Die Knesset-Wahl in Israel ist schon jetzt historisch: Um 14 Uhr haben 44,9 Prozent aller wahlberechtigten Israelis ihre Stimme abgeben - das ist die höchste Wahlbeteiligung für diese Uhrzeit seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1973. »Wir haben alle Aufzeichnungen, die vom Zentralen Wahlkomitee aufbewahrt werden, bereits übertroffen«, teilt Dean Livne mit, der das 1969 gegründete Komitee kommissarisch leitet. Zum Vergleich: Bei der Wahl 2022 lag die Wahlbeteiligung um 14 Uhr bei 38,9 Prozent.
In Israel sind insgesamt 7,3 Millionen Menschen wahlberechtigt, mehr als drei Millionen von ihnen haben bereits ihr Kreuz gemacht. Ganz vorne mit dabei: Die Beduinen-Stadt Al-Atawneh im Negev. Dort haben schon 64,1 Prozent der wahlberechtigten Bewohner abgestimmt. Höher ist die Wahlbeteiligung mit 68,1 Prozent nur in den Gefängnissen.
Angesichts des Andrangs hat das Wahlkomitee beschlossen, Wahllokale auch nach der offiziellen Schließung um 22 Uhr Ortszeit (21 Uhr deutscher Zeit) geöffnet zu lassen, wenn sich vor den Türen noch Schlangen gebildet haben.
Dringende Beschwerde über Unregelmäßigkeiten - Komitee widerspricht
Unterdessen sorgten Berichte über mögliche Unregelmäßigkeiten in Wahllokalen für Auseinandersetzungen. Die Partei Yashar von Netanjahu-Herausforderer Gadi Eisenkot reichte beim Zentralen Wahlkomitee eine dringende Beschwerde ein. Nach Angaben der Partei waren an verschiedenen Orten Stimmzettel mit ihrem Namen entfernt, beschädigt oder umgedreht worden.
Yashar sieht darin möglicherweise mehr als einzelne Versehen. Die Häufung der gemeldeten Vorfälle begründe den Verdacht, dass jemand gezielt versuche, den demokratischen Prozess zu beeinträchtigen und die Wahlentscheidung der Bürger zu beeinflussen, erklärte die Partei. Sie warnte: »Wer versucht, Stimmzettel zu stehlen, versucht, die Wahl zu stehlen.«
Die Partei forderte das Komitee auf, umgehend einzugreifen, die Kontrollen in den Wahllokalen zu verstärken und fehlende Stimmzettel nachzulegen. Sie verwies dabei auf das Recht der israelischen Bürger, ihre Stimme ohne Behinderung abzugeben.
Das Wahlkomitee widersprach allerdings der Darstellung, es gebe Hinweise auf eine koordinierte Manipulation. Trotz der Beschwerden mehrerer Parteien lägen bislang keine Anhaltspunkte für systematische Eingriffe in die Stimmzettel vor, teilte die Behörde mit. Einzelne Meldungen würden unmittelbar überprüft und bearbeitet.
94-Jähriger stirbt nach Stimmabgabe
Unterdessen ist in Ramat Gan der 94-jährige Israel Kreis kurz nach der Stimmabgabe gestorben. Kreis habe unbedingt für Gadi Eisenkot stimmen wollen, erzählte seine Tochter Shelley: »Ich habe ihn mit dem Auto zum Wahllokal gebracht und auf dem Rückweg, sobald wir aus dem Auto gestiegen ist, ist er kollabiert und vor dem Eingang zum Gebäude gestorben«, sagte sie gegenüber »Ynet«. ja