Israel

Personalkarussell in den Rathäusern

Moshe Lion (M.) beim Wahlkampf im September 2018 auf dem Mahane-Yehuda-Markt in Jerusalem Foto: Flash90

Moshe Lion hat bei der Stichwahl am Dienstag vergangener Woche das Rennen um das Amt des Bürgermeisters von Jerusalem gemacht. Und zwar denkbar knapp.

Am frühen Mittwochmorgen verzeichnete der Kandidat, der vor allem von der sefardisch-orthodoxen Schas-Partei unterstützt wird, gegenüber Ofer Berkovitch einen Vorsprung von drei Prozent und kommt damit auf knapp 51 Prozent der Stimmen. 48 Prozent entfielen auf seinen säkularen Kontrahenten, ein Prozent schien wohl ungültig.

AUSZÄHLUNG Bei den Kommunalwahlen vom 30. Oktober hatte keiner der ursprünglich vier Kandidaten die erforderliche Mindestzahl von 40 Prozent der Stimmen erreichen können. Deshalb gab es eine zweite Runde. »Jerusalem hat heute Einigkeit, einen Sinn für den sozialen Zusammenhalt in der Stadt und das Gute gewählt«, rief Lion nachts um 2.15 Uhr seinen Unterstützern zu und erklärte sich erst einmal ganz unbescheiden selbst zum Sieger. »Ich möchte der Bürgermeister aller Bewohner Jerusalems sein, wer immer auch dazu zählt. Und zwar ebenso für die, die mich gewählt haben, und jene, die das eben nicht taten.«

Vorangegangen war ein Wahlkrimi – noch am frühen Abend hatte Berkovitch mit einem Vorsprung von zehn Prozentpunkten geführt. Dieser schmolz dann langsam, aber sicher dahin. Nach Mitternacht kippte der Trend endgültig, was Lions Anhänger mit frenetischem Jubel begrüßten, wobei viele von ihnen bemerkenswerterweise nicht seinen, sondern den Namen des amtierenden Innenministers Arie Deri von der Schas-Partei skandierten.

ERGEBNISSE Angesichts dieser überraschenden Entwicklung im Verlaufe der Wahlnacht will Berkovitch das Ergebnis nicht anerkennen, sondern prüfen lassen, ob auch alles wirklich mit rechten Dingen zugegangen ist. »Unsere juristischen Berater werden sich die Ergebnisse ganz genau anschauen«, erklärte er nach Mitternacht. »Es gab Vorfälle, wo uns Gewalt angedroht worden war, sowie andere Ereignisse, die sich eher in der Grauzone zur Illegalität bewegen.«

Lions Wahlerfolg basierte weitestgehend auf den Stimmen der religiösen Bewohner, die teilweise erst noch überzeugt werden mussten, für ihn zu stimmen. Denn die ultraorthodoxe Agudat-Yisrael hatte ihren Anhängern geraten, gar nicht erst zur Wahl zugehen, weil Lion von ihrer Konkurrenz von Degel Hatora unterstützt werde.

Lions Wahlerfolg basierte weitestgehend auf den Stimmen der religiösen Bewohner.

Auch in über 50 weiteren Kommunen gab es noch Stichwahlen. Aufgrund der Raketenangriffe aus Gaza fielen diese aber in Aschkelon und anderen Gemeinden der Region im Süden aus. Ein Urnengang wäre einfach zu riskant gewesen.

Dafür gab es anderswo einige Überraschungen und viel Stühlerücken. In Bat Jam muss Yossi Bachar, der von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu favorisiert wurde, sein Büro nun wohl für den ehemaligen Trump-Berater Tzvika Brot räumen, und in Rischon LeZion verlor Amtsinhaber Dov Tzur, der kürzlich wegen Korruptionsvorwürfen von der Polizei verhaftet wurde, seinen Posten an seinen Stellvertreter Raz Kinstlich.

NEUBESETZUNGEN Unsauberes Wirtschaften sollte wohl gleichfalls Ramat Gans Bürgermeister Yisrael Zinger zum Verhängnis werden, der gegen den ehemaligen israelischen UNESCO-Botschafter Shama-Hacohen unterlag. Auch in Raanana, Ramat Hascharon und Kiryat Schmona kam es zu Neubesetzungen in den Rathäusern, nur in Eilat konnte sich Amtsinhaber Meir Yitzhal Halevi behaupten.

Und mit Yeala Maklis in Yehud und Hagar Perry Yagur in Pardes Hana gewannen zwei weitere Frauen die Stichwahlen, was die Zahl der weiblichen Bürgermeister in Israel auf 13 erhöhte – so viele wie noch nie in der Geschichte Israels.

Krieg gegen Iran

Medienbericht: Trump will Mullahs nur wenige Tage Zeit geben

Als der US-Präsident am Dienstag einseitig eine Verlängerung der Waffenruhe mit dem Iran verkündete, nannte er keine neue Frist. Unbegrenzt verlängern, will er sie US-Medien zufolge aber nicht

 22.04.2026

Nachrichten

Wohnen, Defizit, Währung

Meldungen aus Israel

von Sabine Brandes  22.04.2026

Nahost

Voller Vorurteile

Es ist geradezu atemraubend, mit welcher Inbrunst das Opfer-Täter-Verhältnis hierzulande verkehrt wird, wenn es um Israels Reaktion auf islamistische Terrororganisationen geht

von Jacques Schuster  22.04.2026

Kommentar

Was hat der Konflikt mit dem Iran Israel gebracht?

Eine ernüchternde Bilanz von Roman Haller

 22.04.2026

Meinung

Die Isaac Accords – Kooperation statt Symbolik

Im Gegensatz zu den Abraham Accords geht es bei dem Vertrag zwischen Argentinien und Israel nicht um eine Normalisierung der Beziehungen, sondern um eine Vertiefung. Gerade darin liegt seine politische Logik

von Carsten Ovens  22.04.2026

Berlin

Israelischer Starkoch auf den Spuren seiner deutschen Großmutter

Schnitzel - das klingt erst einmal sehr deutsch. Dieses Schnitzel allerdings kommt anders daher. Ein Besuch im Berliner Restaurant »Berta«, das ein israelischer Starkoch nach seiner deutschen Großmutter benannt hat

von Nina Schmedding  22.04.2026

Jerusalem

Klima-Forscher: Teile Israels könnten unbewohnbar werden

Israelische Klimaforscher sagen, der südliche Arava-Raum, Eilat sowie das Jordantal seien besonders gefährdet

 22.04.2026

Westjordanland

Berichte über Verletzte nach Siedler-Angriff

Radikale Siedler haben Berichten zufolge in einem Dorf palästinensischen Besitz in Brand gesteckt. Mehrere Menschen mussten wegen einer Rauchvergiftung behandelt werden

 22.04.2026

Terroristen-Gefängnis

Hamas-Terroristen belästigten Reservistinnen sexuell

Eine Reservistin sagt dem Sender KAN, Häftlinge hätte vor ihr masturbiert und ihr erniedrigende Blicke zugeworfen. Die psychischen Folgen seien bis heute spürbar

 22.04.2026