Bildung

Note mangelhaft

Angst vorm Rechnen? Experten warnen vor falschen Unterrichtsmethoden. Foto: Flash 90

Bildung

Note mangelhaft

Schüler haben große Lücken in naturwissenschaftlichen Fächern

von Sabine Brandes  04.01.2011 16:37 Uhr

Von Albert Einstein bis Ada Yonath: Die Liste der Nobelpreisträger in den Bereichen Chemie und Physik liest sich wie das Who’s who jüdischer Wissenschaftler. Doch werden die Namen von Israelis bald schon nicht mehr dabei sein? Glaubt man führenden Köpfen in der akademischen Welt, steht die Ausbildung in naturwissenschaftlichen Fächern – allen voran in der Mathematik – an israelischen Schulen kurz vor dem Zusammenbruch.

Die Ergebnisse der unlängst veröffentlichten PISA-Studie (Program for International Student Assessment) war nur der Tropfen, der das Fass der Unzufriedenheit zum Überlaufen brachte. Israel landete auf einem gänzlich ruhmlosen Platz. Dabei hatte der jüdische Staat 1964 in sämtlichen Naturwissenschaften noch die Spitze besetzt. Mehr als 40 Jahre später scheint davon nichts mehr übrig. Rang 41 von 64 teilnehmenden Ländern lässt Lehrer wie Professoren gleichermaßen erschaudern. Sogar die Jungen und Mädchen in Dubai schnitten besser ab. Die hiesigen Schüler erlangten in Mathematik 447 Punkte, in Chemie, Biologie und Physik 455, der internationale Durchschnitt lag bei 496 beziehungsweise 501. Während es PISA zufolge lediglich halb so viele herausragende Kinder in Israel wie in anderen Ländern gibt, ragt die schlechteste Leistung indes weit über die Norm hinaus.

Protestbrief Grund genug für Experten, ihren Unmut publik zu machen: In einem offenen Brief an das Bildungsministerium beschwerten sich nach Bekanntwerden der Ergebnisse 30 Mathematikprofessoren gemeinschaftlich, »dass die Mathe-Lehrpläne an den Schulen skandalös schlecht sind und dringend von vernünftigen Bildungsinhalten ersetzt werden müssen«. Nach einer Studie der Tageszeitung Haaretz hätten 42 Prozent aller Lehrkräfte, die Mathematik an den Oberschulen unterrichten, niemals das Fach selbst studiert. Sechs Prozent hätten noch nicht mal einen Hochschulabschluss, müssten ihre Schüler jedoch auf das Abitur vorbereiten.

Ron Aharoni, Professor für Mathematik am Technion in Haifa, ist überzeugt: »Die Kinder werden heute nicht mehr systematisch unterrichtet. Sie arbeiten mit Büchern, die nicht richtig erklären, bekommen ein wenig hiervon vermittelt, etwas davon und sollen den Stoff selbst erkunden. Diese Methode aber verunsichert nur und führt zu Angst vorm Rechnen.« Aharoni glaubt an Systematik. Er ist Autor des Buches Arithmetik für Eltern, das Müttern und Vätern wie Grundschullehrern gleichermaßen helfen soll, den Kindern grundlegende Mathematik beizubringen. Ein großes Problem des Unterrichts sei der Mangel an Grundbegriffen, etwa für Formen. »Sie werden einfach nicht mehr beigebracht, doch das ist ein Fehler. Denn gerade diese Voraussetzungen schaffen Ordnung und Überblick, wenn es in höheren Klassen kompliziert wird. Fehlt ihnen jedoch schon in der Grundschule die Basis, kann es nur schlimmer werden.«

Lehre Zuständig für den Bereich Mathematik im Bildungsministerium verteidigt Chana Perl die Methode des Selbst-Erkundens: »Es ist erwiesen, dass sie das unabhängige Denken fördert. Natürlich müssen die Kinder lernen und wissen, doch sie sollen sich nicht nur auf stures Auswendiglernen konzentrieren.« Perl ist der Meinung, dass die Eltern die Lehrbücher oft nicht verstehen und sich deshalb beklagen. »Aber es gibt ja die Lehrer, die alles erklären.«

Ein Argument, das die Hochschulleiter keineswegs beeindruckt. Sie verzeichnen in den vergangenen zehn Jahren einen deutlichen Rückgang des Wissens der Studenten, die ins erste Semester aufgenommen werden. Vor allem in den Fächern Chemie, Physik und Mathe würden die Abiturienten reihenweise in die Unis strömen, ohne die nötigen Voraussetzungen mitzubringen.

Die israelische Variante des Abiturs nach der 12. Klasse, das Bagrut, ermöglicht es den Schülern, sämtliche klassischen Na-
turwissenschaften abzuwählen. Und viele machen davon Gebrauch: 80 Prozent haben in den letzten Klassen der Oberschule weder Physik, noch Chemie oder Mathematik auf ihrem Stundenplan stehen. »Wenn es so weitergeht«, fasst Aharoni zusammen, »gibt es in Israel in 20 Jahren keine Wissenschaft mehr«.

Modschtaba Chamenei

Wo ist der neue Ayatollah?

Der »Oberste Führer« des Iran ist seit seiner Wahl nicht öffentlich aufgetreten. Ist er noch am Leben?

von Sabine Brandes  07.04.2026

Teheran

Landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur im Iran

Mehrere Autobahnen und Eisenbahnbrücken wurden angegriffen. Israels Premierminister Netanjahu bestätigt die Angriffe und sagt, dass die Ziele von den Revolutionsgarden genutzt würden

 07.04.2026 Aktualisiert

Teheran

Iran meldet Angriff auf Eisenbahnbrücke

Israels Militär droht mit Angriffen auf das iranische Schienennetz. Nur wenige Stunden später meldet der Iran die Bombardierung einer Eisenbahnbrücke

 07.04.2026

Haifa

Vier Opfer eines iranischen Angriffs als Mitglieder einer Familie identifiziert

Die Eheleute Wladimir Gershovitz und Lena Ostrovsky Gershovitz, deren Sohn Dimitri sowie dessen Frau Lucille-Jane sind am Sonntag bei einem Raketeneinschlag in Haifa getötet worden. Die Anteilnahme im Land ist groß

 07.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  07.04.2026

Iran-Krieg

Medien: USA greifen Dutzende Ziele auf Ölinsel Charg an

Bereits Mitte März hat das US-Militär die Insel Charg im Persischen Golf bombardiert. Nun berichten US-Medien über neue Angriffe

 07.04.2026 Aktualisiert

Türkei

Schüsse vor Israels Konsulat in Istanbul – Ein Angreifer tot

Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul sind Schüsse gefallen. Einer von drei Angreifern wird nach offiziellen Angaben getötet. Was steckt dahinter?

 07.04.2026 Aktualisiert

Teheran

Bericht: Synagoge in Teheran bei israelischem Angriff beschädigt

Ein Luftangriff hat laut iranischen Angaben eine Synagoge in Teheran schwer beschädigt. Was bisher bekannt ist

 07.04.2026

Jerusalem

Nach Rassismus-Skandal: Netanjahu entlässt seinen Kabinettschef

Zvi Agmon soll sephardische Abgeordnete rassistisch beleidigt haben. Seinen Posten als Kabinettschef muss er nun räumen

 07.04.2026