Analyse

»Regimewechsel in absehbarer Zeit nicht sehr wahrscheinlich«

Raz Zimmt leitet das Forschungsprogramm »Iran und die schiitische Achse« an der Universität Tel Aviv

Aus iranischer Sicht sei der Krieg mit Israel und den USA ein Existenzkampf. Das erkläre auch die Angriffe nicht nur auf Israel und US-Streitkräfte, sondern auch auf zivile Ziele in verschiedenen Golfstaaten sowie den Druck auf die Hisbollah, sich aktiv an der Kampagne zu beteiligen. Aus Sicht der USA und Israels gehe es darum, die militärischen Kapazitäten der Islamischen Republik und das Regime in Teheran massiv zu schwächen.

»Ich denke, es ist heute sowohl in Washington als auch in Jerusalem ganz klar, dass die Wahrscheinlichkeit eines Regimewechsels im Iran aufgrund von Luftangriffen oder Militärschlägen sehr gering ist«, sagte der israelische Iran-Experte Raz Zimmt am Montag in einem Hintergrundgespräch der israelischen Botschaft. Zimmt ist Direktor des Forschungsprogramms »Iran und die schiitische Achse« am Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) an der Universität Tel Aviv.

Der Iran-Experte verwies in dem Gespräch auf deutliche Unterschiede zum Zwölftagekrieg im Juni 2025. Im vergangenen Jahr sei auch der iranischen Führung klar gewesen, dass die Angriffe Israels und der USA darauf begrenzt gewesen seien, das iranische Atomprogramm zu schwächen und das Potenzial der ballistischen Raketen zu reduzieren. Dieser Krieg sei eine viel umfassendere militärische Konfrontation. Es sei deutlich, dass Israel und die Vereinigten Staaten weitergehende Ziele verfolgten.

Militärische Kapazitäten geschwächt

Der Waffengang im Juni habe die militärischen Kapazitäten des Iran geschwächt. Doch trotz der militärischen Erfolge sei die iranische Bedrohung geblieben: das Atomprogramm, die Fähigkeiten zur Herstellung ballistischer Raketen und die regionalen Ambitionen.

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Israel und die USA wollen nun nicht nur das Atomprogramm und das Raketenpotenzial schwächen, sondern auch die unterirdischen Anlagen des Iran angreifen und dessen Fähigkeit zum Wiederaufbau dauerhaft einschränken. Zudem sollen ethnische Minderheiten eingesetzt werden, um iranische Sicherheitskräfte zu binden.

Ein Ziel Israels sei, das iranische Regime zumindest so weit zu schwächen und zu untergraben, dass auch die staatlichen Kapazitäten nach dem Krieg erheblich reduziert seien. Es gebe keine erklärte Politik Israels, den Iran zu zerschlagen, betonte Zimmt. »Ich denke, dass es nicht in erster Linie darum geht, das Regime zu stürzen, sondern Bedingungen zu schaffen, die nach dem Krieg von den Iranern selbst genutzt werden könnten, um sich gegen die Machthaber in Teheran zu erheben.«

Veränderungen unwahrscheinlich

Er bezeichnete den Regimewechsel im Iran als ein mögliches Szenario. »Auch hier muss ich leider sagen, dass ich hoffe, dass ich mich irre, aber es scheint in absehbarer Zukunft nicht sehr wahrscheinlich zu sein.«

Nach der Ernennung von Mojtaba Chamenei, dem Sohn des getöteten Ajatollahs Ali Chamenei, zum neuen Obersten Führer der Islamischen Republik, hält er Veränderungen innerhalb des Regimes für eher unwahrscheinlich. »Ich wäre sehr überrascht, wenn er eine versöhnlichere Haltung einnehmen und im Vergleich zu seinem Vater mehr Zugeständnisse machen würde«, so Zimmt.

Der Iran-Forscher geht davon aus, dass es auf absehbare Zeit beim gleichen Regime bleiben wird, ohne grundlegende Änderungen der iranischen Strategie und Politik. Insofern sei das Ziel, zumindest sicherzustellen, »dass die Islamische Republik Iran bis zu dem Tag, an dem das iranische Volk hoffentlich in der Lage sein wird, das Regime zu stürzen, deutlich geschwächt bleibt und weit weniger Möglichkeiten hat, eine Bedrohung für Israel und andere Staaten darzustellen.« ddk

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