Kampagne

Sonntags frei!

Wochenendvergnügen: Einkauf auf dem Mahane-Yehuda-Markt in Jerusalem Foto: Flash 90

Kaum sind drei Sterne am Abendhimmel zu sehen, ist es mit der Ruhe vorbei. Die gewöhnliche Hektik hat die Israelis wieder. Nach Mozei Schabbat, dem Ende des siebten Tages, rattern Züge über die Schienen, öffnen Supermärkte ihre Tore, strömen die Menschen auf die Straßen und in die Geschäfte. Am Morgen darauf beginnt die Woche in Israel. Sonntag ist gewöhnlicher Arbeitstag, Kinder besuchen Schulen und Kindergärten. Wenn es nach Minister Silvan Shalom geht, indes nicht mehr lange. Er will den Tag zum Wochenende erklären lassen. So wie es im Großteil der Welt üblich ist.

Ziel Der Vizepremier und Minister für die regionale Entwicklung hat sich dieses Ziel allerdings nicht erst gestern auf die Fahnen geschrieben. Bereits zehn Jahre lang setzt er sich für den freien Sonntag ein, jetzt startet er eine Kampagne, um das Vorhaben Realität werden zu lassen. »Es wäre eine Revolution in Israel«, sagte er kürzlich, »und würde unser Land normaler machen, den Menschen mehr Freizeit gewähren und ihnen die Möglichkeit geben, am Montag viel ausgeruhter wieder zur Arbeit gehen«.

Nach eigener Auskunft sprach er bereits mit Premier Benjamin Netanjahu, Stanley Fischer, dem Gouverneur der Bank of Israel, Gewerkschaftschefs und anderen Schlüsselfiguren sowie Vertretern der religiösen Parteien, um deren Unterstützung zu erlangen.

Arbeitszeit Auch der Vereinigung der israelischen Handelskammern unterbreitete Shalom einen Vorschlag für ein offizielles langes Wochenende. Statt freitags freizunehmen, sollen die Menschen demzufolge an diesem Tag je nach Jahreszeit bis 13 oder 14 Uhr arbeiten, dazu während der Woche einige Stunden mehr. Bislang haben die meisten Israelis nur recht wenig Zeit, sich von den Strapazen der Woche zu erholen.

Zwar arbeiten nicht alle am Freitag, doch Banken, Postfilialen und Geschäfte sind mindestens bis mittags geöffnet, der öffentliche Verkehr läuft bis zum Einbruch der Dunkelheit, die Kinder gehen in Schule und Kindergarten.

Das sei einer der Hauptgründe für das stressige Leben in Israel, findet Juval Biton. Der zweifache Familienvater stimmt auf mit Shalom überein. »Wir haben im Grunde bislang nur einen Tag wirklich frei, den Schabbat. Daher können wir keine längeren Ausflüge machen oder einfach nur ausspannen. Die Freizeit ist extrem rationiert.« Besonders schlimm findet Biton den Stress für seine Sprösslinge. »Sie gehen von Sonntag bis Freitag zur Schule, und Mozei Schabbat müssen sie sich schon auf die kommende Woche vorbereiten.«

Ausland Das lange Wochenende kennt er aus eigener Erfahrung. Fünf Jahre lang lebte er in den USA und schwärmt noch heute: »Es war wunderbar. Freitags arbeiteten wir bis zwölf oder eins, danach war bis Sonntagabend für die ganze Familie frei. Ich war noch nie so entspannt wie in dieser Zeit.« Der Tel Aviver meint, es wäre sinnvoll, sich dem Rest der Welt anzupassen und den Sonntag für die Entspannung zu nutzen. »Es würde Israel sicher guttun.«

Ganz im Sinne des Ministers. Er ist überzeugt, dass eine Woche von Montag bis Freitag Israel in Einklang mit dem Rest der Welt bringen würde. »Das wäre der klügste Schritt, den wir machen könnten.« Er weiß allerdings auch, dass eine Umstellung Probleme mit sich bringen würde.

»Ein Teil der Ablehnung ist psychologisch. Die Leute wollen am Freitag für ihr Schabbatessen einkaufen gehen und alles vorbereiten. Ich sage, sie sollen schon am Donnerstag in den Supermarkt. Alles wird anders, wir werden Zeit brauchen, um uns daran zu gewöhnen.« Dennoch ist der Minister von seiner Initiative überzeugt. Er ist sicher, dass alle davon profitieren würden.

Auch religiöse Juden, die viele Dinge am Schabbat nicht tun können, unter anderem Autofahren und Reisen. Sie könnten mit der neuen Regelung am Sonntag Ausflüge machen. Deshalb will Shalom einflussreiche Rabbiner und vor allem Eli Yishai überzeugen, den orthodoxen Innenminister von der Schass-Partei.

Wirtschaft Besonders positive Folgen erwartet der Minister für die Wirtschaft. Sonntags sollen nach seinem Plan Einrichtungen wie Einkaufszentren, Kinos, Restaurants und Cafés geöffnet bleiben, damit die Menschen an ihrem freien Tag konsumieren und ausgehen können. Die Kapitalmärkte würden effizienter, weil sie synchron zu den ausländischen arbeiteten. Shalom hofft, dass er genug Knessetmitglieder mit guten Argumenten auf seine Seite ziehen kann, um das lange Wochenende durchzusetzen. Mit ihm hoffen Mitglieder der verschiedenen Facebook-Gruppen, die auf diese Art ihre Freizeit-Revolution ins Rollen bringen wollen.

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