Geiseln

»Jetzt bist du zu Hause«

Lior Rudaeff war 38 Jahre lang verheiratet. Foto: Sabine Brandes

Geiseln

»Jetzt bist du zu Hause«

Lior Rudaeff war Mitglied des Notfallteams von Kibbuz Nir Yitzhak. Am Wochenende wurde sein Leichnam nach Israel überführt

von Sabine Brandes  09.11.2025 10:16 Uhr

Nach 763 Tagen quälender Ungewissheit wurden am späten Freitagabend die sterblichen Überreste einer weiteren Geisel aus der Hamas-Gewalt in Gaza nach Israel überführt. In den frühen Morgenstunden des Samstags dann die traurige Gewissheit, dass es sich um Lior Rudaeff handelt.  

Der 61-Jährige, der lange in Nir Yitzhak in der Grenzregion zum Gazastreifen lebte, war stellvertretender Sicherheitskoordinator des Kibbuz Nir Yitzhak und Mitglied des dortigen Zivilschutzes. Am Morgen des 7. Oktobers 2023 wurde er im Kampf gegen Terroristen des Palästinensischen Islamischen Dschihad in seiner Gemeinde getötet. Sein Leichnam wurde von der mit der Hamas verbündeten Terrorgruppe nach Gaza verschleppt. Die offizielle Bestätigung seines Todes erfolgte im Mai 2024. 

Er engagierte sich jahrzehntelang ehrenamtlich

Der in Argentinien geborene und im Alter von sieben Jahren nach Israel eingewanderte Rudaeff engagierte sich jahrzehntelang ehrenamtlich in seiner Gemeinde. Er arbeitete als Rettungswagenfahrer, war im Notfall- und Schnelleinsatzdienst in Nir Yitzhak tätig und für seine Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft bekannt.  

Am Freitagabend waren Rudaeffs sterbliche Überreste von der Hamas an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und gemäß den Bestimmungen der Waffenstillstandsvereinbarung an die israelischen Behörden übergeben. Eine Erklärung aus dem Büro des Premierministers bestätigte, »dass die Identifizierung durch das nationale Zentrum für Rechtsmedizin in Abstimmung mit der Polizei, dem Militärrabbinat und der israelischen Armee abgeschlossen ist«. 

»Wir werden in dieser Angelegenheit keine Kompromisse eingehen und keine Mühen scheuen, bis wir alle verstorbenen Geiseln, jeden einzelnen von ihnen, zurückgebracht haben«, hieß es weiter.  

Noam Rudaeff: »Nach 763 albtraumhaften Tagen ist er nach Hause zurückgekehrt.«

Die Rückkehr von Lior Rudaeffs sterblichen Überresten beendet ein Kapitel im Leidensweg seiner Angehörigen. »Doch die Erinnerung an das Opfer, das er gebracht hat, und die durch seinen Verlust entstandene Lücke werden fortbestehen«, so die Familie. Er hinterlässt seine Ehefrau Yaffa, seine vier Kinder Noam, Nadav, Bar und Ben, mehrere Enkelkinder, seinen Vater Giora sowie seine Geschwister Idit und Doron – und eine ganze Gemeinde, die in tiefer Trauer um ihn weint.  

»Nach 763 albtraumhaften Tagen ist er nach Hause zurückgekehrt«, schrieb seine Tochter Noam Rudaeff auf Instagram und fügte hinzu: »Jetzt bist du zu Hause, jetzt bist du hier.« Sie dankte allen, »die uns in unseren unermüdlichen und humanen Bemühungen unterstützt haben, ihn und alle anderen Geiseln nach Hause zu bringen.«   

Für die Familie Rudaeff bedeutet die Rückkehr von Lior nach mehr als zwei Jahren der Ungewissheit einen gewissen Abschluss. Seine Gemeinde in Nir Yitzhak beschreibt ihn als »einen Mann des Landes, der Familie und der Gemeinde. Einen Freiwilligen, Nachbarn und wahren Freund, der immer für alle da war«.   

Noch fünf tote Geiseln werden in Gaza festgehalten

Die Rückführung erfolgte im Rahmen des Waffenstillstands- und Geiselbefreiungsabkommens zwischen Israel und der Hamas, vermittelt von den USA. Rudaeff war die 23. tote Geisel, die die Hamas seit Inkrafttreten des Waffenstillstands am 10. Oktober freiließ. Dieser beendete den Krieg, der mit dem verheerenden Einmarsch der palästinensischen Terrorgruppe Hamas in Südisrael begonnen hatte. Dabei wurden 1.200 Menschen getötet und 251 Menschen als Geiseln nach Gaza verschleppt. 

Die Leichen von fünf getöteten Geiseln befinden sich weiterhin im Gazastreifen – vier Israelis und ein thailändischer Staatsbürger: Meny Godard, Hadar Goldin, Ran Gvili, Dror Or und Sudthisak Rinthalak. 

Zu Beginn des Waffenstillstands hielt die Hamas noch 48 Geiseln in Gaza fest – 20 lebende und 28 tote. Gemäß den Bestimmungen des Waffenstillstands war sie verpflichtet, alle innerhalb von 72 Stunden freizulassen. Die Terroristen haben inzwischen alle noch lebenden Geiseln freigelassen, Israel wirft der Hamas jedoch vor, die Rückführung der übrigen verstorbenen Geiseln zu verzögern. 

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