EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 55 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Corona

»Schneller und effektiver reagieren«

Unterzeichneten eine gemeinsame Absichtserklärung: Karl Lauterbach (l.) und sein Amtskollege Nitzan Horowitz Foto: picture alliance / photothek

Herr Minister, Ihr Besuch in Israel stößt auf großes Interesse. Wie sind Ihre Eindrücke vom Land, etwa im Hinblick auf den Umgang mit der Corona-Pandemie?
Israel begeistert mich. Ich liebe dieses Land. Und die Kooperation mit Israel ist fantastisch – das erlebe ich hier bei meinem Besuch. Wir tauschen uns über die Pandemie aus. Israel war hier immer Vorreiter. Und wir lernen voneinander in Sachen Digitalisierung. Auch hier ist Israel weiter als Deutschland. Deshalb freue ich mich, dass wir die Zusammenarbeit intensivieren.

Allein in der vergangenen Woche wurden hier jeweils eine Studie zu Antikörpern und eine zur Wirksamkeit von Vakzinen bei Long Covid veröffentlicht. Was kann Deutschland von Israel lernen?
Israel wertet Routinedaten aus – sehr viel schneller und umfassender, als wir das tun. So kann zum Beispiel erforscht werden, wer unter Long Covid leidet, mit welchen Symptomen, welche Blutwerte es gibt, welche Behandlung, dann kann man daraus Schlüsse ziehen. So könnte auch festgestellt werden, welche Behandlungen unter Routinebedingungen funktionieren. Außerdem gibt es eine Studie zum Medikament Paxlovid. Dabei wurde untersucht, wie es jenen hilft, die Risikofaktoren hatten, geimpft waren und sich mit einer Omikron-Variante infiziert hatten. Alles wertvolle Daten. Dabei kam heraus, dass die Wahrscheinlichkeit einer Krankenhauseinweisung deutlich reduziert wird. Das sind sehr wichtige Erkenntnisse. So etwas wollen wir in Deutschland auch ermöglichen. Wir haben bei der Digitalisierung viel Zeit verloren, da möchte ich jetzt deutlich schneller vorankommen. Da hilft der Austausch mit Israel.

Zu Beginn der Pandemie hat die vorherige israelische Regierung nicht-personalisierte Patientendaten an das Pharma-Unternehmen Pfizer weitergegeben, um schneller Vakzine zu erhalten. Wäre so etwas in Deutschland denkbar, und haben Sie Sorge, dass die Digitalisierung zu Ärger mit den deutschen Datenschützern führen könnte?
Wir wollen ja keine Daten an Unternehmen weitergeben. Wenn, dann geht es um Forschung. Außerdem stehe ich mit dem Datenschutzbeauftragten in engem Austausch. Wir wollen die Datennutzung gemeinsam vorantreiben. Die Voraussetzungen dafür sind sehr gut. Das gesamte Kabinett steht hinter mir. Auch für den Bundeskanzler hat die Nutzung von Daten im Gesundheitswesen eine besondere Bedeutung. Ich bin mir sicher, dass wir da schnell vorankommen.

In Deutschland stellt man sich in Sachen Pandemie auf einen unsicheren Herbst ein. In Israel scheint das im Moment die wenigsten zu kümmern. Können Sie diese israelische Unbeschwertheit nachvollziehen?
Wenn die Fallzahlen steigen, würde auch wieder eine Maskenpflicht eingeführt werden, heißt es aus Jerusalem.

Beim letzten Anstieg der Zahlen Anfang Juli war das aber nicht der Fall. Die Neuinfektionen schossen in die Höhe, und trotzdem gab es kein Maskenmandat im Land.
Wichtig ist, dass man vorbereitet ist. Und das sind wir in Deutschland – selbst auf schwerere Wellen. Ich würde mich allerdings freuen, wenn es nicht nötig wäre, die Vorbereitung zu nutzen.

Wie schauen Sie im Hinblick auf Pandemien in die Zukunft? Und wie können Sie bei der Vorsorge mit Israel kooperieren?
Es wird mehr Pandemien geben. Gründe sind unter anderem Klimawandel, die Zunahme der Bevölkerung und eine Veränderung der Biodiversität. Darauf müssen wir uns international einstellen. Und zwar schneller, als die Gefahr größer wird. Dabei ist die Zusammenarbeit mit Israel sehr hilfreich. Mit meinem Kollegen Nit­zan Horowitz habe ich ein Abkommen unterzeichnet, damit diese Zusammenarbeit noch weiter gestärkt wird. Wir arbeiten auch eng mit den USA und vielen anderen Partnern zusammen. Künftig müssen wir schneller und effektiver reagieren als in der Corona-Pandemie. Das geht nur gemeinsam.

Mit dem deutschen Bundesminister für Gesundheit sprach Sabine Brandes.

Jerusalem

Israels Wahlergebnis bleibt offen, mehr als die Hälfte der Stimmen ausgezählt

Mit wie vielen Sitzen kann das Netanjahu-Lager rechnen? Wie sieht das bisherige Ergebnis der Opposition aus?

 28.10.2026

Jerusalem

Bis zu 650.000 »Sonderstimmen« könnten Israels Wahlergebnis noch verändern

Die Stimmen von Soldaten, Reservisten und weiteren Wahlberechtigten, die nicht in ihrem regulären Wahllokal abstimmen konnten, müssen noch einbezogen werden

 28.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will rasch neue Regierung in Israel bilden

Netanjahus Lager verliert die Mehrheit, doch auch Ex-Militärchef Eisenkot kann mit seinem Lager nicht allein regieren. Dennoch erklärt er, schon bald eine Koalition schmieden zu wollen

 28.10.2026

Jerusalem

Vorfälle bei Parlamentswahl

Für die große Mehrheit der Israelis verlief der Wahltag friedlich. Es gab jedoch Einschüchterungsversuche und sogar Angriffe

 28.10.2026

Jerusalem

Benjamin Netanjahu bei Wahl vorn - aber ohne Mehrheit

Bleibt der heutige Ministerpräsident an der Macht? Oder kommt es zum Regierungswechsel? Der Politikveteran gibt sich in der Wahlnacht trotz unklarem Ausgang siegesgewiss

 28.10.2026 Aktualisiert

Analyse

Die Wahl bringt keinen klaren Sieger hervor - was nun?

Die Wahlbeteiligung war mit 77,7 Prozent die höchste seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Doch die richtungsweisende Wahl in Israel ergab zunächst kein klares Ergebnis. Wie geht es jetzt weiter?

von Sara Lemel  27.10.2026

Israel

Wahltag in Blau-Weiß

Bis zuletzt warben die Parteien vor den Wahllokalen um Stimmen - und von denen gab es viele zu holen: Die Wahlbeteiligung war so hoch wie seit 1988 nicht mehr. Ein 94-Jähriger gab seine Stimme mit letzter Kraft ab und starb kurz darauf

von Sabine Brandes  27.10.2026

Knesset-Wahl

Eisenkot will Netanjahu ablösen

Netanjahus Likud liegt zwar laut ersten Prognosen vorn, doch seinem Lager fehlen viele Sitze zur Mehrheit. Ex-Militärchef Eisenkot will die Regierung ablösen – doch gelingt ihm das?

 27.10.2026

Knesset-Wahl

Lapid: Öffentlichkeit hat Netanjahu-Lager »nach Hause geschickt«

Netanjahus Likud-Partei wurde zwar laut Prognosen stärkste Kraft im Parlament, kommt aber mit ihren Partnern nicht auf eine Mehrheit. Die Opposition sagt, seine Regierung sei damit »gefeuert«.

 27.10.2026