Genesis Philanthropy Group

»Roadmap« für die Zukunft des Judentums

Foto: imago

Welchen gemeinsamen Nenner haben Juden weltweit, und wie kann eine Einheit des jüdischen Volkes in Vielfalt aussehen? Solchen Fragen gehen derzeit 36 jüdische Denker von sechs Kontinenten und verschiedenen Strömungen des Judentums nach.

Am Ende des Projekts der »Genesis Philanthropy Group« und des israelischen Diasporaministeriums soll eine »Deklaration unseres gemeinsamen Schicksals«, eine Art »Roadmap« für die Zukunft des Judentums stehen. Nun wurde in Jerusalem ein erster Entwurf der Erklärung vorgestellt – mit Israels Präsident Reuven Rivlin in dessen Residenz. Es geht um Einheit, aber ebenso um Unterschiede.

diskussionen »Wir, das jüdische Volk, die Nachfahren von Abraham und Sarah und all jene, die im Laufe der Generationen zum Judentum konvertiert sind, sind an diesem Tag zusammengekommen, um einen erneuerten Bund zu erklären«, heißt es in der Einleitung des Entwurfs. In groben Schritten erläutert er, wie das jüdische Volk gestärkt werden und welche Rolle es in der Welt spielen sollte.

Noch ist das Schreiben vage. Konkrete Vorschläge, wie die verschiedenen Ziele erreicht werden könnten, fehlen. »Die richtige Arbeit beginnt jetzt«, sagt Mike Samuel Delberg. »Nach weiteren Diskussionen der Gelehrten wollen wir das Dokument in alle Gemeinden tragen und diskutieren, um so viele Meinungen wie möglich zu hören«, so der Repräsentant der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, der an der Erarbeitung des Entwurfs mitgewirkt hat.

»Festschreiben, was uns eint, statt das Trennende zu betonen«, sei das Hauptanliegen der Deklaration. Und dass sich führende jüdische Denker, Rabbiner und Aktivisten »von orthodox bis reformjüdisch« an dem Projekt beteiligen, zeige die Wichtigkeit des Anliegens. Am Ende, so Delberg, soll »eine Art Gesellschaftsvertrag« stehen.

diversität Die Diversität als Stärke wahrzunehmen, darum geht es auch Präsident Rivlin, der die Schirmherrschaft des Projekts übernommen hat. »Das Wunder des jüdischen Volkes ist nicht, dass wir über Tausende Jahre überlebt haben. Das Wunder ist, dass wir, obwohl wir über die ganze Welt verteilt sind, verschiedene Sprachen sprechen und verschiedene Traditionen entwickelt haben, immer ein Volk waren«, so Rivlin bei der Präsentation.

Die erfolgreiche Integration jüdischer Gemeinschaften in ihre Heimatländer weltweit bringe jedoch neue Herausforderungen für die jüdische Identität und das jüdische Volk mit sich.

Die erfolgreiche Integration jüdischer Gemeinschaften in ihre Heimatländer weltweit bringe jedoch neue Herausforderungen für die jüdische Identität und das jüdische Volk mit sich. Drei Dinge sind nach den Worten des Präsidenten unabdingbar für eine Zukunft des jüdischen Volkes: der Erhalt der Grundwerte, Traditionen und Identität, der gegenseitige Respekt für die Unterschiede und eine gegenseitige Verantwortung füreinander.

Bedrohungen des Judentums von außen dürfe man nicht außer Acht lassen, sagte Rabbinerin Sharon Brous aus Los Angeles unter Verweis auf Phänomene wie wachsenden »weißen Nationalismus«. Dies dürfe aber nicht dazu führen, die inneren Probleme zu übersehen. »Wir müssen definieren, wer wir sind und wer wir in der Welt sein wollen«, so Brous.

demokratie Trotz des »Wunders der Geburt Israels« gebe es Baustellen, etwa den wachsenden Graben zwischen Religiösen und Säkularen. Sie erwähnte zudem das Mit-sich-Ringen des Landes, um demokratisch zu bleiben. Aber auch wachsende Verhärtungen gegenüber Palästinensern oder Asylsuchenden.

Für Rabbiner Jakob Meidan ist die Kraft des Verbindenden immer noch größer als die Spaltungen. »Alle Juden in der Welt«, so der Leiter der jüdischen Hochschule Har-Etzion-Jeschiwa, seien »Brüder«. Diese Einheit müsse fortgesetzt werden, selbst wenn der Bund von heute die Polemiken und Meinungsverschiedenheiten nicht auslöschen könne.

diaspora So wie Israel als »jüdischer und demokratischer Staat« für das Überleben des jüdischen Volkes wesentlich sei, hänge das Überleben Israels von einem blühenden jüdischen Volk ab, betonte Rivlin die Bedeutung des Diasporajudentums für Israel. Von Jerusalem aus, so der Politiker, solle der Entwurf auf eine »jüdische Weltreise« gehen, um den Dialog zwischen Gemeinden, Strömungen und Generationen zu eröffnen und dann – in einem Jahr – nach Jerusalem zurückzukehren.

Nicht weniger als ein neuer jüdischer Grundlagentext und ein erneuerter Bund sollen auf diese Weise entstehen. Oder, wie es Rivlin formulierte: »Wenn wir unsere Vielfalt aufrichtig annehmen und gleichzeitig unsere gemeinsame Geschichte wertschätzen, kann diese Erklärung als Fahrplan für die Zukunft des jüdischen Volkes dienen.«

Gazastreifen

Krankenhaus in Khan Younis weist Vorwürfe von »Ärzte ohne Grenzen« zurück

Die Organisation berichtet von bewaffneten Männern im Nasser-Krankenhaus – die Klinik widerspricht

 16.02.2026 Aktualisiert

Bericht

Emojis sollen Startsignal für Hamas-Massaker gewesen sein

Geheime Emoji-Codes lösten tödliche Angriffe aus: Wie Hamas-Terroristen am Vorabend des 7. Oktober 2023 über simple Symbole zum Überfall auf Israel mobilisiert wurden

 16.02.2026

Entwicklung

Jerusalem soll erstmalig seit 1967 über grüne Linie wachsen

Die jüngsten Siedlungspläne der Regierungskoalition sorgen für Kritik im In- und Ausland

von Sabine Brandes  16.02.2026

Gaza

Israelische Armee: Hamas nutzte Nasser-Krankenhaus als Kommandozentrale

Die jüngsten Entwicklungen seien ein weiterer Beleg für die Notwendigkeit, die Hamas zu entwaffnen, betonen die Streitkräfte

 16.02.2026

Jerusalem

Gerald Steinberg: Kampagne mit »Genozid«-Vorwurf gegen Israel seit Jahren vorbereitet

Der Leiter des »NGO Monitor« sagt, viele NGOs betrieben eine systematische Dämonisierung Israels, verstärkten gegenseitig ihre Narrative und prägten damit die internationale öffentliche Meinung

 16.02.2026

Infrastruktur

Israel bekommt zwei neue internationale Flughäfen

Standort des ersten Airports soll das Gebiet Ziklag im Negev sein, während der zweite bei Ramat David entstehen wird

 16.02.2026

Jerusalem

Medien: »verdächtiger Umschlag« in Netanjahus Büro gefunden

Ein Umschlag im Büro des israelischen Regierungschefs sorgt für Aufregung. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Mitarbeiter dort einen verdächtigen Fund machen

 16.02.2026

Israel

Kartellbehörde verhängt Millionenstrafe gegen Coca-Cola

Die Central Bottling Company, die die Limonade in Israel herstellt, soll mehrfach gegen das Lebensmittelgesetz verstoßen haben

 16.02.2026

Israel

Sderot geht mit Drohnen gegen Hundekot vor

Die Geräte sollen Verstöße in Echtzeit erkennen. Wer den Kot nicht wegräumt, muss bis zu 130 Euro zahlen

 16.02.2026