Uri Lupolianski, langjähriger Bürgermeister Jerusalems und Gründer der Hilfsorganisation Yad Sarah, ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Nach Angaben aus seinem Umfeld erlag er in der Nacht nach längerer Krankheit einer deutlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustands. Lupolianski hinterlässt seine Ehefrau und zwölf Kinder. Wie israelische Medien berichten, soll die Beisetzung am Vormittag in Jerusalem stattfinden.
Lupolianski wurde 1951 in Haifa geboren und diente in jungen Jahren als Sanitäter beim Militär. 1976 gründete er Yad Sarah, eine zunächst kleine Freiwilligeninitiative, die sich zu einer der größten sozialen Organisationen Israels entwickelte. Heute betreibt Yad Sarah Dutzende Niederlassungen im ganzen Land und stützt sich auf Tausende Ehrenamtliche, die medizinische Hilfsmittel und Unterstützung für Kranke, Alte und Menschen mit Behinderungen bereitstellen.
Für sein jahrzehntelanges Engagement im sozialen Bereich erhielt Lupolianski zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Israel-Preis, den Preis des Staatspräsidenten für Freiwilligenarbeit sowie Ehrungen der Knesset und verschiedener zivilgesellschaftlicher Organisationen. Den Israel-Preis nahm er stellvertretend für Yad Sarah entgegen.
Erster ultraorthodoxer Bürgermeister
Politisch trat Lupolianski Ende der 1980er-Jahre in Erscheinung. 1989 wurde er für die ultraorthodoxe Partei Degel HaTorah in den Jerusalemer Stadtrat gewählt. Von 2003 bis 2008 stand er als Bürgermeister an der Spitze der Stadt. Er war der erste ultraorthodoxe Bürgermeister Jerusalems und zugleich der erste, der eine religiös und säkular gemischte Metropole leitete. Auf eine zweite Amtszeit verzichtete er. Die Wahl gewann später Nir Barkat, heute Wirtschaftsminister Israels.
Seine politische Laufbahn wurde später durch den sogenannten Holyland-Korruptionskomplex überschattet. Lupolianski wurde wegen Bestechungsvorwürfen verurteilt, nachdem Gelder eines Kronzeugen an Yad Sarah weitergeleitet worden waren. Eine ursprünglich verhängte Haftstrafe wurde 2015 vom Obersten Gerichtshof aus gesundheitlichen Gründen in gemeinnützige Arbeit umgewandelt.
Zahlreiche Politiker würdigten Lupolianski nach seinem Tod. Der Knesset-Abgeordnete Uri Maklev erklärte: »Die Welt der Barmherzigkeit hat heute ihren größten Architekten verloren.« Lupolianski habe Nächstenliebe auf eine neue Ebene gehoben und sein ganzes Leben dem Wohl anderer gewidmet. Auch der Knesset-Abgeordnete Meir Porush sprach von einem außergewöhnlichen Menschen, dessen Wirken durch unzählige gute Taten weiterlebe.
Yad Sarah erklärte in einer Mitteilung: »Wir sind verwaist. Wir trauern um unseren verehrten Gründer, eine Säule der Menschlichkeit.« Das Lebenswerk von Uri Lupolianski werde fortbestehen und weiterhin Menschen in ganz Israel helfen. im