Funk und Soul

Musikalisches Feuerwerk in Tel Aviv

Al McKay tritt am Donnerstag mit seinen Allstars in Tel Aviv auf. Foto: picture alliance / Photoshot

Update, 24. August, 13:40 Uhr:
Dieses Konzert wurde kurzfristig vom Veranstalter abgesagt.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten, über musikalische Qualität aber durchaus. Die legendäre amerikanische Band Earth, Wind & Fire (EWF) können wir mögen oder auch nicht, müssen aber folgendes einsehen: Was musikalische Qualität in der U-Musik angeht, setzte EWF neue Maßstäbe. Kaum jemand kommt handwerklich an dieses von Maurice White gegründete Soul-, Funk- und Jazz-Projekt heran. Dies gilt auch 54 Jahre nach der Bandgründung im Jahr 1969.

Zu den wichtigsten Musikern, die jemals Teil von Earth, Wind & Fire waren, gehört der mittlerweile 75-jährige Gitarrist und Komponist Al McKay - ein sechsfacher Grammy-Gewinner, der nun mit seiner eigenen Kombo, nämlich den Al McKay Allstars, in Tel Aviv auftreten wird. Er bietet die »Earth, Wind & Fire Experience«, von der er in der Tat viel hat. In den besten Zeiten der Band, von 1973 bis 1981, war er nicht nur EWFs genialer Rhythmus-Gitarrist, sondern er co-komponierte einige der größten Hits und besten Songs.

Falsettmeister Dazu gehören etwa »September«, ein grandioser Funk-Hit, die in Europa weniger bekannte Liebesballade »I’ll Write A Song for You«, die von dem Falsettmeister Philip Bailey gesungen wurde und mit McKays Akustikgitarre und Chören untermalt ist, sowie »Let Me Talk«, ein weiterer Funk-Kracher, der auf »Faces« veröffentlicht wurde, einem der ansprechendsten Funk- und Jazz-Funk-Alben aller Zeiten.

Mehr Lorbeeren für Al McKay? Hier sind sie: Er arbeitete auch für brillante Kollegen außerhalb der »Erde, Wind und Feuer«-Familie. Für Michael Jackson schrieb er dessen wichtigen, frühen Dancefloor-Hit »Don’t Stop ‚Till You Get Enough«. Er kooperierte mit dem Jazz-Pianisten Ramsey Lewis, dem Jazz-Gitarristen Norman Brown, den Temptations sowie der Pianistin, Sängerin, Komponistin und Multiinstrumentalistin Patrice Rushen, die ebenfalls eine Jazz-, Fusion- und Funk-Größe und darüber hinaus Musikprofessorin ist.

Zurück zu EWF: Al McKay verließ die Band nach der Vorstellung ihres letzten typischen Albums »Raise!«, da er keine Lust auf den neuen Anpassungskurs hatte. Anstatt ihrem Stil treu zu bleiben, begann die Gruppe wenig später, sich an dem oft eher monotonen Synthesizer-Klang der frühen 1980er-Jahre zu orientieren. Ein Fehler.

Baltimore Seit seinem Austritt war Al McKay weiterhin sehr aktiv - auch mit seinen Allstars, mit denen er seit Jahrzehnten Konzerte in nahezu allen Teilen der Welt gibt. Wer steht im bulgarischen Sofia oder im litauischen Kaunas auf der Bühne? Al McKay. Wer spielt sich in Atlanta oder Baltimore die Finger wund? Al McKay. Wer fasziniert das Publikum in Tel Aviv? Für die Antwort auf diese Frage braucht man keinen Publikumsjoker.

Eine wichtige Frage ist noch unbeantwortet: Was genau wird Al McKay in Israel bieten? Es sind die Klänge der besten Zeiten von Earth, Wind & Fire, die er und seine dreizehn (!) Bandkollegen anstimmen. Sie liefern nichts weniger als ein musikalisches Feuerwerk.

Die Faszination des Funk-Genres wird hier mit grandiosen Soul-Stimmen gepaart und zugleich mit scharfen Bläsersätzen und mitreißenden Rhythmen angereichert. Die energiegeladene, qualitativ unschlagbare Musik der Al McKay Allstars wäre ohne ein entscheidendes Element nicht komplett: die bestechende Rhythmus-Gitarre des Meisters selbst.

Das Original, nämlich Earth, Wind & Fire, tourt ebenfalls weiterhin durch die Weltgeschichte. Es ist jedoch zumindest nicht besser als die Allstars - auch weil Al McKay und Maurice White nicht mehr dabei sind. White, der Bandleader und Gründer, der Mann mit der großen Idee und McKays langjähriger Freund, starb im Jahr 2016 im Alter von 74 Jahren an Parkinson. Whites Klänge vermengt Al McKay auf der Bühne mit seinen eigenen.

Al McKay Allstars, »The Earth, Wind & Fire Experience«, Amfi Park Rishon, Tel Aviv, 24. August 2023, 19:00 Uhr

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Jerusalem

Ein toter Israeli bei Terroranschlag im Westjordanland

Kurz vor Beginn von Jom Kippur kommt es zu zwei Terroranschlägen im von Israel besetzten Westjordanland. Ein israelischer Zivilist und einer der angreifenden Palästinenser werden getötet

 20.09.2026

Jerusalem

Präsident Herzog begnadigt verurteilten Ex-Soldaten Elor Asaria

Israels Präsident lässt einen Strafregistereintrag des ehemaligen Soldaten löschen, der 2016 einen am Boden liegenden, palästinensischen Attentäter tötete. Die israelische Armee war laut Berichten dagegen

 20.09.2026

Kommentar

Wo ist mein Berlin, in dem es keinen Hass auf Juden mehr geben sollte?

Unsere Gastautorin Dorothea Schupelius warnt vor der unheiligen Allianz der Linkspartei mit radikalen Muslimen - und vermisst das Berlin, in dem sie aufgewachsen ist

von Dorothea Schupelius  20.09.2026

Es braucht eine Brandmauer gegen die Linkspartei

Wenn Rassismus von rechts für Regierungsverantwortung disqualifiziert – warum sollte Antisemitismus von links weniger schwer wiegen?

von Nelly Eliasberg  20.09.2026 Aktualisiert

Berlin

Berliner Linke nennen Hamas-Massaker »Widerstand«

In einer Sitzung wurde die Forderung nach einer »vollen politischen und materiellen Unterstützung des palästinensischen Widerstands in all seinen Formen« erhoben. Und dies ist nur die Spitze des Eisbergs

 19.09.2026 Aktualisiert

Ranking

Das sind die 50 einflussreichsten Juden weltweit

von Michael Thaidigsmann  19.09.2026

Jerusalem

NGO Monitor: Umbenennungen sollen Sanktionen gegen Terror-Verbindungen umgehen

Betroffen sind vor allem Organisationen, denen Verbindungen zur Hamas oder zur PFLP vorgeworfen werden. Was bedeutet dies für die Wirksamkeit von Sanktionssystemen?

 18.09.2026

Social Media

Nach weltweiten viralen Song: Hasswelle gegen israelische Band Temper City

Der Song der israelischen Band wird zum Welthit – bis die Herkunft der Musiker bekannt wird. Dann beginnt im Netz der Boykott

von Sabine Brandes  18.09.2026