Gaza

Wo ist Rom Braslavski?

Rom Braslavski wird seit dem 7. Oktober 2023 von palästinensischen Terroristen als Geisel festgehalten. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Gaza

Wo ist Rom Braslavski?

Die Terrororganisation Islamischer Dschihad erklärte, sie wisse nicht, wo der verschleppte israelisch-deutsche Staatsbürger sei

von Sabine Brandes  24.07.2025 14:56 Uhr

Die Familie der Geisel Rom Braslavski ist verzweifelt. Die palästinensische Terrorgruppe Islamischer Dschihad (PIJ) gab bekannt, dass sie den Kontakt zu den Entführern des jungen israelisch-deutschen Doppelstaatsbürgers verloren habe. Sein Schicksal sei derzeit unbekannt. Die Angehörigen verlangen von der israelischen Regierung und Armee eine Klarstellung zum Zustand ihres Liebsten.  

Der PIJ erklärte, der Kommunikationsverlust sei eingetreten, nachdem die israelische Armee in dem Gebiet operiert hatte, in dem Rom Braslavski festgehalten wurde. Bodentruppen der IDF waren am Montag erstmals in die Stadt Deir al-Balah im Zentrum des Gazastreifens einmarschiert. Zuvor sei dies vermieden worden, da dort vermutlich Geiseln festgehalten werden. 

Vor drei Monaten war ein Propagandavideo des 21-Jährigen herausgegeben worden, in dem der verschleppte junge Mann sagte, er lebe »in der Hölle«. Seine Familie hatte damals der breiten Veröffentlichung durch Medien zugestimmt.

Der 21-Jährige war als Sicherheitsmann auf dem Nova tätig

Rom Braslavski war als Sicherheitsmann auf dem Nova-Musikfestival tätig, als Terroristen der Hamas am 7. Oktober 2023 angriffen, die jungen Leute jagten und abschlachteten. Nachdem er anderen geholfen habe zu fliehen, berichtete seine Familie später, sei er nach Gaza verschleppt worden. Er gehört zu einer der 20 Geiseln, alles junge Männer, die noch am Leben sein sollen. Derzeit halten die Hamas und der PIJ in Gaza noch 50 Entführte in ihrer Gewalt. Sie weigern sich kategorisch, die unschuldigen Menschen freizulassen und halten sie in unmenschlichen Bedingungen, meist in Tunnel unterhalb der Enklave, gefangen.

Allerdings können die jüngsten Angaben des PIJ nicht als Tatsache angesehen werden. Bereits mehrfach hatte sie Aussagen zu Geiseln gemacht, die sich als unwahr herausstellten. Israel wirft dieser Terrororganisation wie auch der Hamas psychologische Kriegsführung vor. In der Vergangenheit hatten Entführer behauptet, Geiseln seien bei israelischen Luftangriffen getötet worden – nur um später lebend zurückzukehren. 

Geisel-Angehörige kritisieren Kämpfe in Deir al-Balah

Die Kämpfe in Deir al-Balah begannen, während Israel und die Hamas in Katar ihre Gespräche über einen 60-tägigen Waffenstillstand und eine Geiselbefreiung fortsetzen. Gemäß den Bedingungen der Vereinbarung würde etwa die Hälfte der Geiseln – lebende und tote – während dieser Zeit freigelassen. Die Hamas reagierte allerdings nur zögerlich auf die israelischen Bedingungen, angeblich aufgrund von Schwierigkeiten, ihre Führung im Gazastreifen zu erreichen. 

Fast zwei Jahre nach Kriegsbeginn, der mit dem Hamas-Massaker begann, erklärte die israelische Regierung, die Militäraktionen bis zur Vernichtung der islamistischen Terrorgruppe fortzusetzen. Allerdings äußert sie sich nicht zu einer zukünftigen Führung der Palästinenserenklave oder einem »Tag danach«-Szenario. Die rechtsextremen Koalitionsmitglieder in Jerusalem wollen jüdische Siedlungen in Gaza errichten, was der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu jedoch zurückgewiesen hat. 

Familie Braslavski: »Wir sind am Boden zerstört. Wir fordern Antworten über unseren geliebten Rom.«

Am Montag, nachdem die Nachricht vom Einmarsch der israelischen Truppen in Deir al-Balah bekannt wurde, hatte sich bereits das Familienforum für Geiseln »schockiert und alarmiert« geäußert. »Die Familien fordern, dass der Premierminister, der Verteidigungsminister, der Generalstabschef und der Sprecher der israelischen Streitkräfte erklären, warum die Offensive in der Region Deir al-Balah die Geiseln keiner ernsthaften Gefahr aussetzt.« 

Die IDF gab an, sie »setzt ihre Kräfte mit großer Macht ein, um die Fähigkeiten und die Terror-Infrastruktur des Feindes in einem Gebiet zu zerstören«, in dem sie bislang nicht operiert hat. 

Angehörige der Geiseln kommentierten auch ein Interview von Regierungsministerin Orit Strock, Mitglied der rechtsextremistischen Partei Religiöser Zionismus. Im Radio Kol BaRama hatte sie gesagt, dass sie die Ausweitung der Bodenoperationen im Gazastreifen unterstütze, auch wenn dadurch das Leben der Geiseln gefährdet werde. »Die Ministerin zieht Boden dem Leben von Geiseln vor«, so das Familienforum anschließend.  

Interview der rechtsextremen Ministerin im Radio

Die Familie Braslavski reagierte ebenfalls auf die Nachrichten und fordert ein Treffen mit dem Premierminister, Verteidigungsminister oder dem Stabschef. In der Erklärung der Familie hieß es, Militär- und Regierungschefs hätten weder auf ihre Nachrichten reagiert noch sie auf den neuesten Stand gebracht. »Niemand weiß, wo Rom ist. Weder die IDF noch der Islamische Dschihad wissen etwas. Uns wurde lediglich mitgeteilt, dass er allein festgehalten wird.« 

»Wir wollen wissen, wo unser Sohn ist. Wir wollen, dass die Verantwortlichen mit uns zusammensitzen und uns die Situation schildern«, flehen die Angehörigen. Sie wollten nicht mehr nur »Informationsfragmente oder Teilwahrheiten« bekommen. »Wir sind am Boden zerstört und leiden. Wir fordern von unserem Land Antworten über unseren geliebten Rom.« 

Westjordanland/Gaza

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