Nachruf

Trauer um Ruth Dajan

Ruth Dajan (1917-2021) Foto: picture alliance / dpa

Palästina gehörte noch zum Osmanischen Reich und wurde von der Hohen Pforte, dem Sultanspalast in Istanbul, aus regiert, als Ruth Dajan - damals hieß sie noch Ruth Schwartz - am 7. März 1917 in Haifa zur Welt kam. Mit 18 heiratete sie 1935 Mosche Dajan; aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

AFFÄREN Mosche Dajan kämpfte im israelischen Unabhängigkeitskrieg und stieg später zum Generalstabschef der israelischen Streitkräfte und in der Zeit des Sechstagekriegs zum Verteidigungsminister auf. Während des Jom-Kippur-Kriegs mit Ägypten 1973 trat er zurück, feierte aber kurze Zeit später ein Comeback. Als Außenminister war Dajan dann in der Begin-Regierung maßgeblich am Zustandekommen des Camp-David-Friedensabkommens mit Ägypten beteiligt. Er starb 1981.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Der Mann mit der Augenklappe war nicht nur für seine militärischen und politischen Taten bekannt, sondern auch für seine zahlreichen Affären. Bereits Anfang der 1970er-Jahre trennte sich das Ehepaar Dajan. 1973 brachte Ruth gemeinsam mit einer Mitautorin ein biografisches Werk heraus, das zum Kassenschlager wurde. Darin setzte sie sich auch mit den Affären ihres Ex-Mannes auseinander und wird mit den Worten zitiert: »Er hatte so einen schlechten Geschmack, was die Frauen angeht.«

Ruth Dajans Schwester Reuma heiratete Ezer Weizman, einen Neffen des ersten israelischen Präsidenten Chaim Weizmann. Auch er machte in der israelischen Armee Karriere und bekleidete später das Amt des Verteidigungsministers. Von 1993 bis 2000 war er Israels Staatspräsident.

ENGAGEMENT 1954 gründete Ruth Dajan das Modelabel Maskit, nach dem hebräischen Wort für Handarbeit benannt. Unter ihrer Führung versuchte das Unternehmen, einerseits moderne Mode im gehobenen Preissegment zu produzieren, andererseits aber auch die verschiedenen handwerklichen Fähigkeiten und modischen Traditionen der nach Israel Eingewanderten weiterleben zu lassen. Lange Jahre war das Unternehmen sehr erfolgreich, 1994 wurde es aber geschlossen.

Dajan war auch sozialpolitisch engagiert und setzte sich sowohl für Frauenrechte als auch für die Aussöhnung zwischen Israelis und Arabern ein. Sie gründete die Vereinigung Brit Bnei Shem/Ibnaa Sam, die israelische und arabische Frauen zusammenbrachte.

2009, im Alter 92 Jahren, flog sie nach Malta, um sich dort mit der Witwe des PLO-Oberhaupts Jassir Arafat zu treffen. Mit deren Mutter, der Dichterin Raymonda Tawil, verband sie eine lange Freundschaft. Bis zum Schluss war Dajan geistig rüstig und aktiv. Am frühen Freitagmorgen, wenige Wochen vor ihrem 104. Geburtstag, verstarb sie in Tel Aviv.

Israels Präsident Reuven Rivlin würdigte als »eine Frau, die schon zu Lebzeiten zu einer israelischen Legende wurde«. Rivlin weiter: »Ihre Lebensgeschichte war die Verwirklichung des israelischen und zionistischen Traums.« Dajan sei »ein Vorbild für Generationen von Unternehmern« gewesen und eine Frau, »die den guten Geschmack kannte und ihn auf exquisite Weise in ihren Mustern und Stoffen zum Ausdruck brachte«.

Kommentar

Die Kotel ist für alle da

Die Klagemauer könnte in Zukunft einzig vom orthodoxen Rabbinat verwaltet werden. Was als Schutz der Heiligkeit verkauft wird, wäre ein Angriff auf religiöse Vielfalt

von Sophie Goldblum  27.02.2026

Türkei

Ehemalige israelische Soldatin in Istanbul festgenommen

Die Frau konnte erst nach diplomatischem Druck nach Hause zurückkehren

 27.02.2026

Israel

Neue Pizza-Regeln für die Luftwaffe

Soldaten sollen künftig darauf verzichten, sich Speisen direkt ins Hauptquarter liefern zu lassen. Warum?

 27.02.2026

Verstrickungen

Geschäfte mit einem Mörderregime

Wie ein iranischer Banker ein europäisches Immobilienimperium aufbaute – inklusive Hilton-Hotels in Deutschland

von Philip Plickert  27.02.2026

Tel Aviv

Ex-Geisel Matan Angrest berichtet von Verhören und Folter durch die Hamas

Zum ersten Mal seit seiner Freilassung hat Angrest über seine Zeit in der Gewalt der Hamas gesprochen

 27.02.2026

Debatte

»Sie war mehr als froh, als alles zu Ende war«: Berlinale-Kreise: Tuttle überfordert und resigniert

Wie geht es nach Debatten um die Berlinale weiter? Eine Krisensitzung bringt nach Angaben des Kulturstaatsministers keine Entscheidung - zumindest vorerst

 26.02.2026

Politik

US-Konsulate erstmals in jüdischen Siedlungen

Die Angebote stehen im Kontext wachsender Spannungen und anhaltender Gewalt im Westjordanland

von Sabine Brandes  26.02.2026

Diplomatie

Israel und Indien vereinbaren »besondere strategische Partnerschaft«

Bislang galt für Israel: »Besondere strategische Partnerschaften« bestehen nur mit Deutschland und den USA. Jetzt wird auch die Zusammenarbeit mit Indien so eingestuft. Das hat Vorteile für beide

 26.02.2026

Aliya

»Ich habe gewonnen«: Auschwitz-Überlebende (96) wandert nach Israel aus

Charlotte Roth will mehr Zeit mit ihrer Familie bringen, die zum größten Teil aus den USA nach Israel eingewandert ist

 26.02.2026