Corona

»Schneller und effektiver reagieren«

Unterzeichneten eine gemeinsame Absichtserklärung: Karl Lauterbach (l.) und sein Amtskollege Nitzan Horowitz Foto: picture alliance / photothek

Herr Minister, Ihr Besuch in Israel stößt auf großes Interesse. Wie sind Ihre Eindrücke vom Land, etwa im Hinblick auf den Umgang mit der Corona-Pandemie?
Israel begeistert mich. Ich liebe dieses Land. Und die Kooperation mit Israel ist fantastisch – das erlebe ich hier bei meinem Besuch. Wir tauschen uns über die Pandemie aus. Israel war hier immer Vorreiter. Und wir lernen voneinander in Sachen Digitalisierung. Auch hier ist Israel weiter als Deutschland. Deshalb freue ich mich, dass wir die Zusammenarbeit intensivieren.

Allein in der vergangenen Woche wurden hier jeweils eine Studie zu Antikörpern und eine zur Wirksamkeit von Vakzinen bei Long Covid veröffentlicht. Was kann Deutschland von Israel lernen?
Israel wertet Routinedaten aus – sehr viel schneller und umfassender, als wir das tun. So kann zum Beispiel erforscht werden, wer unter Long Covid leidet, mit welchen Symptomen, welche Blutwerte es gibt, welche Behandlung, dann kann man daraus Schlüsse ziehen. So könnte auch festgestellt werden, welche Behandlungen unter Routinebedingungen funktionieren. Außerdem gibt es eine Studie zum Medikament Paxlovid. Dabei wurde untersucht, wie es jenen hilft, die Risikofaktoren hatten, geimpft waren und sich mit einer Omikron-Variante infiziert hatten. Alles wertvolle Daten. Dabei kam heraus, dass die Wahrscheinlichkeit einer Krankenhauseinweisung deutlich reduziert wird. Das sind sehr wichtige Erkenntnisse. So etwas wollen wir in Deutschland auch ermöglichen. Wir haben bei der Digitalisierung viel Zeit verloren, da möchte ich jetzt deutlich schneller vorankommen. Da hilft der Austausch mit Israel.

Zu Beginn der Pandemie hat die vorherige israelische Regierung nicht-personalisierte Patientendaten an das Pharma-Unternehmen Pfizer weitergegeben, um schneller Vakzine zu erhalten. Wäre so etwas in Deutschland denkbar, und haben Sie Sorge, dass die Digitalisierung zu Ärger mit den deutschen Datenschützern führen könnte?
Wir wollen ja keine Daten an Unternehmen weitergeben. Wenn, dann geht es um Forschung. Außerdem stehe ich mit dem Datenschutzbeauftragten in engem Austausch. Wir wollen die Datennutzung gemeinsam vorantreiben. Die Voraussetzungen dafür sind sehr gut. Das gesamte Kabinett steht hinter mir. Auch für den Bundeskanzler hat die Nutzung von Daten im Gesundheitswesen eine besondere Bedeutung. Ich bin mir sicher, dass wir da schnell vorankommen.

In Deutschland stellt man sich in Sachen Pandemie auf einen unsicheren Herbst ein. In Israel scheint das im Moment die wenigsten zu kümmern. Können Sie diese israelische Unbeschwertheit nachvollziehen?
Wenn die Fallzahlen steigen, würde auch wieder eine Maskenpflicht eingeführt werden, heißt es aus Jerusalem.

Beim letzten Anstieg der Zahlen Anfang Juli war das aber nicht der Fall. Die Neuinfektionen schossen in die Höhe, und trotzdem gab es kein Maskenmandat im Land.
Wichtig ist, dass man vorbereitet ist. Und das sind wir in Deutschland – selbst auf schwerere Wellen. Ich würde mich allerdings freuen, wenn es nicht nötig wäre, die Vorbereitung zu nutzen.

Wie schauen Sie im Hinblick auf Pandemien in die Zukunft? Und wie können Sie bei der Vorsorge mit Israel kooperieren?
Es wird mehr Pandemien geben. Gründe sind unter anderem Klimawandel, die Zunahme der Bevölkerung und eine Veränderung der Biodiversität. Darauf müssen wir uns international einstellen. Und zwar schneller, als die Gefahr größer wird. Dabei ist die Zusammenarbeit mit Israel sehr hilfreich. Mit meinem Kollegen Nit­zan Horowitz habe ich ein Abkommen unterzeichnet, damit diese Zusammenarbeit noch weiter gestärkt wird. Wir arbeiten auch eng mit den USA und vielen anderen Partnern zusammen. Künftig müssen wir schneller und effektiver reagieren als in der Corona-Pandemie. Das geht nur gemeinsam.

Mit dem deutschen Bundesminister für Gesundheit sprach Sabine Brandes.

Brüssel

900 Millionen Euro Herzenswärme

Knapp eine Milliarde Euro soll für den Wiederaufbau in den Gazastreifen gehen. Dass die Mittel am Ende tatsächlich nur in die zivile Infrastruktur fließen, ist zweifelhaft

von Michael Thaidigsmann  13.07.2026

Essay

Wann endet ein Flüchtlingsstatus?

Der Flüchtlingsstatus ist kein Dauerzustand. Wer über Asyl spricht, muss auch über die Bedingungen sprechen, unter denen Schutz wieder entfallen sollte

von Steven Guttmann  13.07.2026

Paris

Isolation Israels ist »historisches moralisches Versagen«

»Es ist ein dunkler Moment für Juden auf der ganzen Welt«, sagt der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy. »Wir müssen stolz, stark und weise sein.«

 13.07.2026

Brüssel

Bundesregierung bremst in EU-Debatte um Israel-Sanktionen

Produkte aus israelischen Siedlungen beschränken? Etliche EU-Staaten sind dafür. In Brüssel bahnt sich allerdings ein juristischer Streit an

 13.07.2026

Jerusalem

Netanjahu: Siedlergewalt geht von »150 jugendlichen Straftätern« aus

Der Ministerpräsident verurteilt Selbstjustiz im Westjordanland, betont aber auch, dass »99 Prozent« der Siedler gesetzestreue Bürger seien

 13.07.2026

Jerusalem

Knesset-Ausschuss billigt Gesetz zur Aussetzung von Einberufung für Haredim

Nach dem Gesetzentwurf würden zehntausende Haredim, die bereits als Wehrdienstverweigerer gelten, bis mindestens Ende November vor einer Festnahme geschützt

 13.07.2026

Gaza

Enthülltes Sinwar-Dokument: Hamas-Chef hielt israelischen Atomschlag für möglich

Der damalige Hamas-Anführer Yahya Sinwar rechnete bereits mehr als ein Jahr vor dem Terrorüberfall vom 7. Oktober 2023 mit einer extremen militärischen Reaktion Israels

 13.07.2026

Brüssel

EU: Außenminister beraten über mögliche Israel-Sanktionen

Bei ihrem letzten regulären Treffen vor der Sommerpause beraten die Außenminister der EU-Staaten über Strafmaßnahmen wegen Israels Siedlungspolitik. Zudem geht es auch um Russland und den Iran

 12.07.2026

Jerusalem

Wahl in Israel am 27. Oktober erwartet

Der Termin für die Wahl der Knesset steht Berichten zufolge fest

 12.07.2026