Jerusalem

Zamir: »Die Armee wird in sich zusammenbrechen«

Generalstabschef Eyal Zamir Foto: copyright (c) Flash90 2025

In Israel verschärft sich der Konflikt um die personelle Lage der Armee. Generalstabschef Ejal Zamir hat die Regierung Medienberichten zufolge eindringlich vor den Folgen des anhaltenden Krieges und wachsender Einsatzlast gewarnt.

Bei einer Sitzung des Sicherheitskabinetts soll Zamir ungewöhnlich deutliche Worte gewählt haben. »Die Armee wird in sich zusammenbrechen«, sagte er laut »Times of Israel« den Ministern. Zugleich habe er betont: »Ich stelle euch zehn rote Flaggen vor Augen.«

Der Militärchef drängte demnach auf mehrere gesetzliche Schritte, um die Personalprobleme zu entschärfen. »Im Moment braucht die Armee ein Wehrpflichtgesetz, ein Gesetz für den Reservedienst und ein Gesetz zur Verlängerung des Pflichtdienstes«, wurde Zamir zitiert. Ohne solche Maßnahmen drohe ein rascher Verlust an Einsatzfähigkeit.

Belastung im Westjordanland

Hintergrund ist ein wachsender Mangel an Soldaten, der sich durch die parallelen Einsätze im Gazastreifen, im Libanon und angesichts weiterer sicherheitspolitischer Herausforderungen weiter verschärft.

Auch aus dem Zentralkommando kam Kritik an der Regierungspolitik. Dessen Chef Avi Bluth machte demnach deutlich, dass politische Entscheidungen im Westjordanland die Armee zusätzlich beanspruchen. »Das ist eure Politik«, habe er den Ministern gesagt, »aber sie erfordert Sicherheit und ein vollständiges Schutzpaket, weil sich die Realität vor Ort vollständig verändert hat – und das erfordert Personal.«

Lesen Sie auch

Gemeint sind unter anderem neue Siedlungsprojekte, die zusätzlichen militärischen Schutz notwendig machen. Gleichzeitig hat die Gewalt extremistischer Siedler in den vergangenen Monaten zugenommen, was weitere Kräfte bindet. Zuletzt musste sogar eine eigentlich für den Einsatz im Libanon vorgesehene Einheit ins Westjordanland verlegt werden.

Kritik aus der Opposition

Oppositionspolitiker reagierten scharf auf die Berichte. Oppositionsführer Jair Lapid warf der Regierung vor, das Land ohne ausreichende Vorbereitung in einen Mehrfrontenkrieg geführt zu haben. Sie habe dies »ohne Strategie, ohne ausreichende Ressourcen und mit zu wenigen Soldaten« getan.

Auch frühere Spitzenpolitiker meldeten sich zu Wort. Ex-Ministerpräsident Naftali Bennett erklärte, die politische Führung behindere den militärischen Erfolg und verwies auf ein erhebliches Personaldefizit. »Der Armee fehlen 20.000 Soldaten«, sagte er.

Das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies die Kritik zurück und erklärte, die Aussagen des Generalstabschefs seien verzerrt wiedergegeben worden. Man arbeite an entsprechenden Gesetzen, stoße dabei jedoch auf juristische Hürden.

Innerhalb der Regierungspartei Likud zeigen sich allerdings ebenfalls Spannungen. Einige Abgeordnete unterstützten die Forderung nach einer stärkeren Einberufung ultraorthodoxer Männer. Andere griffen Zamir direkt an und bezeichneten seine Äußerungen als »unverantwortlich« oder gar als schädlich für die Kriegsanstrengungen. im

Medien

Geglaubt und geteilt

»Antisemitismus«, definierte Adorno, sei »das Gerücht über Juden«. Was ist dann dessen Verbreitung? Die ARD muss sich einer längst fälligen Debatte stellen

von Esther Schapira  11.08.2026

Social Media

Shirin David, Bill Kaulitz und die Wassermelonen-Jünger

Bei der Rapperin reicht ein »Free Palestine« für die Verbündeten, bei dem Sänger ein »Tel Aviv! Love!« für die Gegner. Ein Kommentar

von Pola Sarah Nathusius  11.08.2026

Nahost

Israels Armee zerstört Haus im Westjordanland

Hintergrund ist eine tödliche Auseinandersetzung mit Siedlern und Soldaten im vergangenen Monat

 11.08.2026

Jerusalem

Netanjahu setzt umstrittenen Unternehmer auf Likud-Liste

Der neue Kandidat hatte US-Präsident Trump unlängst als »ein moralisch korrumpiertes Stück Scheiße« bezeichnet, revidierte seine Meinung jedoch nun. Derweil deutet sich im Likud ein Streit über Listenplätze an

 11.08.2026

Nahost

Israel erwartet Täuschung durch zwei arabische Staaten

Medienberichten zufolge soll der jüdische Staat mit scheinbaren diplomatischen Annäherungen in Sicherheit gewogen und dann angegriffen werden

 11.08.2026

Nordrhein-Westfalen

Medienminister übt scharfe Kritik an Georg Restle und dem WDR

Nathaniel Liminiski (CDU): »Israel und das Judentum sind kein Freiwild für jeden Vorwurf, auch nicht für Journalisten«

 11.08.2026 Aktualisiert

Archäologie

Die Fingerabdrücke von Qumran

Wie Wissenschaftler mithilfe von Künstlicher Intelligenz den Schriftrollen vom Toten Meer ihre letzten Geheimnisse entlocken wollen

von Sabine Brandes  11.08.2026

Diplomatie

Kolumbien erkennt Israels Souveränität über den Golan an

Die neue Regierung in Bogotá will auch die kolumbianische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen. Unterdessen hat Israel Soforthilfe für die Opfer des schweren Erdbebens in Kolumbien zugesagt

 10.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  10.08.2026