Knesset

Umstrittenes Armeegesetz für Ultraorthodoxe auf Eis

Ultraorthodoxe jüdische Männer blockieren am Eingang von Jerusalem am 16. Februar 2026 eine Straße und stoßen mit der Polizei zusammen, während sie gegen die Inhaftierung von Jeschiwa-Studenten protestieren, die einem Rekrutierungsbefehl der Armee nicht nachgekommen sind. Foto: copyright (c) Flash90 2026

Die israelische Regierung hat einen der umstrittensten Gesetzesvorschläge in der Geschichte des Landes vorerst auf Eis gelegt. Es geht um die Befreiung ultraorthodoxer Männer vom Militärdienst. Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte, die Einbringung werde zunächst nicht weiterverfolgt, während sich die Regierung auf einen neuen Staatshaushalt konzentriert, der zusätzliche Milliarden für das Militär bereitstellen soll. Hintergrund sind die enormen Kosten des derzeitigen Krieges gegen den Iran.

Netanjahu betonte, die militärische Operation erfordere ein Sonderbudget in Höhe von Zehntausenden Milliarden Schekel. »Diese Kampagne kostet Geld – sehr viel Geld. Deshalb müssen wir während des Krieges ein besonderes Budget verabschieden, um die Verteidigungsausgaben und den Kriegseinsatz zu finanzieren«, so der Regierungschef.

Hauptsächlich geht es um die politische Linie in der Koalition

Die schnelle Verabschiedung des aktualisierten Haushalts solle es Israel ermöglichen, den Krieg zu finanzieren und gleichzeitig staatliche Leistungen aufrechtzuerhalten, heißt es aus Jerusalem. Hauptsächlich geht es dabei um die politische Linie. Denn da das Armeegesetz auch innerhalb der Koalition umstritten ist – und die Regierung die Zustimmung für den Haushalt in Kriegszeiten von allen Mitgliedern braucht – einigte man sich darauf, die kontroversen Änderungen zunächst ad acta zu legen.

Auch der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich begründete die Entscheidung mit der Kriegssituation. »Krieg ist eine Zeit der Einheit und nationalen Verantwortung«, erklärte er. Strittige Themen innerhalb der Koalition, darunter das Wehrpflichtgesetz für Ultraorthodoxe und weitere Reformen, würden deshalb in diesen Tagen nicht beachtet. Auch Smotrichs Vorschlag für eine umfassende Änderung der Regulationen für die Milchproduktion im Land wird nun hintangestellt.

Seit rund anderthalb Jahren drängt die Führung der ultraorthodoxen Haredim vehement auf ein Gesetz, das ihre Gemeinschaft weitgehend vom Dienst in der israelischen Armee IDF befreien würde. Hintergrund ist ein Urteil des Obersten Gerichtshofs, das die jahrzehntelangen pauschalen Ausnahmen für Studenten religiöser Jeschiwot für rechtswidrig erklärte, da es dem Gleichheitsgrundsatz widerspricht.

Oppositionsführer Yair Lapid: »Wir haben immer versprochen, dass das verabscheuungswürdige Gesetz zur Wehrdienstverweigerung nicht durchgehen wird.«

Aus dem ultraorthodoxen Lager gab es zunächst keine einheitliche öffentliche Reaktion. Vertreter der Haredi-Parteien betonen jedoch seit Langem kategorisch, dass sie ihre jungen Männer nicht in die Armee schicken werden. »Wir sterben lieber als zu dienen«, lautet das Motto. Immer wieder führt dies auch zu gewalttätigen Protesten.

Schätzungen zufolge wären etwa derzeit 80.000 ultraorthodoxe Männer zwischen 18 und 24 Jahren grundsätzlich wehrpflichtig – treten ihren Dienst jedoch nicht an. Das Militär hat wiederholt gewarnt, es fehlten der IDF derzeit rund 12.000 Soldaten, Tendenz steigend.  

Auch in der Bevölkerung ist der Widerstand gegen das Ansinnen der Haredim zunehmend gewachsen. Vor allem, nachdem im Anschluss an das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 Hunderttausende Reservisten teils mehr als ein Jahr lang Dienst leisten mussten. Sie fordern gleiche Rechte und Pflichten für alle.

Schlupflöcher im Gesetzesentwurf

Offiziell hätte das geplante Gesetz zwar mehr Haredim zum Wehrdienst verpflichten sollen, gleichzeitig jedoch eine nahezu flächendeckende Ausnahme für Jeschiwa-Studenten als Grundgesetz festgeschrieben. Kritiker, darunter die Militärführung, Generalstaatsanwaltschaft und zahlreiche Politiker, sehen in dem Entwurf zahlreiche Schlupflöcher und nicht nur eine Fortsetzung der Ungleichheit bei der Wehrpflicht, sondern eine Verschärfung.

Oppositionsführer Yair Lapid bezeichnete den Schritt als Erfolg. Er habe von Anfang an versprochen, dass das »verabscheuungswürdige Gesetz zur Wehrdienstverweigerung« nicht durchgehen werde. »Heute Abend haben Netanjahu und Smotrich zugegeben, was wir schon lange gesagt haben: Dieses Gesetz ist gescheitert.«

Auch der frühere Ministerpräsident Naftali Bennett sprach von einem »großen Sieg«. Nach zwei Jahren Kampf von Reservistenorganisationen und großen Teilen der Öffentlichkeit habe sich endlich die Auffassung durchgesetzt, »dass alle gemeinsam dienen müssen«.

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 05.08.2026

Tel Aviv/Gaza

Israel verschärft Regeln für Angriffe in Gaza

Der Friedensrat fordert das Ende aller Kampfhandlungen. Berichten zufolge ist die Zahl der israelischen Angriffe gegen den Terror wegen einer neuen IDF-Auflage nun zurückgegangen

 05.08.2026

Jerusalem

Bericht enthüllt Verbindungen zwischen Palästina-Aktivisten und Terroristen

Das israelische Diaspora-Ministerium hat eine Untersuchung veröffentlicht, die zeigen soll, wie israelfeindliche Aktivisten aus den USA die Nähe zu Terrororganisationen suchen

 04.08.2026

Rom

Weitere Gespräche zwischen Israel und Libanon in Rom

Die Spannungen zwischen Israel und der Hisbollah halten an. Doch gleichzeitig gehen direkte Gespräche zwischen Israel und dem Libanon weiter. Worum geht es dabei?

 04.08.2026

Gaza

Israel lehnt Abzug vor Entwaffnung der Hamas ab

Der vorgesehene israelische Truppenabzug und die Entwaffnung der Hamas sollen offenbar doch nicht parallel erfolgen. Das Board of Peace verändert die Bedingungen

 04.08.2026

Jerusalem

Herzog empfängt neuen deutschen Botschafter

Alexander Graf Lambsdorff hat die Nachfolge von Steffen Seibert als Botschafter in Israel offiziell angetreten. Jetzt war der neue Vertreter Deutschlands beim Präsidenten - dieser sprach dabei auch von »besonderen Beziehungen«

 04.08.2026

Israel

Sie wurde auf dem Nova-Festival ermordet: Junger Israeli tot am Grab seiner besten Freundin aufgefunden

»Auch die Freunde der Ermordeten sind Opfer dieser Tragödie«, sagt die Familie von Bar Bechor Asraf.

 04.08.2026

Israel

Präsident Herzog lobt Gaza-Friedensplan

In der israelischen Regierung gibt es Vorbehalte gegen den von US-Präsident Donald Trump entwickelten Plan. Das Staatsoberhaupt ist optimistischer

 03.08.2026

Jerusalem

Netanjahus Kehrtwende im Wahlkampf

Premier Netanjahu will sich offenbar von den Haredim distanzieren, um gemäßigte Likud-Wähler zurückzugewinnen

von Sabine Brandes  03.08.2026