Nahostkonflikt

Netanjahu sieht Hamas klar geschwächt

Premierminister Benjamin Netanjahu beim Besuch Verwundeter im Wolfson Krankenhaus in Holon. Foto: Flash90

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sieht die Hamas im Gazastreifen durch die israelischen Angriffe auf ihre militärische Infrastruktur deutlich geschwächt.

Die palästinensische Terrororganisation sei »um Jahre zurückgeworfen« worden, sagte Netanjahu nach Angaben seines Büros am Dienstag bei einem Besuch in einer Luftwaffenbasis im Süden des Landes. Die Hamas habe »Schläge erhalten, mit denen sie nicht gerechnet hat«.

»Wir werden so lange weitermachen wie nötig, um den Bürgern Israels die Ruhe zurückzubringen«, sagte Netanjahu nach diesen Angaben. Der 71-Jährige traf sich mit Generalstabschef Aviv Kochavi zu einer Lagebesprechung.

Beschuss Palästinensische Terroristen feuerten am Dienstag erneut Raketen und Mörsergranaten auf israelische Ortschaften in der Nachbarschaft des Gazastreifens ab. Bei dem massiven Beschuss kamen zwei thailändische Arbeiter ums Leben, deren Unterkunft von Geschossen getroffen wurde, wie die israelische Polizei bestätigte. Insgesamt sind in Israel bisher zwölf Menschen durch Raketenfeuer aus dem palästinensischen Küstengebiet ums Leben gekommen.

Seit Beginn der neuen Eskalation vor acht Tagen hat Israels Militär nach eigenen Angaben im Gazastreifen Tunnelanlagen in einer Länge von schätzungsweise rund 100 Kilometern zerstört. Nach israelischen  Darstellungen hatte die Hamas das »Metro« genannte Tunnelsystem über Jahre aufgebaut. Es habe eine Länge von Hunderten Kilometern und werde unter anderem dafür benutzt, innerhalb des Gazastreifens Kämpfer, Munition und Lebensmittel zu bewegen, teils auch mit Fahrzeugen.

Israel tötete im Laufe der einwöchigen Militäroperationen auch zahlreiche Kommandeure der Hamas und des mit ihr verbündeten Islamischen Dschihad, um seine Bürger zu schützen und weitere Angriffe aus Gaza zu verhindern. Die israelische Luftwaffe legte die Häuser zahlreicher Kommandeure in Schutt und Asche. Nach Angaben des Militärs wurden sie als Kommandozentralen, Kommunikationseinrichtungen und Waffenlager genutzt.

Ramallah Indes spitzten sich die Spannungen im Westjordanland zu. An einem israelischen Kontrollpunkt nahe Ramallah lieferten sich am Dienstag militante Palästinenser und israelische Soldaten ein Feuergefecht. Nach Darstellung der israelischen Polizei schossen die Palästinenser aus einer Menge von Demonstranten heraus auf den israelischen Posten. Dabei wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums in Ramallah drei Menschen getötet und mehrere Dutzend weitere durch Schüsse verletzt. Nach Angaben der israelischen Armee wurden auch zwei Soldaten verletzt.

Zu der Gewalt kam es, nachdem Tausende Palästinenser im Zentrum von Ramallah gegen die Militärangriffe Israels im Gazastreifen demonstriert hatten und einige Hundert von ihnen anschließend zu dem Kontrollpunkt marschiert waren. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte sich in der Vergangenheit immer wieder gegen bewaffnete Zusammenstöße mit Israel ausgesprochen. Beobachter gehen davon aus, dass er seine Sicherheitskräfte anweisen wird, bewaffnete Fatah-Gruppierungen zu zügeln. Abbas befürchtet den Einschätzungen zufolge, dass die auch im Westjordanland operierende Hamas versuchen könnte, ihn mithilfe eines bewaffneten Aufstands zu stürzen.

Zusammenstöße Auch in Jerusalem flackerte Gewalt auf. Bei Zusammenstößen zwischen arabischen Jugendlichen und der israelischen Polizei wurden nach Angaben des Roten Halbmonds 25 Menschen verletzt. Die Brennpunkte der Konfrontationen waren am Dienstag das Damaskus-Tor am Eingang zur Altstadt und das arabische Viertel Scheich Dscharrah im Osten der Stadt.

International wuchs die Besorgnis über die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern, die hohe Zahl ziviler Todesopfer und eine mögliche Ausweitung des Konflikts. US-Präsident Joe Biden erklärte seine Unterstützung für eine Waffenruhe. Er sieht sich zunehmendem Druck ausgesetzt, stärker für ein Ende der Gewalt einzutreten. In einer Mitteilung des Weißen Hauses blieb er allerdings hinter Forderungen nach einer sofortigen Waffenruhe auch aus seiner eigenen demokratischen Partei zurück.

Die USA sind Israels wichtigster Verbündeter. US-Außenminister Antony Blinken sagte am Dienstag bei einem Besuch in Island: »Unser Ziel bleibt es, den momentanen Kreislauf der Gewalt so schnell wie möglich zu beenden.« dpa

Israel

Eizenkot liegt vor Netanjahu, doch Mehrheit bleibt außer Reichweite

In dieser Situation könnten besonders die kleineren Parteien und die arabischen Listen entscheidenden Einfluss auf die Regierungsbildung gewinnen

 21.10.2026

New York/Gaza

Frühere Lehrerin aus Gaza warnt vor Judenhass an UNRWA-Schulen

Die Pädagogin sagt, die ideologische Indoktrinierung palästinensischer Kinder könne den Nährboden für ein weiteres Massaker wie das vom 7. Oktober 2023 schaffen

von Imanuel Marcus  21.10.2026

Jerusalem

Netanjahu hält an Sturz des Teheraner Regimes fest

»Ich bin entschlossen, die Aufgabe zu Ende zu bringen«, sagt der israelische Regierungschef

von Imanuel Marcus  21.10.2026

Gaza

Israel tötet Hamas-Terroristen, der Shani Louk verschleppte

Tamer Mohammad Ibrahim al-Sabbagh war das letzte lebende Mitglied der Hamas-Zelle, die am 7. Oktober 2023 die deutsch-israelische Geisel entführte

 21.10.2026

Sicherheit

Nach Ausschreitungen: Israel rechnet mit vermehrter Einwanderung von Juden aus Frankreich

Die Hintergründe

 21.10.2026

Boykott?

Weitere Firma verweigert Jerusalemer Seilbahn-Projekt

Die israelische Regierung will per Seilbahn einen direkten Zugang zur hochsymbolischen Klagemauer in Jerusalem schaffen. Aber immer mehr ausländische Partner ziehen sich zurück

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Wahlkampf

Netanjahu stellt sich hinter religiöse Wehrdienstverweigerer

Um an der Macht zu bleiben, braucht Israels Ministerpräsident die Unterstützung der ultraorthodoxen Juden. Wenige Tage vor der Wahl übt er den Schulterschluss mit Religiösen, die sich der Wehrpflicht entziehen

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

Linken-Fraktion vorerst ohne Einigung im Streit um Emde

Eine Abgeordnete, die in ihrer Israel-Kritik immer wieder nachlegt, und eine Fraktionsspitze, die ein Problem mit ihr hat: Im Berliner Koalitionspoker bleibt der Streit um Vanessa Emde ungelöst

 20.10.2026

Hamas

Emiratische Blase in Gaza

Israel erlaubt den VAE Infrastrukturarbeiten nahe Rafah. Den Wiederaufbau der Enklave knüpft Israels Premier Netanjahu an die Entwaffnung der Terrororganisation

von Sabine Brandes  20.10.2026