Israel

Livni und Huldai im Rennen

Zipi Livni erwägt, aus dem politischen Ruhestand zurückzukehren und beim Wahlkampf 2021 mitzumischen. Foto: Flash 90

Die eine will sich doch nicht zur Ruhe setzen, der andere noch nicht. Zu der neuen Partei von Ex-Bildungsminister Saar gesellt sich eine weitere in Israel: die des Bürgermeisters von Tel Aviv, Ron Huldai. Am Dienstagabend stellte er sie in seiner Stadt vor: »Ha’Yisraelim« - »Die Israelis« wird die neue Mitte-Links-Partei heißen.

WAHLKAMPF Auf die Fahnen geschrieben hat er sich, »Netanjahu abzuwählen und den Israelis wieder Hoffnung zu geben«. Und auch die einstige Außenministerin Zipi Livni erwägt, aus dem politischen Ruhestand zurückzukehren und beim Wahlkampf 2021 mitzumischen.

Livni habe angeblich vor, sich mit der Zentrumspartei Jesch Atid von Yair Lapid zusammenzuschließen, berichten israelische Medien am Dienstag. Ihre Partei »Hatnua« (Die Bewegung) war zwar bei den vergangenen drei Wahlen nicht angetreten, doch es könnte sein, dass sie wieder aktiviert wird. Es gebe noch einige Millionen Schekel auf dem Bankkonto der Partei, heißt es weiter.

zerfall Livni sehe durch den nahenden Zerfall der Mitte-Partei Blau-Weiß von Benny Gantz eine echte Chance, eine Alternative anzubieten. Die erfahrene Politikerin hatte ihre Karriere einst im rechtskonservativen Likud begonnen, war später jedoch zu Kadima von Ariel Scharon gewechselt.

Vor den Wahlen im Jahr 2013 hatte ihr Lapid den Sitz Nummer zwei in seiner Liste angeboten. Livni jedoch schlug das Angebot aus und gründete stattdessen Hatnua. Damit holte sie sechs Mandate in der Knesset. Im Februar 2019 kehrte sie der Politik den Rücken. Bis jetzt.

»Hunderttausende von Israelis fühlen, dass sie keine Heimat im derzeitigen politischen System haben.«

Tel Avivs Bürgermeister Ron Huldai

Derweil waren sich die Gerüchte um Huldai, er wolle in die große Politik einsteigen, bereits vor Monaten aufgekommen. Dann bestätigte das 78-jährige Urgestein der Lokalpolitik: »Ja, ich werde eine neue Partei gründen«.

HOFFNUNG »Hunderttausende von Israelis fühlen, dass sie keine Heimat im derzeitigen politischen System haben«, so Huldai. »Mit uns werden sie ihr Haupt wieder erheben können. Wir geben ihnen die Hoffnung zurück.« Man dürfe sich nicht an einen Premierminister gewöhnen, der unter Anklage steht, machte er auf einer Pressekonferenz klar. »Ich konnte nicht länger von außen zuschauen.«

Auf der Agenda von »Die Israelis« steht bislang die Wahrung der jüdischen Mehrheit im Land, die Verpflichtung zur Sicherheit und der Bau von Schutzräumen in der Peripherie.

SCHLÜSSELFIGUREN Nachdem sich ihm einige »Schlüsselfiguren des öffentlichen Lebens« angeschlossen hätten, sei es an der Zeit gewesen, eine klare Alternative vorzustellen. Zu denjenigen, deren Namen bislang hinter vorgehaltener Hand geraunt werden, zählen der ehemalige Stabschef Gadi Eizenkot und der Noch-Vorsitzende der Arbeitspartei, Amir Peretz. Dazu äußerte sich Huldai nicht, stellte jedoch seine Nummer zwei vor: Justizminister Avi Nissenkorn, der dafür Blau-Weiß verlässt.

Huldai, der eigentlich auch der Arbeitspartei angehört, regiert die Metropole am Mittelmeer bereits seit 22 Jahren. 2018 wurde er zu seiner fünften Amtszeit wiedergewählt. Entsprechend einer Umfrage des Fernsehkanals zwölf am Wochenanfang könnte eine Mitte-Links-Partei unter seinem Vorsitz bis zu sieben Mandate bei Parlamentswahlen holen. Seinen Bürgermeisterposten wolle er auch dann nicht aufgeben, wenn er in die Knesset einzieht, heißt es.

HAUSHALT Nachdem die Regierungskoalition es in der vergangenen Woche nicht geschafft hatte, über einen neuen Haushalt abzustimmen, wurde die Knesset automatisch aufgelöst. Die nächsten Parlamentswahlen werden voraussichtlich am 23. März stattfinden, die vierten innerhalb von weniger als zwei Jahren.

Derzeit wird darüber nachgedacht, wie die Menschen in Israel inmitten der Corona-Pandemie sicher an die Urnen gehen können. Unter anderem sind »Drive-Through-Stationen« angedacht, in denen man aus dem Auto heraus seinen Wahlzettel ausfüllen und abgeben kann.

Diplomatie

Gideon Sa’ar besucht Somaliland

Vor Ort bezeichnete der israelische Außenminister die Entscheidung seines Landes, Somaliland anzuerkennen, als »moralisch richtig«

 07.01.2026

Dialog

Israel und Syrien vereinbaren Kommunikationskanal unter US-Vermittlung

Mit US-Unterstützung nehmen Israel und Syrien ihren Dialog wieder auf. Ein neuer Kommunikationsmechanismus soll künftig Streit zwischen den beiden verfeindeten Ländern verhindern

 07.01.2026

Jerusalem

Massenprotest gegen Wehrpflicht - Bus überrollt Menschen

Bei einem Protest Ultraorthodoxer gegen den Militärdienst in Jerusalem wurden mehrere Menschen von einem Bus erfasst. Die Polizei spricht von »gewalttätigen Unruhen«

 07.01.2026

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  06.01.2026

Wissenschaft

Israels Forscher erzielen Erfolg in Alzheimerforschung

Ausgerechnet ein zelluläres »Entsorgungssystem«, das eigentlich schädliche Proteine beseitigen soll, könnte zur Weiterverbreitung der Krankheit beitragen

 06.01.2026

Sexualisierte Gewalt

Romi Gonen: »Der Hamas-Chef schlug mir einen Deal vor«

Die ehemalige Geisel der Terrororganisation berichtet in Teil zwei ihres Interviews, was nach den Übergriffen geschah

von Sabine Brandes  06.01.2026

Jerusalem

Netanjahu attackiert Opposition in hitzigem Knesset-Duell

Die Aufklärung des 7. Oktobers, die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe und »Katargate« wurden auf Druck der Opposition im israelischen Parlament diskutiert

 06.01.2026

Blumen und Kerzen sind als Zeichen des Gedenkens an die Opfer nach dem Brand in der Bar und Lounge »Le Constellation« in Crans-Montana.

Schweiz

Drittes jüdisches Mädchen tot

Bei der tödlichen Katastrophe im Nobelskiort Crans-Montana sind drei junge jüdische Frauen ums Leben gekommen

von Nicole Dreyfus  06.01.2026

Jerusalem

Gedenkstätte Yad Vashem verweigerte Selenskyj Rede

Kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine wollte Selenskyj in Yad Vashem sprechen. Aber durfte nicht. Der Gedenkstätten-Vorsitzende nennt nun dafür klare Gründe

 05.01.2026