Antisemitismus

In Österreich wächst der Hass auf Juden

Im Mai 2019 wurden in Wien Bilder von NS-Opfern mehrfach beschädigt und mit Hakenkreuzen beschmiert. Foto: imago images / Viennareport

In Österreichisch ist die Zahl der erfassten antisemitischen Vorfälle binnen zwei Jahren um fast zehn Prozent gestiegen. Das teilte die Israelitische Kultusgemeinde Wien am Mittwoch mit.

Im Jahr 2019 wurden dem Bericht zufolge von der IKG und dem Forum gegen Antisemitismus insgesamt 550 judenfeindliche Vorfälle in der Alpenrepublik erfasst, rund vier Fünftel davon in der Hauptstadt Wien. Das entspricht einem Anstieg um 9,5 Prozent gegenüber 2017. »Ich will nicht von alarmierenden Zahlen reden, denn besorgniserregend ist die Entwicklung bereits seit vielen Jahren«, erklärte IKG-Präsident Oskar Deutsch.

IHRA Erfasst wurden sechs physische Angriffe auf Juden, 18 Bedrohungen, 78 Sachbeschädigungen, 209 antisemitische Massenzuschriften und 239 Fälle von verletzendem Verhalten, so die IKG. Alle gewerteten Fälle erfüllten die Kriterien der Antisemitismusdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA).

Vergangenes Jahr wurde eine Ausstellung in Wien mit dem Titel Gegen das Vergessen gleich mehrfach mit Hakenkreuzen und antisemitischen Schmähungen beschmiert und beschädigt. Zudem wurden jüdische Kinder im öffentlichen Nahverkehr in Wien angegriffen.

Fast die Hälfte der erfassten judenfeindlichen Vorfälle seien dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen. In 31 Fällen handelte es sich laut IKG um Personen, die weltanschaulich oder religiös dem politischen Islam zugerechnet werden. 25 Täter gelten als politisch links oder linksextremistisch motiviert.

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Deutsch sagte: »Das Judentum gehört zu Österreich wie die Milch in die Melange. Das wissen auch die meisten Menschen in unserem Land. Leider gibt es aber eine steigende Zahl an Personen, die Antisemitismus schüren, und schließlich auch viele, die zur antisemitischen Tat schreiten.« Wien sei dennoch für Jüdinnen und Juden eine »besonders lebenswerte Stadt«, so der IKG-Präsident.

Darüber hinaus trage die Zusammenarbeit mit Polizei, Verfassungsschutz und Innenministerium sowie die Sicherheitsarbeit der IKG selbst zu einem »hohen Maß an Sicherheit« bei, so der IKG-Präsident.

REAKTIONEN Österreichs Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) erklärte, der Antisemitismus sei »auch viele Jahrzehnte nach dem Ende der Nazi-Herrschaft in Österreich vorhanden. Sein Auftreten und seine Erscheinungsformen haben sich zwar verändert, aber die Möglichkeiten der Digitalisierung haben neue Räume eröffnet.«

Für Europaministerin Karoline Edtstadler (ebenfalls ÖVP) sind die Zahlen ein dringender Aufruf zum Handeln: »Der aktuelle Antisemitismus-Bericht der IKG zeigt, dass wir in diesem Bereich weiterhin viel Arbeit vor uns haben.«

Die Oppositionsführerin und SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner forderte eine »klare Strategie« im Kampf gegen den Antisemitismus: »Eine umfassende Erinnerungskultur sowie Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit in Schulen sind dringend notwendig. Dazu zählt auch, dass alle Schülerinnen und Schüler eine KZ-Gedenkstätte besuchen sollten«, sagte sie.

Sie wies darauf hin, dass in Zeiten der Corona-Krise das Verbreiten von Verschwörungstheorien und antisemitischer Hetze im Netz zunähmen. »Die Antwort darauf kann nur eine Null-Toleranz-Politik sein«, so Rendi-Wagner.

VERGLEICHBARKEIT Bei der Kategorisierung der registrierten Vorfälle orientierte sich die IKG an internationalen Standards. »Diese Anpassung ermöglicht erstmals über Ländergrenzen hinweg aussagekräftige Vergleiche zu anderen Berichten sowie einen noch engeren Austausch mit jüdischen Gemeinden in Europa sowie mit EU-Behörden«, erklärte IKG-Generalsekretär Benjamin Nägele.

Der vorliegende Bericht müsse »weiterer Ansporn sein, eine holistische nationale als auch europäische Strategie gegen Antisemitismus zu erarbeiten und diese zügig umzusetzen. Wir dürfen keine weitere Zeit verlieren«, so Nägele weiter.

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