Konversion

Jude werden leicht gemacht

Zielgruppe: russischsprachige Einwanderer (hier bei einer 9. Mai-Parade in Jerusalem) Foto: Flash 90

Es ist ein heißes Eisen, an dem Israel Beiteinu derzeit schmiedet. Doch die Partei der russischsprachigen Einwanderer um Avigdor Lieberman hat sich zum Ziel gesetzt, das Konversionsgesetz zu revolutionieren. Bereits vor den Wahlen tönte der Parteichef, er wolle dafür sorgen, dass Übertritte zum Judentum in Israel vereinfacht werden. Wer sich auch nur ein wenig im schwer durchschaubaren Dickicht der Gesetze und Regeln um Konversionen auskennt, der weiß, worauf er sich da eingelassen hat.

Schon vor Monaten präsentierte Israel Beiteinus David Rotem, selbst strenggläubiger Jude, einen Gesetzesvorschlag, der, wenn er durchkommt, Geschichte machen könnte. In langwierigen Sitzungen erarbeiteten Rotem und die orthodoxe Partei Schass mit Hilfe des sefardischen Oberrabbiners Schlomo Amar einen Kompromiss, der für Wirbel im religiösen Establishment sorgt. Zum einen würde er die Macht der orthodoxen Rabbiner erheblich einschränken, zum anderen hieße eine Konversion im Land nicht mehr automatisch israelische Staatsbürgerschaft. Schätzungsweise mehr als 300.000 Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion sind nicht jüdisch. Viele wollen konvertieren.

Orthodoxie Derzeit liegt das Monopol gänzlich in orthodoxen Händen. Status Quo in Israel ist, dass sämtliche Konversionen ausschließlich orthodox durchgeführt werden können. Zuständig ist ein spezielles rabbinisches Gericht unter dem Vorsitz von Rabbiner Chaim Druckman. Die Konvertiten müssen sich verpflichten, einen streng-religiösen Lebensstil entsprechend der Halacha zu führen. Tun sie dies nicht, kann ihre Konversion jederzeit annulliert werden. Gerade diese Praxis hat in der Vergangenheit zu Verstimmungen im In- und Ausland geführt. Wer es trotz aller Hürden schließlich geschafft hat, erhält entsprechend des Rückkehrrechts für alle Juden die israelische Staatsangehörigkeit.

Im Ausland, etwa den USA, England und Deutschland, sind neben orthodoxen Übertritten auch die anderer Strömungen wie konservativ oder liberal möglich. Sie werden vom israelischen Oberrabbinat zum Teil und vom Innenministerium, das über die Staatsbürgerschaft entscheidet, generell anerkannt. Die im Ausland vorgenommenen Konversionen betrifft der Gesetzentwurf nicht.

Autoritäten Schimon Shetreet, ehemaliger Minister für Religionsangelegenheiten und Juraprofessor an der Hebräischen Universität in Jerusalem, erklärt die wesentlichen Punkte des Vorschlags: »Der wichtigste Punkt ist die Verschiebung der Au-toritäten. Zukünftig würde nicht mehr nur das rabbinische Gericht für Konversionen zuständig sein. Lokale Rabbiner in allen Städten Israels könnten Übertritte durchführen, nachdem sie vom Obersten Rabbinischen Rat die Erlaubnis dafür erhalten haben.« Kritiker meinen, das würde dem Rat zu viel Macht in die Hände geben, doch Shetreet winkt ab: »Es würde Konversionen für mehr Menschen ermöglichen. Es gibt zu jeder Zeit viele Frauen und Männer, die darauf warten, konvertiert zu werden, für die es aber so unmöglich ist. Die Änderung bietet sicher eine Lösung für die meisten.« Befürworter des Vorschlages halten diesen Punkt für den wesentlichen, denn so könnten auch liberaler eingestellte Rabbiner Konversionen vornehmen. Zu-
dem sollen dieselben Rabbiner die Heirat registrieren dürfen.
»Rücknahmen von Konversionen sollen dann ausschließlich durch den Präsidenten des Rabbinischen Gerichts ausgesprochen werden können«, erläutert Shetreet, »ganz entscheidend nach den vielen Fällen der Vergangenheit, in denen das Rabbinat die Annullierungen ausgesprochen hat«.

Staatsbürgerschaft Die Staatsbürgerschaft würde, falls der Entwurf zum Gesetz wird, für jene, die als Nichtjuden nach Israel kommen und erst hier konvertieren, nicht mehr automatisch vergeben, so der ehemalige Minister. Dieser Punkt wird besonders heftig diskutiert. Man wolle damit verhindern, dass sich Fremdarbeiter auf diese Weise zu Tausenden einen Pass erschleichen, wissen Experten. Hauptsächlich liberale Gruppierungen in den Vereinigten Staaten und in Israel aber beschweren sich bereits lautstark. »Die jüdische Tradition hat Konvertiten stets als untrennbaren Teil des jüdischen Volkes angesehen. Es ist schwer zu verstehen, dass gerade in Israel durchgeführte Konversionen nicht ausreichen sollen und diese Menschen zu Zweite-Klasse-Juden degradieren, die nicht immigrieren dürfen«, schrieb das Itim-Institut in Jerusalem, das sich für Konvertiten einsetzt.

Obwohl die ultraorthodoxe Partei Vereinigtes Tora-Judentum mittlerweile mit Koalitionskrise gedroht hat und der Gesetzesentwurf derzeit noch einmal überarbeitet wird, ist Shetreet sicher, dass er letztendlich in dieser oder etwas abgewandelter Form durchkommen wird. »Der Kompromiss zwischen Israel Beiteinu und der strengreligiösen Schass hat gezeigt, dass eine Verständigung sogar zwischen den verschiedensten Parteien möglich ist.« Dass es Kritik gibt, wundert den Rechtsexperten nicht. »Das Thema um die Konversionen ist kompliziert, und wie auch entschieden werden mag, es wird immer Gruppen geben, die mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind.«

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