Kurzmeldungen

Mail aus Jerusalem

Studienobjekt: sexuelle Belästigung Foto: imago

Studie
Eine Israelin, die am Arbeitsplatz sexuell belästigt wird, hat so gut wie keine Chance, den Übeltäter zur Verantwortung zu ziehen. Das glauben jedenfalls die Betroffenen selbst. Einer Studie zufolge reicht nur eines von zehn Opfern unsittlicher Anmache eine Beschwerde ein, sei es bei der Polizei, sei es beim Arbeitgeber. Dabei ist jede sechste belästigte Frau so angewidert, dass sie ihren Arbeitsplatz aufgibt. Andere bleiben nur, weil sie die Stelle unbedingt brauchen. Dass die Motivation der Opfer, sich für einen Arbeitgeber einzusetzen, der solche Zustände zulässt, nicht gerade steigt, liegt auf der Hand, scheint die Chefetagen aber nicht sonderlich zu stören. Oder aber wollen sie keine Pandorabüchse öffnen: In zwei von drei Fällen steht der Belästigende in der Unternehmens- beziehungsweise Amtshierarchie über der von ihm belästigten Frau.

skepsis

Schlechte Nachrichten für den Rechtsstaat: Nur noch knapp die Hälfte aller Israelis setzt ihr Vertrauen in den Obersten Gerichtshof, Tendenz sinkend. Die mit 56 Prozent höchste Vertrauensquote genießt das Gericht, das sich als eine Schutzbastion der liberalen Demokratie versteht, unter Juden, die weder ultraorthodox sind noch in Westbank-Siedlungen leben. Unter arabischen Israelis vertrauen 51 Prozent der Befragten dem Obersten Gericht. Dagegen unter den Westbank-Siedlern nur jeder Fünfte. Noch schlechter schneidet das säkular geprägte Gericht bei Ultraorthodoxen ab, unter denen nur jeder Elfte ihm vertraut. Viele Ultraorthodoxe sehen die Richter als Feinde der Tora und als in religiöser Hinsicht unerlaubte Konkurrenz zu einer rabbinisch geprägten Gerichtsbarkeit an.

Strecke
Acht Jahre lang war der zwischen Jerusalem und Modiin in der Westbank verlaufende Teil der Schnellstraße 443 für palästinensische Autofahrer aus Angst vor Terrorismus ge-
sperrt, wurde aber vor einigen Wochen auf Geheiß des Obersten Gerichtshofes auch für sie freigegeben. Ihrerseits tut die Armee alles, damit die Straße – sie führt auf israelischem Gebiet nach Tel Aviv weiter – für israelische Benutzer sicher bleibt. Zumindest ein prominenter Fahrgast meidet sie dennoch: Wie Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in der Knesset einräumte, untersagt der Personenschutz seiner Wagenkolonne das Befahren der in den Palästinensergebieten verlaufenden Strecke – aus … richtig: Angst vor Terrorismus. Da fragt sich der verdutzte Bürger auf der (Schnell)-Straße: Ist die 443 nun sicher oder nicht?

Sonne
Für Wüstenbewohner ist die sengende Sonne in der Regel ein Feind. Für zwei Beduinensippen im Negev wird das Gestirn schon bald jedoch eine Einkommensquelle sein. Laut einem Vertrag mit der Solarfirma Arava Power werden die Beduinen-Clans nämlich an der Errichtung von drei auf ihrem Boden zu bauenden Fotovoltaik-Feldern beteiligt. Vertreter der Großfamilien brachten ihre Genugtuung über ihre Teilnahme am Aufbau der Sonnenergie und die Partnerschaft mit den Investoren zum Ausdruck. Ihrerseits sieht Arava Power in den Verträgen erst einen ersten Schritt: Um die Kooperation mit den Nachbarn auszubauen, hat sie eine besondere Abteilung für den Beduinensektor gegründet.

Sänger
Die Kette der Gesangsstars, die Israel ihre Reverenz erweisen, reißt trotz antiisraelischer Boykottaufrufe und des jüngsten Ausstiegs von Elvis Costello nicht ab. Nachdem Israel in den letzten Wochen Prominente wie Elton John und die barbadische Sängerin Rihanna – vor ihnen auch Paul McCartney, Leonard Cohen und Madonna – begrüßen durfte, versuchen jetzt gleich vier Impresarios, den nächsten Megastar ins Heilige Land zu holen: Barbra Streisand. Freilich hat Qualität ihren Preis: Einem Medienbericht zufolge wurde der Grand Dame der Unterhaltungskunst eine Gage von viereinhalb Millionen Dollar zugesagt. Die Fans können schon mal anfangen, für die Tickets zu sparen.

Segmentierung
Der internationale Ferienanbieter Club Med lockt internationale Touristen mit Niedrigpreisen nach Eilat. Wie die Wirtschaftszeitung Calcalist herausfand, muss ein spanisches Touristenpaar, das drei Nächte in Eilat bucht, für das Vergnügen umgerechnet 2.952 Schekel berappen – dazu trägt auch der billige Euro bei. Bei einer Buchung auf der amerikanischen Website kostet der gleiche Spaß umgerechnet 3.436 Schekel, während Israelis 4.500 Schekel auf den Tisch zu blättern haben. Zwar ist Marktsegmentierung, wie die differenzierende Preisgestaltung im Fachjargon heißt, nichts Neues, doch lässt sie sich im Zeitalter globaler Kommunikation schlecht verheimlichen. Nun wollen die Besitzer der Anlage verhindern, dass Israelis ihren Aufenthalt über ausländische Internetauftritte billiger buchen. Von nun an müsse, wer im Ausland gebucht habe, an der Rezeption auch einen ausländischen Pass vorzeigen.

Sheriff
Ein 36-jähriger Bewohner des Jerusalemer Stadtteils Ramot hatte den Lärm, den Kinder aus der Nachbarschaft vor seinem Haus immer und immer wieder machten, gründlich satt. Vor Kurzem platzte ihm der Kragen: Mit Handschellen, einem Kommandomesser und einem Luftgewehr bewaffnet, stürmte er zur Tür hinaus und auf die spielenden Kinder zu, ergriff einen Elfjährigen und kettete ihn mit den Handschellen an einen Pfahl. Das kam nicht gut an: Die von Anwohnern alarmierte Polizei befreite das Kind und nahm den rabiaten Möchtegern-Sheriff fest. Jetzt wird ihm wegen tätlichen Angriffs und Freiheitsberaubung der Prozess gemacht. Drum prüfe, wer den Bengel bindet, ob sich nicht etwas Bessres findet.

Israel

Gesetz: Der 7. Oktober soll nicht »Massaker« heißen

Das Büro von Premierminister Netanjahu ließ das Wort für den Titel des Gedenktages streichen. Überlebende und Angehörige außer sich vor Wut

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Nahost

Israels digitale Front gegen Teheran

Hunderte Cyberattacken wurden in zwölf Monaten abgewehrt. Behörden sprechen von einer »ausgedehnten iranischen Kampagne«

von Sabine Brandes  12.02.2026

Westjordanland

Bericht: Autonomiebehörde zahlt weiterhin »Märtyrer-Renten«

Eigentlich hatte Mahmoud Abbas das Ende der international verurteilten »Pay for Slay«-Praxis verkündet. Laut einem Bericht von Palestinian Media Watch hat er gelogen

 12.02.2026

Gaza

Sicherheitsstillstand

Die Terrororganisation Hamas macht auch in der zweiten Phase des Waffenruhe-Abkommens klar, dass sie einer Entmilitarisierung nicht zustimmen wird

von Sabine Brandes  12.02.2026

Nachrichten

Botschafter, Kontrolle, Künstliche Intelligenz

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  12.02.2026

Meinung

Wiesbaden: Wie man dem Antisemitismus und dem Islamismus eine Bühne bietet

Im Haus der Vereine durfte die Jugendgruppe »Salehin« auftreten. Offiziell ging es um eine »kulturelle religiöse Jugendveranstaltung«. Doch tatsächlich wurde dort Propaganda für das Mullah-Regime gemacht

von Daniel Neumann  12.02.2026

Gesellschaft

Gewalt in arabischen Gemeinden eskaliert: Fünf Tote in zwölf Stunden

Die Gewalt in arabischen Gemeinden Israels eskaliert. Der Polizeichef spricht von einem »nationalem Ausnahmezustand«

von Sabine Brandes  12.02.2026

Gaza

Israel meldet Tötung eines Terror-Drahtziehers

Basel Himouni, ein Hamas-Terrorist aus Hebron, hatte einen Anschlag auf Busse in Beerscheba im Jahr 2004 organisiert. Damals wurden 16 Israelisch ermordet und über 100 Menschen verletzt

 12.02.2026

Melbourne

Herzog warnt vor Judenhass in Australien

Der Staatsbesuch des israelischen Präsidenten löste Proteste im Land aus. Herzog sagte, er habe eine Botschaft des guten Willens nach Australien gebracht und hoffe auf eine Entspannung der Lage

 12.02.2026 Aktualisiert