Top Ten

Von Hod Hascharon bis Hollywood

Frau des Jahres: »Wonder Woman« Gal Gadot Foto: imago/Future Image

Dass Israelis in Sachen Wissenschaft und Technik weltweit mitmischen, ist nichts Neues. Doch es sind nicht nur Computerfreaks und Start-up-Gründer aus dem kleinen Nahoststaat, die ganz vorn dabei sind. Israel produziert Hollywoodstars, Bestsellerautoren und Top-Influencer am laufenden Band. Die zehn einflussreichsten Israelis des vergangenen Jahres werden zweifellos auch im neuen Jahr für Wirbel sorgen.

Keine Frage, Gal Gadot ist die israelische Frau des Jahres 2018. Die Schönheit hat echten Hollywoodglanz nach Israel gebracht. Mit ihrem Megawatt-Lächeln eroberte sie als »Wonder Woman« nicht nur die Leinwände, sondern die Herzen gleich dazu. Der gleichnamige Film spielte 800 Millionen Dollar ein und wurde zum fünfterfolgreichsten Superheldenfilm aller Zeiten.

Natürlich wird Gadot auch in der Fortsetzung, die 2020 in die Kinos kommt, die Welt retten. Doch sie ist mehr als Wonder Woman. Sie ergatterte Millionendeals mit Reebok, Revlon und dem chinesischen Telefonhersteller Huawei. Das »TIME Magazine« kürte sie zu einem der 100 einflussreichsten Menschen überhaupt.

»Wonder Woman« spielte insgesamt 800 Millionen Dollar ein.

BLUMENKOHL Die Tomaten sprechen zu ihm. Chefkoch Eyal Shani hat nicht nur Sinn für Gemüse im Kochtopf, sondern auch für die Philosophie dazu. Seine Spezialität – gerösteter Blumenkohl in Pergament – erobert die Tische der Welt. An Shanis »Straßensnacks mit dem gewissen Etwas« stehen die Menschen in Tel Aviv, Wien, New York und Melbourne Schlange. Im Misnon werden Gourmetspeisen in der Pitatasche serviert. »Israelische Küche ist eine Form von Chuzpe«, sagt er. Also so etwas wie eine richtig köstliche Frechheit.

Nuseir Yassin ist nicht nur einer der erfolgreichsten Influencer in Israel, sondern weltweit. Elf Millionen Facebook-Fans schart der israelische Araber aus der Kleinstadt Araba um sich. Bekannt wurde er mit seinen einminütigen Filmen NAS Daily, in denen er über seine Israel-Realität erzählte. Als er sein Harvard-Studium begann, erweiterte er sein Spektrum und berichtete von politischen, sozialen und kulturellen Ereignissen, Beziehungsproblemen und Reiseerlebnissen. Selbst komplizierte Zusammenhänge bringt er simpel und stets mit Humor unter die Leute.

FERNSEHEN Pinke Affenschaukeln im Haar, neongelbe Tüllröcke und Kostüme in den Farben des Regenbogens: Netta Barzilai ist nicht zu übersehen. Und damit eroberte sie Israel im Sturm. Als bis dahin relativ unbekannte Gewinnerin einer Gesangsshow im Fernsehen durfte sie bei der Eurovision 2018 in Portugal antreten und ihr Lied »Toy« vortragen.

Der Frauenpower-Song passte genau in die #MeToo-Ära. Doch es war nicht nur der eingängige Song, sondern Talent, sprudelnde Kreativität und Natürlichkeit, die der Künstlerin den Sieg bescherten. Im Mai wird die 25-Jährige aus Hod Hascharon Musikfans aus ganz Europa in Israel willkommen heißen und mit ihnen in Tel Aviv die Eurovision feiern, als gäbe es kein Morgen.

Gleich mehrere finden sich in den Listen des TIME-Magazins.

Lior Raz und Avi Issacharoff sind die Macher der Hit-Fernsehserie Fauda, die den israelisch-palästinensischen Konflikt durch die Augen einer Antiterroreinheit, die im Westjordanland Terroristen fängt, zeigt. Besonders die menschliche Darstellung beider Seiten wird von Kritikern hervorgehoben. Fauda ist von der »New York Times« bereits 2017 als eine der besten Fernsehsendungen des Jahres bezeichnet worden. Im Jahr darauf gewann sie elf Auszeichnungen und den Ophir, das israelische Pendant zum Oscar. Doch Raz und Issacharoff haben noch nicht genug Preise eingeheimst, meinen sie. Derzeit arbeiten sie an einer Serie zu einer Operation von Mossad und CIA sowie an einem Spionagethriller.

KRYPTOGRAFIE Die Wissenschaftlerin Tal Rabin aus Jerusalem lebt und arbeitet heute in New York. Dort leitet sie die kryptografische Forschungsgruppe von IBM. Rabin hat über 100 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht, darunter eine mit ihrem Vater, dem Computerwissenschaftler und Mathematiker Michael Rabin. Sie hat zudem das Programm »Women in Theory« ins Leben gerufen, ein zweijähriges Event für herausragende Studentinnen der Computerwissenschaften. Das »Forbes Magazine« ernannte Rabin zu einer der 50 führenden Frauen der Wissenschaft.

Sagi Muki hat zweimal Gold eingeheimst. Der israelische Judoka holte 2018 bei den Europäischen Meisterschaften in Tel Aviv in der Unter-81-Kilogramm-Klasse das Edelmetall und später noch einmal bei der Judo Grand Competition in Abu Dhabi. In dem arabischen Land erlangte der Israeli noch einen weiteren Sieg: Zum ersten Mal durften dort Athleten aus dem Jüdischen Staat mit dem Davidstern auf dem Anzug antreten. Bei der Siegerehrung wurde die Hatikwa gespielt – und Muki sang aus vollem Hals mit. Ein historischer Augenblick für den Sport und für ganz Israel. »Das werde ich niemals vergessen«, sagte Muki im Anschluss. »Es war der bewegendste Moment meiner Karriere.«

BESTSELLER Adam Neumann hat dem TIME Magazine zufolge »die Art, wie wir arbeiten und leben, revolutioniert«. Dafür darf auch er sich einen der 100 einflussreichsten Menschen nennen. Die Gemeinschaftsbüro-Plattform WeWork ist mittlerweile 42 Milliarden US-Dollar wert. Das Unternehmen unterhält Hunderte von Co-Arbeitsplätzen in mehr als 30 Ländern. Doch Neumann hat noch lange nicht genug und eröffnete nach gemeinschaftlichen Wohnräumen (WeLive) kürzlich eine Privatschule mit Namen WeGrow. WeWork steht in der TIME-Liste der »50 genialsten Firmen«.

Der Historiker Yuval Noah Harari hat sich zum Liebling der Bildungshungrigen in der ganzen Welt gemausert. Seine populärwissenschaftlichen Bücher Eine kurze Geschichte der Menschheit, Homo Deus und die 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert sind allesamt Bestseller. Der Professor aus Jerusalem ist außerdem gern gesehener Redner in sämtlichen Foren von Ted über das Weltwirtschaftsforum bis zu Google-Talks. Seine Bücher werden von Barack Obama und Bill Gates als »Must Reads« angepriesen. Mittlerweile hat Harari bei seinen Anhängern selbst Star-Status erreicht.

Avi Gil (in Uniform), links von Benjamin Netanjahu

Explosives Interview

»Die Geiseln hätten früher zurückkehren können«

Der ehemalige Militärsekretär des Premiers, Avi Gil, erhebt schwere Vorwürfe: Warnungen vor dem 7. Oktober seien ignoriert, Abkommen aus politischen Gründen verhindert und Protokolle manipuliert worden. Netanjahu weist die Anschuldigungen zurück

von Sabine Brandes  11.10.2026

Nahost

IDF: Terrorinfrastruktur in Gaza zerstört

Israelische Armee und Sicherheitsbehörden haben nach eigenen Angaben im Gazastreifen Waffenlager, eine Raketenabschussrampe und eine Kommandozentrale zerstört. Verteidigungsminister Katz droht dem neuen Hamas-Chef

 11.10.2026

Passagiere am Flydubai-Schalter am Ben-Gurion-Flughafen Tel Aviv, 30. September

Vereitelter Terroranschlag

Flydubai-Passagiere wollen auf Hunderte Millionen klagen

Nach dem versuchten Anschlag an Bord des Fluges nach Tel Aviv bereiten Israelis Klagen gegen die Airline und möglicherweise mehrere Staaten vor

von Sabine Brandes  11.10.2026

Gesellschaft

Hamas-Massaker überschattet Israels Wahlkampf

Die meisten Israelis sehen den 7. Oktober als wichtigen Faktor für ihre Wahlentscheidung. Umfragen zeigen, dass weder Netanjahus Lager noch die Opposition die Mehrheit erhält

von Sabine Brandes  11.10.2026

Frachtschiffe vor Anker in der Straße von Hormus bei Bandar Abbas (Iran)

Nahost

Bericht: Iran kann noch immer Raketen und Drohnen produzieren

Teheran soll demnach weiterhin gut ausgestattet mit Raketen sein und schnell nachproduzieren können. Die USA sollen zudem Israel gedrängt haben, Iran erneut anzugreifen – alleine

 11.10.2026

Nahost

Der Lieberman-Plan

Soll das Westjordanland neu verwaltet werden?

von Sabine Brandes  10.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026

Luftfahrt

Wer kontrolliert die Flüge nach Israel?

Nach dem vereitelten Anschlag auf einen Flydubai-Flug gerät das israelische Sicherheitssystem für ausländische Airlines unter Druck

von Sabine Brandes  08.10.2026