Israel

Wer schuf die Klagemauer?

Ausgrabungen an der Klagemauer Foto: cc

Jeder Reiseleiter, jedes Buch über Jerusalem weiß Bescheid: Die Klagemauer wurde vom legendären König Herodes erbaut. Oder doch nicht? Israelische Archäologen fanden nun bei Ausgrabungen ein rituelles jüdisches Bad und antike Münzen. Funde, die die derzeitige offizielle Geschichtsschreibung wohl grundlegend ändern werden.

Die Untersuchungen von Professor Ronny Reich von der Universität Haifa und des Archäologen Eli Schukron von der israelischen Antiquitätenbehörde dienten der Erweiterung eines antiken Abwasserkanals, der sich vom Schiloach Teich bis zum Tempelberg erstreckt. Sie ist Teil von Instandhaltungsmaßnahmen an der Straße, die vor 2.000 Jahren die Hauptverkehrsader der Stadt war. Direkt neben dem Kanal wurde die Mikwe entdeckt, die nun ernsthaft infrage stellt, dass Herodes einziger Bauherr der heiligsten Stätte des Judentums war.

Münzen In dem Bad, das mit Baumaterial aufgefüllt war, um darauf das Fundament für die Klagemauer zu legen, fand man einige Münzen, von denen die Jüngste auf das Jahr 17 nach der Zeitrechnung datiert wird. Die Altertumsexperten folgern daraus, dass die Arbeiten nicht früher als in diesem Jahr angefangen haben können, wahrscheinlich sogar erst danach.

Herodes, der begonnen hatte, den Tempel im Jahr 22 vor der Zeitrechnung wiederaufzubauen, starb höchstwahrscheinlich bereits im Jahre vier. »Es bestätigt, dass sie 20 Jahre nach Herodes’ Tod noch damit beschäftigt waren, die Basis für die Klagemauer zu legen«, erläuterte Reich. Zumindest fertiggestellt haben kann der König die Mauer zu Lebzeiten daher nicht.

Entdeckung Die Funde von drei Öllampen aus Ton untermauern diese These zusätzlich. Sie sind in dem Stil gestaltet, der für das erste Jahrhundert nach der Zeitrechnung üblich war. Die unerwarteten Entdeckungen bestätigen die Ausführungen des historischen Geschichtsschreibers Josephus, die dem König Agrippa II., Herodes Urenkel, die Fertigstellung der Mauer zuschreiben.

Die Mauer, auf hebräisch Kotel, ist zu Zeiten des jüdischen Tempels die westliche Begrenzung des Gebietes gewesen, auf dem das Heiligtum gestanden hat. Archäologen gehen davon aus, dass sie entworfen wurde, um das Areal um den Tempel zu vergrößern, auf dem sich vor allem an den Hohen Feiertagen Zehntausende von Gläubigen versammelten.

Oktoberfest

Wiesn am Mittelmeer

Die bayerische Festtradition wird in Israel neu interpretiert

von Sabine Brandes  13.10.2026

Glosse

Wir stehen zum Existenzrecht Pakistans!

Absurder als im rot-rot-grünen Berlin wird’s nicht mehr

von Philip Fabian  13.10.2026

Replik

Einspruch, euer Ehren!

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ging in diesem Jahr an Philippe Sands. Ausgerechnet ein Mann, dessen Autorität auf juristischer Präzision und universellen Maßstäben gründet, nimmt es mit dem Völkerrecht erstaunlich ungenau

von Leeor Engländer  13.10.2026

Medien

Israel verweigert »taz«-Korrespondentin Arbeitsvisum

Diaspora-Ministerium: »Antiisraelische Akteure und diejenigen, die Israel verleumden, sollten keinen Fuß in das Land setzen«

 13.10.2026

Israel

Ein Toter und 24 Verletzte bei Explosion von Blindgänger

Ein mutmaßlicher Blindgänger explodiert in Nordisrael. Es gibt ein Todesopfer und zahlreiche Verletzte. Berichten zufolge waren Schüler und ein Lehrer in der Gegend gewandert

 12.10.2026

Katharina von Schnurbein

»Ich habe das Gefühl, den richtigen Weg gegangen zu sein«

Die EU-Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein wechselt von Brüssel nach Berlin. Sie folgt dort Felix Klein nach. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  12.10.2026

Korruption

Bestechungsring in der Vorstadt

Umschläge voller Bargeld, Luxusuhren und teure Autos: Der Bürgermeister von Kfar Saba und seine Frau sollen Geschäftsleuten gegen Zahlungen lukrative Aufträge verschafft haben. 17 Verdächtige wurden festgenommen

von Sabine Brandes  12.10.2026

Gesellschaft

Herzog: Gewalt übersteigt Kapazitäten der Polizei

Israels Präsident nennt die Kriminalität in arabischen Gemeinden eine Katastrophe. Die Aufklärungsquote bei Tötungsdelikten liegt bei nur zwölf Prozent

von Sabine Brandes  12.10.2026

Avi Gil (in Uniform), links von Benjamin Netanjahu

Explosives Interview

»Die Geiseln hätten früher zurückkehren können«

Der ehemalige Militärsekretär des Premiers, Avi Gil, erhebt schwere Vorwürfe: Warnungen vor dem 7. Oktober seien ignoriert, Abkommen aus politischen Gründen verhindert und Protokolle manipuliert worden. Netanjahu weist die Anschuldigungen zurück

von Sabine Brandes  11.10.2026