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Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Mascha Malburg und Joshua Schultheis
Mascha Malburg und Joshua Schultheis Foto: Foto Ira Prohorova, Collage Clara Wischnewski

Für ihre herausragende Berichterstattung über jüdisches Leben und die Bekämpfung des Antisemitismus werden Mascha Malburg und Joshua Schultheis mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet. Die Redakteurin und der freie Mitarbeiter der Jüdischen Allgemeinen werden speziell auch für ihr Buch »Worüber Juden reden« (Hentrich & Hentrich Verlag) geehrt. Das teilten der Verband Jüdischer Journalistinnen und Journalisten (JJJ) und die Fazit-Stiftung in Frankfurt am Main am Mittwoch mit.

Der Preis geht zu gleichen Teilen an Thorsten Schmitz für den Artikel »Wer ein Warum hat, erträgt jedes Wie« (»Süddeutsche Zeitung«), Sharon On und Dirk Laucke für das Hörspiel »Auch wenn es dunkel ist« (Rundfunk Berlin-Brandenburg) und Nicholas Potter für das Buch »Die neue autoritäre Linke« (dtv). Eine lobende Erwähnung erhält zudem Anetta Kahane, Gründerin der Amadeu-Antonio-Stiftung, für ihre Kolumnen in der »Frankfurter Rundschau«.

»Ich freue mich sehr über den Georg-Stefan-Troller-Preis, der für mich nicht nur uns gilt, sondern auch den vierzig Jüdinnen und Juden, die in unseren Gesprächen ihre Geschichten erzählt haben – offen, mutig und auch verletzlich«, erklärt JA-Redakteurin Mascha Malburg. »Es ist eine Auszeichnung für unser Anliegen, echte Gespräche zu führen, zuzuhören, verschiedene Meinungen herauszuarbeiten und zu verstehen – gerade bei Themen, die oft hitzig und projizierend diskutiert werden. Aber der Preis hebt auch die vermeintlich kleinen, innerjüdischen Debatten, die Zwischentöne, Nischen und Widersprüche auf eine große Bühne«, so Malburg weiter.

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»Mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis wird nicht nur unsere eigene Arbeit, sondern auch die der gesamten Redaktion der Jüdischen Allgemeinen gewürdigt«, sagt Joshua Schultheis. »Unser Dank gilt vor allem den vielen Kolleginnen und Kollegen, die uns während der Entstehung des Buches tatkräftig unterstützt haben, und dem Zentralrat der Juden, der den Druck finanziert hat.«

Schultheis war bis Juli dieses Jahres Politik-Redakteur der Jüdischen Allgemeinen, für die er seitdem als freier Autor schreibt. Mascha Malburg, geboren 1995 in Berlin, hat Politik und Soziologie studiert. In ihrer Abschlussarbeit beschäftigte sie sich mit Hannah Arendts Revolutionstheorie. Ihr journalistisches Handwerk lernte sie an der Henri-Nannen-Schule mit Stationen bei der ZEIT, dem »Spiegel«, »Stern« und »Tagesspiegel«. Seit 2023 schreibt sie für die JA über Politik, Gesellschaft und Religion.

»Mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis wird nicht nur unsere eigene Arbeit, sondern auch die der gesamten Redaktion der Jüdischen Allgemeinen gewürdigt.«

Joshua schultheis

»Der Preis für Mascha Malburg und Joshua Schultheis ist hochverdient und für die gesamte Redaktion ein Grund zum Feiern«, sagt JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel. »Mit ihrem Buch, das auf ihrer Interviewreihe in der Jüdischen Allgemeinen basiert, ist ihnen gelungen, was im Journalismus in Deutschland oftmals viel zu kurz kommt: Sie bilden die Vielschichtigkeit, Lebendigkeit und Streitbarkeit ab, die das jüdische Leben in Deutschland tagtäglich prägen. Wer die jüdische Gemeinschaft in Deutschland verstehen will, der muss bloß dieses Buch lesen.«

Alois Theisen, Jury-Mitglied und ehemaliger Chefredakteur der ARD beziehungsweise Hessischem Rundfunk, sagte der JA auf Anfrage, ihn habe besonders beeindruckt, dass in den in dem Buch veröffentlichten Gesprächen junge Juden in Deutschland zu Wort kommen. Es sei wichtig für die Vielfalt, dass nicht nur über, sondern auch mit Juden gesprochen werde, so Theisen.

»Wer die jüdische Gemeinschaft verstehen will, muss bloß dieses Buch lesen«

»Ich freue mich sehr, dass wir erstmals diesen Preis vergeben können«, betonte Lorenz Beckhardt, Vorsitzender des Jüdischen Journalistenverbandes, gegenüber der JA. Die Jury habe eine fulminante Auswahl herausragender Werke sichten dürfen, die Entscheidung sei ihr deshalb nicht leicht gefallen, so Beckhardt.

In »Worüber Juden reden« haben Schultheis und Malburg jeweils vier Juden für zehn Gespräche zusammengebracht: Juden, die aus der Ukraine und Russland emigriert sind, und Juden, deren Familien seit Generationen hier leben. Juden aus New York oder Tel Aviv, die in Berlin eine Heimat gefunden haben, und Juden, die ihre ostdeutschen Städte nicht der AfD überlassen wollen. Aschkenasische und misrachische, queere und patrilineare Juden. Gemeinsam bilden die Interviews ein einzigartiges Kaleidoskop der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland.

Der mit insgesamt 12.000 Euro dotierte Preis der Fazit-Stiftung, Mehrheitsgesellschafter der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«, und des Verbands Jüdischer Journalistinnen und Journalisten wird am 11. Oktober im Jüdischen Museum in Frankfurt am Main verliehen. Die Laudatio hält der CDU-Bundestagsabgeordnete und ehemalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet.

Verständnis für jüdisches Leben wecken

Der Preis ist nach dem Reporter, Dokumentarfilmer und Autor Georg Stefan Troller benannt, der im September 2025 im Alter von 103 Jahren gestorben ist. Troller stammte aus einer jüdischen Wiener Familie und arbeitete viele Jahre als Paris-Korrespondent, unter anderem für den WDR und das ZDF.

Der Preis zeichnet den Angaben zufolge »journalistische Arbeiten aus, die jüdisches Leben in der Gegenwart sichtbar machen, differenziert darstellen und zum Verständnis jüdischer Lebensrealitäten im deutschsprachigen Raum und weltweit beitragen«. ja/epd

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