Schweiz

Lebkuchen zu Chanukka

Von außen sieht er eher unscheinbar aus. Doch wer den Laden »Jakob’s Basler Leckerly« im Basler Stadtteil St. Johann in der Nähe des Rheins betritt, befindet sich sofort und unwillkürlich in einer Art süßen Parallelwelt. Dafür sorgen allein schon die angenehmen Düfte, die den Besucher hier empfangen. Die berühmten Basler »Läckerli«, die hier aus historischen Gründen »Leckerly« geschrieben werden, begleiten den Gast auf Schritt und Tritt.

Läckerli: Das sind die kleinen Lebkuchen in quadratischer Form, die hier in allen Variationen appetitlich und einladend platziert sind. »Jakob’s Leckerly« gelten als die ältesten ihrer Art. Seit 1753 gibt es sie. Und in einem alten Basler Geschichtsbuch werden sie sogar noch früher, nämlich 1741, zum ersten Mal erwähnt.

Heute ist »Jakob’s Basler Leckerly« die einzige Manufaktur, die das Gebäck ausschließlich von Hand herstellt. Dafür erhielten die Besitzer Andreas und Charlotte Kuster vergangene Woche den mit 10.000 Franken dotierten Jung­unternehmerpreis Nordwestschweiz.

In diesen Tagen kurz vor Chanukka läuft die Produktion auf Hochtouren.

Seit knapp zwei Monaten warten die Kusters mit einer neuen Attraktion auf: Sie produzieren zwei ihrer insgesamt vier Sorten auch koscher – einmal mit Bienenhonig und einmal klassisch, unter anderem mit Mandeln und Schokolade.

»Wir freuen uns sehr, der jüdischen Gemeinde dieses Angebot machen zu können«, sagt Andreas Kuster, der seit knapp zwei Jahren in seiner Heimatstadt die weltberühmte Spezialität herstellt.

CHANUKKA In diesen Tagen kurz vor Chanukka läuft die Produktion auf Hochtouren. So manches Gemeindemitglied möchte seine Gäste bei einer Einladung zum Lichterfest damit überraschen, denn es hat noch immer den Reiz des Neuen.

Dass »Jakob’s Leckerly« auch koscher angeboten werden, sei der Initiative einiger Personen zu verdanken, aber auch beinahe ein wenig dem Zufall, erzählt Andreas Kuster. »Der Mitarbeiter einer Basler Anwaltskanzlei hilft an den Wochenenden manchmal bei uns aus. Als wir einmal wieder auf seine Dienste zurückgreifen wollten, sagte sein jüdischer Chef aus Spaß: ›Du kannst gehen, aber schau doch, ob es nicht auch einmal koschere Läckerli im Angebot geben könnte.‹«

Aus der scherzhaften Bemerkung wurde Wirklichkeit. »Der Gemeinderabbiner Moshe Baumel war sehr interessiert an der ganzen Sache«, erzählt Kuster. Er habe sich den Laden, in dem das Gebäck auch produziert wird, angeschaut und meinte sofort: »Koscher – das ist machbar.«

Der Gemeinderabbiner
kommt regelmäßig vorbei
und zündet den Ofen an.

Geholfen hat sicher, dass die Zutaten für das Rezept auch koscher erhältlich oder sowieso grundsätzlich koscher sind: Weißmehl, Zucker, Mandeln oder Zitronen, Honig und Gewürze. »Hinzu kommt Kirschschnaps. Hier mussten wir unseren Lieferanten wechseln, da der bisherige auch Trauben verarbeitet, die nicht koscher geerntet wurden«, berichtet Andreas Kuster. Das sei aber auch schon das größte Problem gewesen.

UMWEGE Der 46-jährige Unternehmer und Familienvater hat in der Welt der Wirtschaft schon viel erlebt und ist deshalb sehr flexibel. Gemeinsam mit seiner Frau, einer Dolmetscherin, arbeitete er jahrelang für eine Schweizer Versicherung in New York. Doch fehlte den Kusters die Heimat, eine Zukunft in den USA konnten sie sich nicht vorstellen. So landeten sie auf Umwegen wieder in ihrer Heimatstadt Basel, wo Andreas Kuster die Absicht hatte, einen kleinen Betrieb zu erwerben, um das heimische Gewerbe zu unterstützen – und sich selbst eine Zukunft aufzubauen.

»So kam es, dass wir diese Manufaktur gekauft und uns in eine ganz neue Materie eingearbeitet haben«, sagt Andreas Kuster. Die Investitionen, die sie gemacht haben, zwingen das Paar, das eine knapp zweijährige Tochter hat, innovativ zu sein und neue Absatzmöglichkeiten zu finden. Dazu gehören auch die koscheren Läckerli. Andreas Kuster ist sich zwar bewusst, dass damit kaum traumhafte Umsätze zu erzielen sind, doch meint er: »Das ist ein Nischenangebot, das sich ausbauen lässt.«

ZUSAMMENARBEIT Kuster ist damit zufrieden, wie die Koscher-Läckerli-Produktion ihren Anfang genommen hat, und freut sich über die gute Zusammenarbeit mit Rabbiner Baumel. Dieser kommt vorbei, um den Backofen anzuzünden. Ebenso müssen der Rabbiner oder ein Maschgiach, ein Koscheraufseher, jederzeit Einblick in die Produktion haben und können auch einmal überraschend im Laden auftauchen.

»Vieles basiert auch auf Vertrauen«, meint Andreas Kuster, der ein Logbuch führt, in dem die koschere Produktion genau protokolliert wird. Natürlich nimmt er Rücksicht auf jüdische Befindlichkeiten. »Zum Beispiel achten wir jetzt vor der Adventszeit darauf, dass wir auf dem Gestell, wo die koscheren Läckerli platziert sind, nicht unbedingt auch noch Gebäck in Weihnachtsverpackung anbieten«, erklärt er.

Rabbiner Moshe Baumel seinerseits un­terstützt nicht nur die Produktion, sondern warb gar in der Synagoge für die koscheren Läckerli. Just an Jom Kippur machte er die fastenden Gemeindemitglieder darauf aufmerksam, dass es bald das neue Gebäck geben werde.

»Psychologisch sicher der richtige Zeitpunkt«, findet Kuster, der im Zusammen­hang mit den koscheren Läckerli noch eine weitere angenehme Erfahrung macht: »Immer wieder kommen jüdische Kunden in unseren Laden und danken mir für diese neue Dienstleistung, die sie offenbar sehr schätzen.«

Flüge

US-Airline nimmt Route Tel-Aviv-New York wieder auf

Pünktlich zu Rosch Haschana gibt es wieder Direktflüge zwischen New York und Tel Aviv von anderen Anbietern als El Al

 09.08.2026

Großbritannien

Verdacht: Britische Hilfsorganisation könnte Hamas unterstützt haben

Die Anti-Terror-Polizei Londons untersucht, ob eine muslimische Hilfsorganisation von der Terrorfinanzierung mit ihren Spenden wusste oder nicht

 09.08.2026

Griechenland

Warnung an Israelis in Griechenland

Weil »propalästinensische« Organisationen zu einem »Tag des Zorns« aufgerufen hätten, sollen sich Israelis bedeckt halten, warnt das israelische Außenministerium

 09.08.2026

Jerusalem

Großeltern umgebettet: Theodor Herzls letzter Wille ist erfüllt

Die Überreste von Schimon und Rikva Herzl, Vorfahren väterlicherseits des Zionismus-Begründers und prägende Gestalten in Theodor Herzls Jugend, wurden von Serbien nach Israel überführt und auf dem Herzlberg beigesetzt

 06.08.2026

Palma

Michael Douglas ist Ehrenbotschafter Mallorcas

Der Hollywood-Star mit jüdischem Familienhintergrund wird für seine enge Verbindung zu der spanischen Insel und sein Engagement für deren kulturelles Erbe geehrt

 06.08.2026

Frankreich

Eine Abrechnung mit dem Judenhass der neuen Linken

Nach 41 Jahren verlässt der anerkannte Journalist Jean Quatremer die beliebte Tageszeitung »Libération«. Er wirft Kollegen einen »entfesselten Antisemitismus« und eine ideologische Schreckensherrschaft vor

 06.08.2026

USA

Seitenwechsel

In Stanford hetzte Taryn Thomas auf Studentenprotesten gegen Israel. Dann sah sie die Nova-Ausstellung – und wurde zur »Verräterin«

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  06.08.2026

Großbritannien

Tories wegen Nominierung von Ex-Neonazi in der Kritik

Die Chefin der Konservativen Partei hält ihn für resozialisiert, doch die jüdische Labour-Politikerin Luciana Berger ist skeptisch, was eine Kandidatur des früheren Rechtsextremisten Joshua Bonehill-Paine bei der Kommunalwahl 2027 anging

von Michael Thaidigsmann  06.08.2026

Litauen

Bima der Großen Synagoge von Vilnius endlich freigelegt

Während die Ausgrabungen voranschreiten, geht die Debatte über die Zukunft des Ortes weiter. Soll dort ein Gemeindezentrum entstehen, ein religiöses Zentrum oder eine Erinnerungs- und Bildungsstätte?

 05.08.2026