Medien

Sophie von der Tann für Grimme-Preis nominiert

Sophie von der Tann, ARD-Korrespondentin in Tel Aviv Foto: picture alliance / HMB Media

Die ARD-Korrespondentin in Israel, Sophie von der Tann, ist für den Grimme-Preis nominiert. Wie das Grimme-Institut am Donnerstag bekanntgab, steht die Journalistin gemeinsam mit Golineh Atai vom ZDF und dem Team des Projekts »Das Damascus Dossier« auf der Liste der Nominierten, die in der Kategorie Information und Kultur für eine besondere journalistische Leistung ausgezeichnet werden könnten.

Von der Tann steht den Angaben zufolge für ihre »hochpräzise und menschennahe Berichterstattung über Israel und die palästinensischen Gebiete« zur Wahl. Im vergangenen Jahr hatte sie für ihre Arbeit bereits den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis bekommen, gemeinsam mit der ARD-Korrespondentin in Istanbul und Teheran, Katharina Willinger. Kritiker hatten von der Tann im Vorfeld der Preisverleihung Einseitigkeit und auch Antisemitismus vorgeworfen. Der Verband Jüdischer Journalistinnen und Journalisten wirft von der Tann etwa mangelnde Distanz vor.

Die »WerteInitiative«, eine jüdische Nichtregierungsorganisation, bemängelt, dass Sophie von der Tanns Berichte oft eher Kommentare seien. Mit ihrer Auszeichnung werde ein journalistischer Stil prämiert, der Israel systematisch als Aggressor darstelle und antisemitische Narrative bediene.

Zahlreiche Verbände und Kollegen hatten sich nach der Kritik mit von der Tann solidarisiert und die Vorwürfe zurückgewiesen.

Viel Kritik an Auszeichnung für von der Tann, aber auch Solidarisierung durch Kollegen und Verbände

Atai wurde von der Nominierungskommission für ihre ruhig erzählten und analytisch herausragenden Berichte aus der arabischen Welt gelobt. Das Team des Projekts »Das Damascus Dossier« vom NDR steht für eine den Angaben zufolge eindringliche Aufbereitung von Recherchen zu Gräueltaten des Assad-Regimes in Syrien zur Wahl.

Insgesamt wurden 71 Produktionen und Einzelleistungen für den 62. Grimme-Preis nominiert. Er wird in den Kategorien Information und Kultur, Fiktion, Unterhaltung sowie Kinder und Jugend vergeben. Elf Nominierungen gehen in diesem Jahr an Privatsender und Streaminganbieter, darunter die Serie »Frier und Fünfzig - Am Ende meiner Tage« von Sat.1, die Netflix-Doku »Babo - Die Haftbefehl-Story« und die Vox-Serie »Herbstresidenz mit Tim Mälzer und André Dietz«.

Leerstellen in allen Kategorien

»Die Nominierungen für den diesjährigen Grimme-Preis spiegeln eindrucksvoll die Vielfalt und Stärke des aktuellen Fernsehjahres wider«, sagte Cigdem Uzunoglu, Geschäftsführerin des Grimme-Instituts. Dennoch beklagen die Nominierungskommissionen in allen Kategorien Leerstellen und schöpften daher auch nicht immer die maximal mögliche Anzahl an Nominierungen aus. So bemängelte die Kommission Information und Kultur, dass die fortschreitende Klimakrise aus ihrer Sicht keine angemessene Bearbeitung gefunden habe. Außerdem fehlt der Kommission zufolge eine überzeugende, tiefe Berichterstattung über die politische Lage in den USA.

In der Kategorie Unterhaltung beklagte die Kommission fehlenden Mut zu innovativen Formaten und mangelnde Diversität in den Produktionen. Auch in den Formaten für Kinder und Jugendliche sind aktuelle Krisen der Kommission zufolge unterrepräsentiert. Politische Formate hätten auf Konfrontation statt auf Diskurs gesetzt. In der Kategorie Fiktion sah die Kommission einen Rückgang bei der Diversität der Stoffe.

Ab dem 31. Januar treten die Jurys des 62. Grimme-Preises zusammen und entscheiden über die Preisträger. Diese werden im März bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet am 24. April in Marl statt.

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