Eine Frage ist in aller Munde: »Wann wird es enden?« Während die gemeinsame Militärkampagne Israels und der USA gegen den Iran seit drei Wochen intensiv geführt wird, diskutiert die ganze Welt, vor allem aber die Bevölkerung in Israel und den USA, wie eine Exitstrategie aussieht – und ob es überhaupt eine gibt.
Die Ziele scheinen ehrgeizig, sogar historisch: die militärischen Fähigkeiten Irans zerschlagen, das Atomprogramm zerstören und im Idealfall das Ayatollah-Regime stürzen. Einen klar definierten Endpunkt jedoch gibt es nicht. Oder wie es ein hochrangiger israelischer Regierungsbeamter vor einigen Tagen in der »Washington Post« zusammenfasste: »Ich bin mir nicht sicher, ob es in unserem Interesse liegt, so lange zu kämpfen, bis das Regime gestürzt ist. Niemand will eine Endlosschleife.«
Taktisch ist die Kampagne erfolgreich: Präzisionsschläge, erhebliche Schäden an der Infrastruktur und eine enge Koordination mit den USA. In seiner ersten Pressekonferenz seit Kriegsbeginn erklärte Premier Benjamin Netanjahu, der Iran sei nach fast zwei Wochen Bombardierungen »nicht mehr derselbe«. Die Revolutionsgarde und die Basidsch-Miliz hätten schwere Verluste erlitten. Auf eine Frage zu Maßnahmen gegen den neuen Ayatollah Mojtaba Chamenei antwortete er: »Ich würde keine Lebensversicherungen auf die Anführer dieser Terrororganisation abschließen.«
Existenzielle Bedrohung
Israel wolle die »existenzielle Bedrohung« durch Irans Atom- und Raketenprogramm beseitigen und Bedingungen schaffen, die einen Zusammenbruch des Regimes ermöglichen, was allerdings nicht garantiert sei. »Ein Regime wird von innen heraus gestürzt«, so Netanjahu, »doch wir bereiten im Kriegsverlauf sowohl militärische als auch politische Optionen vor.«
Generalstabschef Eyal Zamir erklärte, dass man »bedeutende präventive Erfolge erzielt habe«. Er führte aus, dass man neben der »anhaltenden Schwächung der militärischen und industriellen Produktionskapazitäten des Regimes auf Mitglieder der Revolutionsgarde und des Repressionsapparats des Regimes« ziele.
Am Dienstag gab Israels Verteidigungsminister Israel Katz einen weiteren Schlag gegen die Mullahs bekannt: Ali Laridschani, Chef des iranischen nationalen Sicherheitsrats und faktischer Kriegsführer der Islamischen Republik, wurde von der israelischen Armee (IDF) getötet. Auch Gholamreza Soleimani, Kommandeur der Basidsch-Miliz, die der Revolutionsgarde untersteht und die eine zentrale Rolle bei der Niederschlagung nationaler Proteste spielt, wurde zusammen mit seinem Stellvertreter Rassem Qureshi bei einem israelischen Angriff getötet.
In strategischer Hinsicht allerdings ist bislang zumindest öffentlich unklar, was Erfolg eigentlich bedeutet. Das Fehlen vordefinierter Kriterien verweist zudem auf erste Spannungen zwischen den beiden Verbündeten. Während Israel Bereitschaft zu einem längeren Einsatz signalisiert hat, scheinen die Vereinigten Staaten vorsichtiger zu sein. Laut einem Bericht der Tageszeitung »Israel Hayom« haben US-Beamte angedeutet, dass ihr Engagement an die Erreichung bestimmter Ziele geknüpft sei, die allerdings vage definiert bleiben. Israel bereite sich auf einen potenziell langen Krieg vor, während Washington im Stillen darüber nachdenke, wie dessen Dauer begrenzt werden kann.
»Militärische Erfolge schaffen nicht automatisch Klarheit über das Kriegsende.«
Eldad Shavit
»Bibis Traum – und Israels Traum seit Jahrzehnten – ist ein gemeinsamer Krieg zur Zerschlagung der Islamischen Republik. Sich aber in allem auf US-Präsident Donald Trump zu verlassen, ist riskant«, meint Chuck Freilich, ehemaliger stellvertretender nationaler Sicherheitsberater Israels und leitender Forscher am Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS). Letztendlich könne das Kriegsende politischer und nicht strategischer Natur sein und anstelle klar definierter Siegbedingungen von wechselnden Kalkulationen in Jerusalem und Washington abhängen – von innenpolitischem Druck, Bündnisdynamiken oder schlichter Kriegsmüdigkeit. Auch der israelische Sicherheitsexperte Eldad Shavit vom INSS sieht die US-israelische Kampagne als ein strategisches Spannungsfeld, in dem militärische Erfolge nicht automatisch Klarheit über das Kriegsende schaffen. Seiner Meinung nach drehe sich die Diskussion längst nicht mehr nur um den Umfang der Zerstörung von Irans militärischen Fähigkeiten, sondern zunehmend um die Frage »Wie wird ein Erfolg definiert, der ein Ende des Krieges rechtfertigt?«.
Shavit weist darauf hin, dass Trump zwar ein positives Bild der Kampfhandlungen zeichne und andeute, der Krieg könne »innerhalb relativ kurzer Zeit« beendet werden, gleichzeitig aber offenlasse, welche Mindestbedingungen die US-Regierung für ein Ende der Kämpfe erwarte. Diese Unklarheit sei kein Zufall, so der Experte, sondern spiegele die Kluft zwischen Wunsch und Realität wider.
Tiefgreifende strategische Veränderung
Aus israelischer Sicht strebe man eine tiefgreifende strategische Veränderung an: erhebliche Schäden an Irans nuklearen und militärischen Fähigkeiten, eine Schwächung des Proxy-Netzwerks und bestenfalls Bedingungen, die einen Regimewechsel ermöglichen oder zumindest die Machtbasis des Regimes dauerhaft einschränken. »Israel sucht strukturelle Veränderung, während sich die USA mit einem abgeschreckten und eingedämmten Iran zufriedengeben könnten«, so Shavit.
Die Fortsetzung der Operation hänge von mehreren Faktoren ab: Erstens spielt die Bedrohungswahrnehmung eine zentrale Rolle: Die US-Administration fürchte, ein zu frühes Ende des Krieges könne dem Iran erlauben, einige Fähigkeiten wieder aufzubauen und dies als strategischen Erfolg zu präsentieren.
Zweitens seien politische Überlegungen entscheidend. »Je mehr politisches Kapital Washington bereits investiert hat, desto schwerer wird es, die Militäroperation zu einem Zeitpunkt zu beenden, der nicht als Erfolg präsentiert werden kann.« Trump wolle den Krieg zudem als Beweis für die Wirksamkeit seiner Politik »Frieden durch Stärke« darstellen.
Drittens spiele die globale Dimension eine Rolle. Denn das militärische Vorgehen sei nicht nur auf den Nahen Osten beschränkt, sondern auch ein Signal an andere rivalisierende Mächte, insbesondere China, über die Fähigkeit der USA, Macht zu demonstrieren und störende Akteure zu bestrafen. Das Fazit des Experten fällt nüchtern aus: »Israels strategische Stärke liegt weniger in den eigenen militärischen Fähigkeiten als in der engen Abstimmung mit der US-Regierung.« Und je deutlicher werde, dass für diese ein »Sieg« primär Schwächung und Eindämmung bedeute, »desto größer werde für Israel die Herausforderung sicherzustellen, dass der Iran nicht nur vorübergehend geschwächt wird, sondern langfristig kontrollierbar bleibt«.