Cyberkrieg

Vom Iran im Netz für tot erklärt

Iranische Hacker greifen israelische Ziele an (Symbolbild) Foto: picture alliance / empics

Mitten im Krieg zwischen Israel und Iran tobt auch eine digitale Schlacht – und sie trifft inzwischen einzelne Menschen ganz konkret. Der Israeli Elkana Bar Eitan erlebte das auf bizarre Weise: Im Internet erklärten iranische Accounts ihn kurzerhand für tot.

Experten sehen darin ein Beispiel für gezielte Desinformation. Falschmeldungen über angebliche Tote, Angriffe oder militärische Erfolge sind Teil einer Strategie, die Verwirrung stiften und Gegner einschüchtern soll. Gerade in sozialen Medien verbreiten sich solche Geschichten rasend schnell.

»Zuerst musste ich lachen. Es fühlte sich absurd an«, schrieb Bar Eitan anschließend in einem Blog in der »Times of Israel«. Die Meldung über seinen angeblichen Tod verbreitete sich auf sozialen Medien und iranischen Kanälen, obwohl er quicklebendig ist.

Angeblich seien acht IDF-Reservisten tot

Ein Freund hatte ihm einen Screenshot geschickt: Neben sieben weiteren Fotos von israelischen Reservisten war auch sein Bild zu sehen, darunter die knappe Botschaft: »8 IDF soldiers gone.« Zunächst musste Bar Eitan lachen. Doch als sich die Nachricht weiterverbreitete, wurde ihm mulmig. Seine Familie könnte die Meldung sehen, bevor sie von ihm hörte. Also rief er sofort an. »Nur damit ihr es wisst«, sagte er seinen Lieben, »laut iranischem Militär bin ich tot«.

Was zunächst wie ein makabrer Internet-Scherz wirkte, erschien ihm bald weniger harmlos. Für Bar Eitan ist die Episode Teil eines Musters: »Dies war kein zufälliges Internet-Trolling. Es war Teil einer Strategie. Seit Jahren investiert das iranische Regime massiv in psychologische Kriegsführung und Desinformation. Neben Raketen, Drohnen und Stellvertretermilizen setzt es eine weitere Waffe ein: Lügen. Falsche Berichte über israelische Verluste, inszenierte Siege auf dem Schlachtfeld.«

Der Iran setze seit Jahren neben Raketen und Drohnen auch auf psychologische Manipulation. Auf offiziellen Kanälen entdeckte er später sogar KI-Bilder, die den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu als tot darstellten.

Warum? »Weil psychologische Kriegsführung oft das Mittel derer ist, die auf dem Schlachtfeld nicht gewinnen können. Wenn die militärischen Erfolge begrenzt sind, versucht man, sie online zu inszenieren. Wenn man den Feind physisch nicht brechen kann, versucht man, ihn emotional zu zermürben«, so der junge Israeli weiter.

Elkana Bar Eitan: »Psychologische Kriegsführung ist oft das Mittel derer, die auf dem Schlachtfeld nicht gewinnen können.«

»Doch ich schreibe diese Zeilen sehr lebendig«, resümierte er. Propaganda könne vieles behaupten, aber die Wahrheit ist: »Israelis sind noch immer hier. Noch immer auf den Beinen. Noch immer im Kampf.«

Währenddessen warnen israelische Behörden vor einer neuen Welle von Cyberangriffen aus dem Iran. Das nationale Cyberdirektorium berichtet, dass Hacker zunehmend versuchen, israelische IT-Systeme und Infrastruktur zu sabotieren oder Daten zu löschen, um Organisationen lahmzulegen und das Funktionieren der Wirtschaft zu stören.

Dabei würden oft gestohlene Zugangsdaten oder Schwachstellen in Fernzugängen ausgenutzt, um in Netzwerke einzudringen. Sicherheitsbehörden unterstützen derzeit zahlreiche Unternehmen und Behörden dabei, Angriffe abzuwehren und Schäden zu begrenzen.

Nach Einschätzung von Cyberexperten könnten mehrere iranisch unterstützte Hackergruppen hinter den Aktivitäten stehen. Eine Gruppe namens »Handala Hack«, die laut Sicherheitsanalysten Verbindungen zum iranischen Geheimdienst haben soll, hat bereits mehrere Angriffe oder Datenlecks für sich reklamiert.

Auch andere pro-iranische Hacker oder sogenannte Hacktivisten drohen mit Attacken auf israelische Ziele. Manche dieser Gruppen behaupten, Banken, Unternehmen oder staatliche Einrichtungen attackiert zu haben. Das Cyberdirektorium bestätigt diese Angaben nicht.

Auch Cyberspionage spielt heute eine Rolle

Neben klassischen Hackerangriffen spielt auch Cyberspionage eine Rolle. Sicherheitsfirmen berichten etwa von Versuchen iranischer Akteure, Überwachungskameras in Israel zu hacken, vermutlich um die Auswirkungen von Raketenangriffen oder genaue Einschlagsorte auszuspähen.

Die digitale Kampagne richtet sich jedoch nicht nur gegen Institutionen. Zunehmend geraten auch israelische Zivilisten ins Visier. Das nationale Cyberdirektorium berichtet, dass seit Beginn der Operation »Brüllen des Löwen« gegen den Iran mehr als 1300 Anzeigen von Bürgern eingegangen sind. Viele Israelis meldeten Einschüchterungsanrufe oder Textnachrichten von iranischen Absendern.

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77 Prozent der gemeldeten Fälle seien Phishingversuche gewesen. »Die Nachrichten enthielten Manipulationen, durch die versucht werden sollte, dass Israelis persönliche Informationen an eine Feindesnation aushändigen. Andere waren dazu gedacht, die Moral zu schwächen und die Menschen zu bedrohen«, erklärte die Behörde. Die Anzeigen würden derzeit untersucht.

Das Cyberdirektorium rief die Bevölkerung zu besonderer Vorsicht auf. Israelis sollten derzeit besonders aufmerksam sein, nicht mit unbekannten Personen kooperieren und Anrufe von unbekannten Nummern möglichst nicht annehmen.

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