Medien

Springer-Chef Döpfner nimmt »Politico«-Redaktion in die Pflicht

Mathias Döpfner, der CEO von Axel Springer SE Foto: picture alliance/dpa/Lehtikuva

Mathias Döpfner, der Vorstandschef des Medienkonzerns Axel Springer und damit auch oberster Verantwortlicher des US-Nachrichtenportals »Politico«, hat die Unternehmenswerte des Medienunternehmens eindringlich verteidigt. In einer internen Mitarbeiterversammlung machte er klar, wer die zentralen Grundsätze des Unternehmens nicht teile, Unterstützung für das Existenzrecht Israels inklusive, solle lieber woanders arbeiten.

Dies geht aus einem Mitschnitt des Gesprächs hervor, den die Publikation »Jewish Insider« erhielt und auswertete.

Auslöser des Treffens war dem Bericht zufolge ein Schreiben von »Politico-Mitarbeitern an den künftigen Chefredakteur Jonathan Greenberger. Darin wurde Döpfner vorgeworfen, «Politico» für die Verbreitung seiner politischen Positionen zu nutzen. Konkret bezog sich die Kritik auf mehrere Gastbeiträge Döpfners, in denen er Europa zu mehr Unterstützung für die USA und Israel im Konflikt mit Iran aufgerufen hatte.

«Ich werde mehr schreiben, nicht weniger»

Außerdem beanstandeten Mitarbeiter laut «Jewish Insider» Aussagen Döpfners über europäische Hilfen für Palästinenser, die nach seiner Überzeugung indirekt Terroristen zugutekommen. Redaktionsmitglieder äußerten die Sorge, solche Texte könnten den Ruf von «Politico» als unparteiische Nachrichtenplattform beschädigen.

Döpfner wies die Vorwürfe zurück und kündigte an, sich künftig noch häufiger öffentlich zu äußern. «Ich werde in Zukunft mehr schreiben, nicht weniger», sagte er laut Bericht. Seine persönlichen Ansichten hätten keinen Einfluss auf die redaktionelle Linie der Publikation.

Besonders irritiert habe ihn der Einwand, seine Beschreibung Irans als Aggressor sei unangemessen gewesen. Döpfner hielt dagegen, diese Formulierung sei eher noch zu milde gewählt.

Scharfe Worte gegen das iranische Regime

Wörtlich sagte er, man könne das iranische Regime eher als «Terroristen» oder «Massenmörder» bezeichnen. Zur Begründung verwies er auf die Unterstützung Teherans für Gruppen wie Hamas, Hisbollah und die Huthi.

Zugleich erklärte Döpfner, für ihn sei es offenkundig, dass Iran seit Jahren nach Atomwaffen strebe und aggressiv handle. Diese Punkte seien so klar belegt, dass sie keiner weiteren Beweisführung bedürften.

Lesen Sie auch

Ein zentraler Bestandteil der Axel-Springer-Unternehmenswerte ist die Unterstützung des Existenzrechts Israels. Dies sei nicht verhandelbar, betonte Döpfner bei dem Treffen erneut. Kritik an israelischen Regierungen werde dadurch keineswegs ausgeschlossen, sagte er. Die Grundwerte des Unternehmens seien eindeutig.

Fundamentale Wertefragen

Wenn jemand das zionistische Prinzip – verstanden als Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung und einen sicheren Staat – infrage stelle, berühre das fundamentale Wertefragen, erklärte der Springer-Chef.

Auch der designierte Chefredakteur Greenberger stellte sich hinter die Konzernlinie. Döpfner werde ihm keine Anweisungen für die redaktionelle Arbeit geben, sagte er. Gleichzeitig bezeichnete er die Springer-Grundsätze als Unternehmenswerte, die mit unabhängigem Journalismus vereinbar seien.

Greenberger erinnerte daran, Axel Springer sei nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet worden. Die Haltung des Hauses spiegele die historische Verantwortung wider – darunter die Unterstützung Israels als Zufluchtsort für Juden nach der Schoa.

Cartoon nach Protesten entfernt

Axel Springer hatte «Politico» 2021 für mehr als eine Milliarde Dollar übernommen. Seitdem gibt es immer wieder Spannungen zwischen Teilen der amerikanischen Redaktion und dem deutschen Mutterkonzern.

Zuletzt war «Politico» mehrfach wegen israelfeindlichen oder als antisemitisch kritisierten Inhalte in die Schlagzeilen geraten – darunter ein umstrittener Cartoon sowie ein wohlwollendes Porträt der UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese. Der Cartoon wurde nach Protesten wieder entfernt.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Ein Sprecher des Konzerns erklärte gegenüber «Jewish Insider», interne Diskussionen wie diese seien hilfreich, um die Prinzipien redaktioneller Unabhängigkeit sowie die «nicht verhandelbaren Werte» des Unternehmens zu verdeutlichen. im

Richter Yechiel Kasher

Tel Aviv

Oberstes Gericht stoppt Schließung von Armee-Sender Galei Zahal

Richter Yechiel Kasher kritisiert den Versuch Jerusalems, das Armee-Radio abzuschalten: »Eine Regierung, die auf diese Weise handelt, ist ausgesprochen undemokratisch.«

 21.08.2026

Westjordanland

Qusra: US-Botschafter warnt Siedler vor Enteignung palästinensischer Familien

Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, sagt, es gehe nicht nur um einen Verstoß gegen menschengemachtes Recht, sondern auch »gegen Gottes Gesetz«

 21.08.2026

Ben Gurion Airport

Gepäckstreik sorgt für Chaos an Tel Aviver Flughafen

Ein Streik beim Gepäckpersonal bringt den Flughafen bei Tel Aviv zum Stillstand. Lange Schlangen und dichtes Gedränge prägen einen der verkehrsreichsten Tage der Sommerferien

 20.08.2026

Umstrittenes Gesetz

Ben-Gvir baut Galgen für palästinensische Terroristen

Israels rechtsextremer Sicherheitsminister will palästinensische Terroristen hinrichten lassen. Der Ruf nach Sanktionen gegen Itamar Ben-Gvir wird lauter

von Sabine Brandes  20.08.2026

7. Oktober

Totgeglaubt – und endlich unter der Chuppa

Sie überlebte den Todesbunker von Re‘im, er 505 Tage in einem Hamas-Tunnel. Jetzt haben Ziv Abud und Eliya Cohen geheiratet

von Sabine Brandes  20.08.2026

Umfrage

Immer weniger Palästinenser sympathisieren mit der Hamas

Die Hamas hat weiter an Zustimmung bei den Palästinensern verloren. Immer mehr sprechen sich für eine Verhandlungslösung und weniger für Gewalt aus. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Umfrage

von Andrea Krogmann  20.08.2026

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026

Gesundheit

Fühl den Schmerz!

Eine Studie aus Israel zeigt: Wer sich auf eine Entzündung konzentriert, kann die Reaktion des Körpers abschwächen

von Sabine Brandes  20.08.2026

Wahlkampf

Arabischer Dreierpakt für die Knessetwahl

Chadasch, Ta’al und Balad bilden eine neue Union ohne Ra‘am. Laut Umfragen wird die Regierungsbildung ohne arabische Beteiligung schwierig

von Sabine Brandes  20.08.2026