USA

Vom Zeitungsjungen zum Multimilliardär

Politisch stand der Unternehmer (hier im Dezember 2019 mit seiner Frau Miriam und US-Präsident Donald Trump) rechten Kreisen nahe. Foto: imago images/ZUMA Press

Einer der finanzkräftigsten Unterstützer Israels ist tot. Der amerikanische Hotel- und Casino-Unternehmer und Mäzen Sheldon Adelson starb im Alter von 87 Jahren nach langer Krankheit, wie seine Frau heute mitteilte.

Laut »Forbes« gehörte Adelson zuletzt zu den reichsten 30 Menschen weltweit. Sein Vermögen betrug rund 33 Milliarden US-Dollar. Er wuchs aber in einfachen Verhältnissen in einem jüdischen Viertel in Boston auf. Sheldons Vater Arthur war Taxifahrer, seine Mutter Sarah Näherin. Sie war Jahre zuvor mit ihrer Familie aus Großbritannien eingewandert.

Die Vorfahren des Vaters entstammten jüdischen Familien aus Litauen und der Ukraine. »Die ganze Familie – meine Eltern, zwei Brüder und meine Schwester – lebte in einem einzigen Schlafzimmer«, erinnerte er sich später in einem Gespräch mit der »Jewish Press«.

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Adelson begann seine berufliche Karriere bereits als Kind. Mit zwölf Jahren lieh er sich Geld von seinem Onkel und erwarb damit eine Lizenz zum Verkauf und Austragen von Zeitungen in Boston. Als 16-Jähriger stellte er Automaten für Süßigkeiten her.

Nach dem Abbruch seines Hochschulstudiums und dem gescheiterten Versuch, Gerichtsreporter zu werden, trat er anschließend in die US-Armee ein. Später gründete er fast 50 eigene Unternehmen. Darunter waren Firmen für den Vertrieb von Toilettenartikeln, Reiseunternehmen sowie Computermessen.

»Weil mir Türen aus verschiedenen Gründen verschlossen waren – meine Religion, meine Bildung, mein wirtschaftlicher Status –, musste ich einen Weg finden, diese Türen zu öffnen. Ich bildete mir ein, dass, wenn ich nur die Dinge anders machen würde als alle anderen, es einen Mehrwert für meine Anstrengungen geben würde«,  sagte er 2012 dem Magazin »Forbes«

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LAS VEGAS Im Jahr 1988 erwarb Adelson gemeinsam mit Partnern das Sands Hotel und Casino in Las Vegas. Schon ein Jahr später baute er das Sands Expo and Convention Center, damals das einzige private Kongresszentrum in den USA. Angeblich während der Flitterwochen in Venedig mit seiner zweiten Frau Miriam kam Sheldon Adelson die Eingebung für ein Mega-Hotel. Er riss das Sands ab und baute für rund 1,5 Milliarden Dollar das 3000-Zimmer-große »Venetian Resort«, welches 1999 eröffnet wurde. Der Komplex gilt heute der Grundfläche nach als das siebtgrößte Gebäude der Welt.

Im Jahr 2003 kam ein riesiger Anbau mit mehr als 1000 Suiten hinzu. Der Venedig nachempfundene Komplex verfügt zudem über 18 Restaurants und ein Einkaufszentrum mit Kanälen, Gondeln und singenden Gondolieri. Einige Jahre später kam ein Casino-Resort in Pennsylvania hinzu.

Auch in Asien investierte Adelson kräftig und errichtete ähnliche Resorts, unter anderem in China. In Singapur baute der Unternehmer von 2006 bis 2010 mit dem »Marina Bay Sands« für 5,5 Milliarden Dollar das sechstteuerste Gebäude der Welt.

Politisch fiel Adelson vor allem mit Millionenspenden für konservative Kräfte auf.

Daneben investierte Adelson kräftig im Zeitungsgeschäft. 2015 kaufte er das »Las Vegas Review-Journal«. Auch in Israel war der Amerikaner gut im Geschäft. 2007 machte er ein zunächst erfolgloses Angebot, die Mehrheit an der Tageszeitung »Maariv« zu erwerben.

https://www.facebook.com/124833944625012/posts/1110959056012491/

Dann brachte Adelson ein politisch eher rechtsgerichtetes Gratisblatt auf den Markt, »Israel Hayom«, dessen erste Ausgabe am 30. Juli 2007 verteilt wurde. Später stellte sich heraus, dass die Anteile nicht von Adelson selbst, sondern von einem seiner Verwandten gehalten wurden.

POLITIK 2014 erhielt der Milliardär von einem Jerusalemer Gericht doch noch grünes Licht für den Kauf von »Maariv« und der konservativen Zeitung »Makor Rishon«.

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Politisch fiel Adelson vor allem mit Millionenspenden für konservative Kräfte auf. Er galt als Hauptsponsor des amerikanischen Präsidenten Donald Trump und der Republikanischen Partei. Das »Las Vegas Journal-Review« war 2016 die einzige Zeitung in den USA, die zur Wahl Trumps aufrief. Einige Reporter und Redakteure verließen das Blatt nach Adelsons Übernahme unter Berufung auf »eingeschränkte redaktionelle Freiheit, undurchsichtige Geschäfte und unethische Manager«.

In Israel stand der Unternehmer vor allem Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und dessen Likud-Partei nahe. Kritiker warfen der Zeitung »Israel Hayom« wiederholt vor, sie sei Netanjahu in Nibelungentreue ergeben. 2014 schoss Adelson 200 Millionen Dollar für das Blatt nach – es hatte bis dahin nur Verluste eingefahren. Dennoch gelang es ihm, »Israel Hayom« zur auflagenstärksten Zeitung in Israel zu machen. Bei ihrer Gründung sagte Adelson: »Die Bürger Israels haben bislang keine faire und ausgewogene Berichterstattung bekommen.«

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Auch sonst vertrat er umstrittene Ansichten. Bei einer Podiumsdiskussion 2014 erklärte Adelson: »Ich glaube nicht, dass die Bibel etwas über eine Demokratie sagt. Und wenn Israel kein demokratischer Staat mehr wäre, so what?« Später gab er zu Protokoll, er habe sich damit einen Scherz erlaubt.

Zuletzt finanzierte Adelson die Ausreise des verurteilten US-Spions Jonathan Pollard nach Israel. Dieser landete vor zwei Wochen in einem Privatflugzeug in Tel Aviv und wurde dort von Ministerpräsident Netanjahu in Empfang genommen. Zuvor hatte Pollard wegen Geheimnisverrats an Israel eine 28-jährige Haftstrafe in einem US-Gefängnis verbüßt.

GROSSZÜGIGKEIT Miriam Adelson schrieb in ihrer Erklärung zum Tod ihres Mannes: »Sheldon war gütig. Er gab bereitwillig von seinem Vermögen für wohltätige Zwecke, die buchstäblich zahllos sind. Er erwartete dafür keine Anerkennung und bevorzugte oft die Anonymität. Obwohl er in Körperbau und Sprache ungehobelt und in den letzten zwei Jahrzehnten von einer schmerzhaften Krankheit geplagt war, war Sheldon immer sensibel für die Bedürfnisse anderer.«

»Was zählte, war, dass Gutes getan wurde. Ihm ging es darum, für das Richtige einzustehen.«

Seine Geschichte sei typisch für das amerikanische Unternehmertum gewesen, so die Witwe weiter. »Wenn Sheldon ein neues Unternehmen gründete, schaute die Welt mit Spannung zu.« Trotz der Corona-Krise, in deren Folge Adelsons Hotelresorts deutlich weniger Zulauf hatten, habe er dafür gesorgt, »dass Zehntausende unserer Teammitglieder weiterhin ihre Löhne und ihre Krankenversicherung bekamen.«

ANERKENNUNG Sie fügte hinzu: »Aber er ging darüber hinaus, das Leben von Einzelpersonen zu verbessern: Er gestaltete den Kurs von Nationen. Einige der historischen Veränderungen, die er zu bewirken half – in den Vereinigten Staaten, Israel und anderswo – sind öffentlich bekannt. Andere sind es nicht. Für Sheldon war die Anerkennung seiner eigenen unverzichtbaren Rolle unwichtig. Was zählte, war, dass Gutes getan wurde. Ihm ging es darum, für das Richtige einzustehen, auch wenn das bedeutete, allein zu stehen. Sein idealer Tagesabschluss war in der Gesellschaft von Familie und Freunden, nicht von Staatsmännern oder Berühmtheiten.«

Adelson litt seit längerem an einer Form von Lymphdrüsenkrebs. Benjamin Netanjahu zeigte sich bestürzt über den Tod des 87-Jährigen. In »tiefer Trauer und mit gebrochenem Herzen« sprach er der Witwe sein Beileid aus. US-Präsident Donald Trump sagte in einem Statement des Weißen Hauses, die Welt habe »einen großartigen Menschen« und einen energischen Fürsprecher Israels verloren.

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