Jerusalem

Regierung uneinig über Lockdown

Besuch auf der Corona-Station im Shaarei-Zedek-Krankenhaus in Jerusalem Foto: Flash90

Die israelische Regierung ist uneinig in Sachen Lockdown. Am Sonntag würde die nationale Abriegelung, die seit drei Wochen andauert, eigentlich enden. Doch die Regierung ließ am Freitag durchblicken, dass die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus auch darüber hinaus gelten sollen. Wenn es nach Premierminister Benjamin Netanjahu geht, könnte auch die vollständige Schließung des Flughafens verlängert werden.

Dieser dritte Lockdown jedoch brachte nicht die erwünschte Verringerung der Infektionszahlen, den sich Gesundheitsexperten gewünscht hatten. Noch immer werden täglich Tausende von Israelis positiv getestet, die Rate bewegt sich um die neun Prozent. Während der vorherigen Lockdowns war sie innerhalb kurzer Zeit bis auf ein Prozent gesunken. Die Politiker machen vor allem die mutierten Virus-Varianten dafür verantwortlich.

Krankenhäuser beklagen »katastrophale dritte Virus-Welle«.

Am Donnerstag habe es 7079 Neuinfektionen gegeben, gab das Gesundheitsministerium am Freitagmorgen an. Insgesamt traten in Israel mehr als 631.000 Fälle auf, die Zahl der aktiven liegt derzeit bei knapp 75.000. Währenddessen beklagen mehrere Krankenhäuser eine »katastrophale dritte Virus-Welle«. Landesweit werden 1135 Patienten stationär behandelt, 321 von ihnen künstlich beatmet. 4671 Menschen sind an den Folgen einer Erkrankung mit Covid-19 gestorben.

MEINUNGEN Knessetpräsident Yariv Levin kündigte an, dass die Beratungen zum Lockdown am Sonntag weitergehen werden. Darüber hinaus wolle man über die Erhöhung der Bußgelder bei Regelverstößen abstimmen. Über diesen Schritt indes gehen die Meinungen innerhalb der Koalition auseinander.

Der Vorsitzende der Zentrumspartei Blau-Weiß, Benny Gantz, spricht sich gegen eine Verlängerung des Lockdowns aus, wenn die Erhöhung der Strafen nicht von der Knesset besiegelt und implementiert wird. Es geht um die Erhöhung von 5000 Schekel auf 10.000 Scheckel (umgerechnet etwa 2500 Euro). Blau-Weiß beharrt darauf, dass die Abriegelung zudem in allen Teilen der Bevölkerung gleichmäßig durchgesetzt werden muss.

REGELBRECHER Die ultraorthodoxen Koalitionspartner von Premier Netanjahu indes sprechen sich gegen die höheren Strafen für Regelbrecher aus, die gegen Institutionen, Geschäfte und Veranstaltungsorganisatoren verhängt werden sollen.

Gesundheitsminister Yuli Edelstein (Likud) bezichtigte Blau-Weiß, »politische Spiele zu spielen«. Sollte der Lockdown aus diesen Gründen beendet werden, warnte er, »wird der Staat Israel zu einem Coronavirus-Brutkasten, der nicht mehr zu kontrollieren ist«. Er rief die Bevölkerung auf, sich selbst zu schützen.

Es könnte zu einer Zeitspanne kommen, in der in Israel keinerlei Einschränkungen gelten.

Sollte die Knesset am Sonntag nicht in der Lage sein, sich über eine Verlängerung des Lockdowns zu einigen, könnte es zu einer Zeitspanne kommen, in der in Israel keinerlei Einschränkungen gelten.

GESUNDHEIT Derweil äußern sich zunehmend Experten, dass besonders die landesweite Schließung aller Bildungseinrichtungen, Kindergärten inklusive, schädlich für die physische und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sei. Derzeit sind lediglich einige wenige Sonderschulen mit Genehmigung der Regierung geöffnet. Außerdem werden rund 15 Prozent der ultraorthodoxen Einrichtungen in ultraorthodoxen Gebieten betrieben, die sich dem Lockdown widersetzen.

Gleichsam geht die außergewöhnlich erfolgreiche Impfkampagne weiter. Innerhalb von fünf Wochen sind 4,6 Millionen Dosen in dem neun-Millionen-Staat verabreicht worden. Israel steht damit noch immer an erster Stelle der Welt bei der Schnelligkeit und Effektivität der Immunisierung der Bevölkerung gegen das Virus.

Tel Aviv

»Ihr habt versagt – jetzt übernehmt Verantwortung!«

Angehörige der Opfer des Hamas-Massakers vom 7. Oktober klagen die Regierung an. Bei einer Massendemonstration fordern sie eine unabhängige Untersuchung

von Sabine Brandes  25.10.2026

Wahlwerbung mit Benjamin Netanjahu über einer Fußgängerbrücke

Knessetwahl

Netanjahu macht Wahlkampf mit Bild von Atompilz über Tel Aviv

Im Wahlkampf setzt der israelische Regierungschef auf ein angsteinflößendes Bild. Scharfe Kritik daran kommt von Netanjahus Hauptrivale Gadi Eisenkot

 25.10.2026

Nahost

Experten warnen Netanjahu vor Folgen möglicher Sanktionen

Nach Netanjahus Überlegungen, mögliche internationale Bankensanktionen mit Hilfe von Kryptowährungen zu umgehen, warnen Experten vor enormem Schaden für Israels Wirtschaft

 25.10.2026

Schicksalswahl in Israel

Israels Militär vor Parlamentswahl in Alarmbereitschaft

Vor der richtungsweisenden Parlamentswahl am Dienstag sind Israels Streitkräfte in erhöhter Alarmbereitschaft. Zehntausende Soldaten sind im Einsatz, die Luftabwehr wurde verstärkt

 25.10.2026

Nachrichten

Lied, Spende, Festnahmen

Meldungen aus Israel

von Sabine Brandes  25.10.2026

Sanktionen

Netanjahu erwägt Kryptowährungen gegen mögliche Sanktionen

Aus Sorge vor weltweiten Bankensanktionen sucht Israel laut Ministerpräsident Netanjahu nach Alternativen. Die Zentralbank kritisiert seine Idee

 25.10.2026

Westjordanland

Israels Armee: Lockdown im Westjordanland am Wahltag

Israels Armee setzt ihre Offensive im Westjordanland fort. An Israels Wahltag wird es Zugangssperren für Palästinenser geben. In Israel kommt es derweil zu Massenprotesten gegen die Regierung

 25.10.2026

Prognosen

Wende, Patt oder Weiter so?

Die Knessetwahl stellt dem Land eine neue Regierung in Aussicht - doch die Koalitionsbildung könnte erneut zum Machtpoker werden

von Sabine Brandes  24.10.2026

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt kommende Woche über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  24.10.2026