Hamas-Angriffe

Massive Einschläge

Suchen bei Sirenenalarm Schutz vor Rakten aus Gaza: Menschen in der südisraelischen Stadt Aschkelon. Foto: Flash 90

Jetzt hat sie einen Namen: »Guardian of the Walls« – Der Wächter der Mauern. Die Militäroperation, die die israelische Armee derzeit im Gazastreifen durchführt, wird ausgeweitet. Das sagte Premier Benjamin Netanjahu kurz nach Mitternacht. Zuvor hatten massive Raketenangriffe der Hamas das Zentrum des Landes erschüttert, darunter die Metropole Tel Aviv. Insgesamt habe die Hamas mehr als 1000 Raketen auf Israel gefeuert.

SCHUTZRAUM Eine Israelin starb in der Nacht auf den Mittwoch, als ein Direkteinschlag ihr Haus in Rischon Lezion traf, etwa 20 Kilometer südlich von Tel Aviv. Ein Vater und seine 16-jährige Tochter wurden in dem Dorf Dhamas in der Nähe der Stadt Lod tödlich getroffen. In diesem arabischen Dorf gibt es keine Sicherheitsräume – und damit auch keinen Schutz vor Raketen.

Am Nachmittag waren bereits zwei israelische Frauen in Aschkelon getötet worden, als bei einem direkten Einschlag eines Geschosses aus Gaza ihr Haus vollständig zerstört wurde. Am Mittwochmorgen erlag ein Mann seinen Verletzungen, die er erlitten hatte, als sein Auto in der Nähe des Gazastreifens von einer Anti-Panzerrakete getroffen worden war. Zwei andere Insassen sind schwer verletzt.

»Es sind sehr schwere Szenen gewesen, die die Rettungskräfte mitansehen musssten.«

Mosche Gomru (ZAKA)

In den Tel Aviver Vororten der Großstadt Cholon und Giatayim gab es jeweils vier Verletzte durch Einschläge. In israelischen Krankenhäusern wurden oder werden laut Rettungsdiensten 200 Verwundete behandelt. Sieben von ihnen befänden sich in kritischem Zustand. Darunter ein fünfjähriges Mädchen, dass lebensgefährliche Verletzungen erlitt, als ein Bus in Cholon von einer Rakete getroffen wurde.

AUFRUHR Mosche Gomru, Leiter des Rettungsdienstes ZAKA für den Bereich Zentrum, war als einer der ersten am Unglücksort in Rischon Lezion. »Es war ein zweistöckiges Gebäude, das an der Vorderseite direkt von einer Rakete getroffen wurde.« Es habe einen großen Aufruhr gegeben. »Ich sah eine Frau, die es offenbar nicht in einen Schutzraum geschafft hatte. Sie lag in der Nähe des Gebäudes und hatte mehrere Verletzungen durch Schrapnelle. Die Sanitäter mussten sie noch an Ort und Stelle für tot erklären.« Es seien sehr schwere Szenen gewesen, die die Rettungskräfte mitansehen mussten.

Es ist die schwerste Auseinandersetzung zwischen Jerusalem und der Hamas seit 2014. Bislang sind in Israel fünf Menschen getötet worden, in Gaza nach Angaben des dortigen Gesundheitsamtes 35. Darunter sollen zwölf Kinder sein. In verschiedenen Städten Israels ist es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen israelischen Arabern und der Polizei gekommen.

»Wir machen weiter und greifen mit aller Macht an.«

Premier Benjamin Netanjahu

Netanjahu erklärte, dass die israelische Armee (IDF) Hunderte von Zielen der Terrororganisationen Hamas und Islamischer Dschihad angegriffen habe. »Wir haben Dutzende von Terroristen eliminiert, darunter führende Kommandierende. Wir haben Hamas-Kommandozentralen bombardiert und Gebäude zum Einsturz gebracht, die der Gruppe dienen. Wir machen weiter und greifen mit aller Macht an.«

PREIS Nach Konsultationen mit dem Verteidigungsestablishment zur Lage hätte man eine Entscheidung getroffen, so Netanjahu weiter. »Hamas und der Islamische Dschihad werden einen hohen Preis zahlen – einen blutigen.« Zu den Bürgern des Staates Israel sagte er: »Wir stehen vereint gegen einen verabscheuungswürdigen Feind. Wir trauern um die, die gestorben sind. Wir beten für alle Verwundeten. Und wir stehen an der Seite der IDF und der Sicherheitskräfte«.

Diese Militäroperation werde Zeit brauchen. »Doch mit Bestimmtheit, Einheit und Stärke werden wir die Sicherheit der Bürger Israels wiederherstellen.«  

EXPLOSIONEN Im Großraum Tel Aviv hatten ab 21 Uhr die Sirenen zu schrillen begonnen. Es waren Dutzende laute Explosionen zu hören. Auf den Straßen rannten die Menschen verzweifelt unter dem Hagel der Explosionen umher, um sich in Sicherheit zu bringen. Es herrschte Verwirrung und Angst.

Die IDF hatte zuvor ein Gebäude mit Büros von führenden Mitgliedern der Hamas und Sprechern der islamistischen Palästinenserorganisation im Gazastreifen zerstört. Nach Angaben der Armee habe man vorher per Drohnen Warnschüsse ohne Munition auf das Dach abgegeben, damit sich die Bewohner in Sicherheit bringen können.

»Ich glaube, die meisten waren völlig überrascht und geschockt.«

Dov Weiser (Familienvater aus Tel Aviv)

Dov Weiser war mit seiner kleinen Tochter in Tel Aviv auf dem Fahrrad von einem Einkaufsbummel auf dem Nachhauseweg, als die erste Sirene die Luft zerriss. »Ich wusste ja, dass es im Süden knallt, aber dass es nach Tel Aviv kommt, hatte ich nicht erwartet. Vielleicht auch nur verdrängt.«

HOTEL Er habe sofort sein Fahrrad an eine Laterne gelehnt und sei in das nächste Hotel gerannt. »Die Angestellten von der Rezeption haben alle reingelassen und in den Schutzraum geleitet. Es waren viele Leute da, die meisten kamen von der Straße reingerannt. Einige haben am ganzen Körper gezittert«, erzählt Weiser. »Ich glaube, die meisten waren völlig überrascht und geschockt.«  

Größtenteils waren die Geräusche die Explosionen durch die Abfangraketen des Systems »Eiserne Kuppel«. Das habe nach Angaben der Armee 850 der insgesamt 1000 Geschosse abgefangen, die seit Montagabend von der Hamas gen Israel gefeuert wurden. Rund 200 der Geschosse seien noch im Gazastreifen niedergegangen, so ein IDF-Sprecher.

SIRENENGEHEUL Die Hamas rühmte sich damit, »130 Raketen auf Tel Aviv gefeuert zu haben«. Kurz nach drei Uhr nachts wurden die Städter erneut von Sirenengeheul aus dem Schlaf gerissen und mussten in die Schutzräume hasten – so sie nicht ohnehin die ganze Nacht dort verbrachten.

Viele Israelis posteten Bilder und Videos aus den Schutzräumen mit dem Hashtag #IsraelUnderAttack. Der Beschuss des Südens Israels ging am Morgen ohne Unterlass weiter.

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