Jerusalem

Rekord: Über 1000 Nieren-Spender auf einem Foto

Über 1000 Nierenspender wurden in Jerusalem zusammen fotografiert. Foto: Copyright (c) Flash 90 2026

In Jerusalem ist bei einer Veranstaltung ein neuer Guinness-Weltrekord erzielt worden: Mehr als 1000 Nieren-Spender wurden gemeinsam fotografiert. Anlass war die Feier von 2000 Lebendspenden in Israel – ein Meilenstein, der laut der Organisation Matnat Chaim (hebräisch »Geschenk des Lebens«) nun offiziell anerkannt werden soll. Israelische Medien wie die »Times of Israel« berichteten.

Die Zahl der Spender und die Bedeutung der Aktion wurde bei der Zeremonie auch von Staatspräsident Isaac Herzog betont. Er kritisierte die ursprüngliche Entscheidung der Organisation Guinness World Records scharf, die Anerkennung zunächst abzulehnen. »Bis vor wenigen Tagen«, sagte Herzog, habe Guinness Israel nicht anerkennen wollen, »nicht wegen der Zahlen, sondern weil es Israel ist.« Die spätere Kehrtwende wertete er als Reaktion auf eine »moralisch fehlerhafte Entscheidung«, die »glücklicherweise rückgängig gemacht wurde«.

Matnat Chaim weist darauf hin, dass Israel laut globalen Gesundheitsdaten weltweit führend bei Lebend-Nierenspenden pro Kopf sei. Insgesamt wurden bisher 2030 Lebendtransplantationen über die Organisation durchgeführt. Der bisherige Guinness-Rekord lag bei 410 Organspendern, die 2018 in den USA gemeinsam fotografiert wurden.

Druck und Proteste

Die anfängliche Ablehnung durch Guinness World Records hatte im Dezember für Aufsehen gesorgt: Die Organisation habe erklärt, »keine Rekordanträge mehr aus Israel oder den palästinensischen Gebieten anzunehmen«, was als politisches Signal interpretiert wurde. Nach öffentlichem Druck und Protesten wurde die Entscheidung zurückgenommen – und die Aufnahme in das offizielle Guinness-Buch erwartet.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Herzog nutzte die Veranstaltung in Jerusalem auch, um die Spender als moralisches Vorbild zu loben. Jeder von ihnen habe »die Gewissheit gewählt, das Leben eines anderen Menschen zu retten, statt persönliche Risiken zu scheuen«, sagte er. Diese Haltung sei ein Beispiel für »moralische Exzellenz« und eine klare Verpflichtung zur »Heiligkeit des Lebens«, selbst wenn die Welt »manchmal ihren moralischen Kompass verliert«.

Bei der Veranstaltung waren auch Spender selbst zu Wort gekommen. Kobi Zemer Tov (40) erzählte laut »Times of Israel«, wie er im November einem Nierenspenderprogramm beitrat, um das Leben seines Schwiegervaters Tal (66) zu retten. »Ich würde es wieder tun«, sagte er. »Man bekommt mehr, als man gibt.«

»Paar-Tausch-Programm«

Tal war 2024 nach routinemäßigen Bluttests in schwerer Niereninsuffizienz gewesen und musste innerhalb weniger Tage mit der Dialyse beginnen. Da seine Frau und Tochter als Spenderinnen nicht geeignet waren, erklärte sich Zemer Tov trotz großer Angst vor Krankenhäusern und Nadeln bereit.

Lesen Sie auch

Da seine Blutgruppe jedoch nicht zu Tal passte, vermittelte Matnat Chaim die Familie in ein sogenanntes »Paar-Tausch-Programm«: Unverträgliche Spender-Empfänger-Paare werden dabei mit anderen Paaren getauscht, sodass gegenseitige Transplantationen möglich werden. Nach mehreren Monaten fand sich ein passender Partner, und die Operation wurde vor zwei Monaten im Sheba Medical Center in Tel Hashomer durchgeführt.

Zemer Tov spendete seine Niere an einen 37-jährigen Mann, während Tal eine passende Niere von einem anderen Spender erhielt. Bereits einen Tag nach dem Eingriff waren Tals Blutwerte wieder normal. »Es war unglaublich«, sagte Zemer Tov. »Trotz der Schmerzen konnte er plötzlich wieder gehen. Es fühlte sich wie ein Wunder an.«

Historischer Meilenstein

Matnat Chaim wurde 2009 vom inzwischen verstorbenen Rabbi Yeshayahu Heber gegründet und begleitet Spender während des gesamten Prozesses. Rachel Heber, Vorsitzende der Organisation und Trägerin des Israel-Preises für ihr Lebenswerk, bezeichnete die Veranstaltung als historischen Meilenstein für Israel und die israelische Medizin.

Sharona Sherman, CEO von Matnat Chaim, sagte, das Ziel sei, Israel zum ersten Land der Welt zu machen, in dem es keine Warteliste für Nierentransplantationen mehr gebe. Man arbeite weiter daran, die Spendenbereitschaft zu erhöhen und so viele Leben wie möglich zu retten. im

Meinung

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Safed

Festgenommene Hisbollah-Terroristen in zivilem Krankenhaus in Nordisrael behandelt

Im Ziv Medical Center in Safed waren die libanesischen Patienten einem Zeitungsbericht zufolge gefesselt und wurden rund um die Uhr von Soldaten bewacht

 19.06.2026

Fußball

»Ich weiß, wer Weltmeister wird«

Uri Geller über die Weltmeisterschaft, den Gewinner des Turniers und seinen fatalen Einfluss auf einen verschossenen Elfmeter bei der EM 1996

von Detlef David Kauschke  19.06.2026

Jerusalem

Ehemalige Geisel berichtet von sexuellem Missbrauch durch Hamas-Terroristen

In einem Gespräch mit Israels First Lady Michal Herzog schildert der junge Israeli mehrere Übergriffe

 19.06.2026

Umfrage

Mehrheit der Israelis misstraut Trump bei Iran-Abkommen

Was denken Bürger über die Wahrung der Interessen des jüdischen Staates durch den amerikanischen Präsidenten? Wie sehen sie Ministerpräsident Netanjahus Rolle in Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt?

 19.06.2026

Berlin

Merz lehnt Apartheid-Vergleich entschieden ab

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat Israel mit einem Apartheid-System verglichen. Merz widerspricht sehr deutlich

 18.06.2026

Washington

US-Vize Vance verbittet sich israelische Kritik an Trump

Aus der israelischen Regierung wird Kritik laut – nicht nur am Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran, sondern auch an Präsident Trump. Dessen Vize kann mit damit allerdings gar nichts anfangen

 18.06.2026

Nachrichten

Quallen, Rauchen, Gesetz

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  18.06.2026

BDS

Boykottversuch gegen israelische Stadtbahn gescheitert

Eine spanische Gewerkschaft fordert von der Firma CAF, die Arbeiten an den Tel Aviver Wagen einzustellen. Doch die weigert sich standhaft

von Sabine Brandes  18.06.2026