts aus der Partei

Meinung

Daniel Jositsch und der Preis der Klarheit

Daniel Jositsch verlässt nach seiner Nichtnomination in den Ständerat die SP. Der Fall zeigt, wie eng der Raum für sozialliberale und proisraelische Stimmen in der Linken geworden ist, nicht nur in der Schweiz

von Zsolt Balkanyi-Guery  08.06.2026

Frankreich

Shosanna rennt weiter

»Inglourious Basterds«-Star Mélanie Laurent ist zurück – und nimmt in »Fauda 5« Rache

von Sophie Albers Ben Chamo  07.06.2026

Großbritannien

Grünen-Chef will Ermittlungen gegen Briten, die in Israels Armee dienen

Zack Polanski gehört ebenso wie Jeremy Corbyn zu den Unterstützern einer Kampagne, die sich gegen britische Staatsbürger im israelischen Militär richtet

 05.06.2026

Meinung

Entlarvte Gesinnung

Ausgerechnet jener Schweizer Politiker, der sich im Parlament gegen das Hamas-Verbot stellte, lädt die französische Abgeordnete und Israelhasserin Rima Hassan nach Bern ein

von Nicole Dreyfus  04.06.2026

Großbritannien

Unterhausabgeordneter unterstellt Israel »Blutdurst«

In einer Parlamentsdebatte zu Israels Krieg gegen die Hisbollah im Libanon verstieg sich ein Parlamentarier zu antisemitischen Aussagen

 04.06.2026