Carmel

Mit der Axt im Wald

Eigentlich wollten sie wandern, von Haifa bis nach Jerusalem, die entzückende Natur genießen, Vögel singen hören, nette Menschen treffen. Doch dann kam das Feuer. Im Dezember vergangenen Jahres brannten große Teile der grünen Lunge Israels nieder, in weiten Teilen des Carmelgebirges ragten nur noch verkohlte Stümpfe mahnend in den Himmel.

Die Ferienpläne von Widu Wittekindt und seiner Frau Gudi waren in Flammen aufgegangen. Ihr »altes Volontärsherz« jedoch sehnte sich ins Heilige Land. »Durch den Wald wandern ging ja nun nicht mehr, also beschlossen wir, ihm zu helfen«, sagt der Mann, der Israel seit 45 Jahren bereist, als sei es das Selbstverständlichste der Welt, auf diese Weise den Urlaub zu verbringen.

Arbeit Wittekindt kontaktierte einen Direktor von Keren Kayemet LeIsrael (KKL) aus Jerusalem, den er im Jahr zuvor beim ersten Wanderabschnitt von Dan bis Haifa kennengelernt hatte. »Es hat etwas gedauert, weil nicht ganz klar war, ob und wo es Arbeit für Volontäre gibt, aber wir blieben hartnäckig, bis die Zusage endlich da war«, erinnert er sich.

Wittekindt, Mitglied des Vorstandes der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bremen, machte sich gemeinsam mit seiner Frau auf den Weg in den Wald. »Der Oberförster für den Norden führte uns in die Probleme des Gebietes ein, und erklärte, dass der Jungwald vorbereitet werden müsse. Dann bekamen wir unseren Einsatzort – und legten sofort los.«

Zwei Wochen vor dem Einsatz der Wittekindts hatten sich in der Nähe des Drusendorfes Usfiya Leiter von KKL aus aller Welt getroffen, um den Schaden aus nächs-ter Nähe zu begutachten. Für die World Leadership Conference 2011 waren Vertreter aus den USA, Brasilien, Frankreich, Argentinien, Finnland, Belgien, Deutschland und vielen anderen Ländern angereist.

Erfahrung Omri Boneh, Chef der nördlichen Region des KKL, erzählte auf der Konferenz von seinen Erfahrungen mit dem verheerenden Feuer von 2010: »3.000 Hektar unseres wertvollen und einzigartigen Waldes sind abgebrannt. Das wieder ins Lot zu bringen, ist eine riesengroße Herausforderung für alle.« Natürlich müsse vor allem die Natur rehabilitiert werden, aber nicht ausschließlich.

Es ginge auch darum, den Gemeinden zu helfen, die unter dem Feuer gelitten haben. Dafür sollen neben dem Wiederaufbau der abgebrannten Attraktionen zusätzliche in verschiedenen Orten aufgebaut werden, um Besucher aus dem In- und Ausland anzulocken.

»Das Beste, was wir für den Wald selbst tun können, ist, ihn erst einmal in Ruhe zu lassen, damit er sich auf natürliche Weise regenerieren kann«, sagte Boneh. »Wir müssen stattdessen daran arbeiten, dass die Prävention verbessert wird, um die Wiederholung einer derartigen Katastrophe zu verhindern. Es müssen Feuerschleusen gestaltet werden, außerdem muss jede Menge ausgedünnt und abgeholzt werden.«

Mitanpacken sollen nicht nur die erfahrenen Experten von KKL, sondern auch Freiwillige. Derzeit kommen wöchentlich bereits Hunderte von Helfern in den Wald, greifen zu Sägen, Äxten und Müllsäcken, um die Natur aufzuräumen und vorzubereiten. Das Carmel Alonim Restauration Centre koordiniert die Einsätze. Boneh ist sicher: »Diese Hilfsaktionen sind eine besondere Möglichkeit für jeden Bürger oder Freund Israels, ein echter Partner für unsere Umwelt zu sein.«

Auch Hillel mobilisiert vor Ort seit einiger Zeit Volontäre für den Wald. Am vergangenen Freitag gingen 200 junge Leute in den Carmel, um einen Tag im Feuergebiet aufzuräumen. Die internationale jüdische Studentenorganisation hat speziell dafür acht Zentren im ganzen Land aufgebaut, um umweltbewusste Frauen und Männer zu rekrutieren. In der Zukunft soll der Aktionstag Teil der Hillel-Tradition werden.

Einsatz Die Wittekindts – übrigens 70 und 64 Jahre alt – bekamen schließlich ein Stück Wald in Keren HaMacharal in der Nähe von Zichron Yaakov zugewiesen. Die Experten von KKL erklärten ihnen, dass vor allem das sehr dichte Unterholz verantwortlich dafür gewesen sei, dass sich die Flammen so rasend schnell hatten ausbreiten können. Brandprävention ist daher derzeit das oberste Gebot.

Um zukünftig Großbrände zu vermeiden, müssen die Äste der Kiefern bis zu einem Drittel der Baumhöhe abgeschnitten und das Buschwerk auf dem Boden restlos entfernt werden. Widu und Gui Wittekindt arbeiteten zwei Wochen lang mit vollem Einsatz – und sind begeis-tert: »Wir sind herzlichst aufgenommen worden, haben fantastische Leute kennengelernt und durften eng mit ihnen zusammenarbeiten.«

Nach drei Tagen sei ein Förster gekommen, um den deutschen Volontären Anleitungen zu geben und ihre Arbeit zu begutachten. »Aber der sagte nur: ›Ihr arbeitet so gut, ihr braucht gar keine Aufsicht‹ und ging wieder. Es war natürlich toll, frei gestalten zu dürfen.«

Immer wieder Motivation sei vor allem das Ergebnis gewesen. »Es war wundervoll zu sehen, dass wir tatsächlich etwas bewirken können. Wir haben aus dem wilden Wald einen schönen, aufgeräumten gemacht.« Bereits seit vielen Jahren hat das Ehepaar eine tiefe Verbindung zum Land, liebt Israel aus ganzem Herzen. »Da ist es einfach schön, wirklich etwas tun zu können.«

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