Kurzmeldungen

Jerusalemer Telegramm

Synagogeneinweihung: Oberrabbiner Yona Metzger bringt die Mesusa an Foto: Flash 90

Geöffnet Eine der berühmtesten Synagogen der Welt ist wieder für Beter zugänglich: Am Montag wurde die Churwa-Synagoge im jüdischen Viertel der Jerusalemer Altstadt nach mehrjährigem Wiederaufbau eingeweiht. Ursprünglich war der Bau im 18. Jahrhundert in Angriff genommen, jedoch nicht vollendet worden; das Gebäude wurde 1721 niedergebrannt und trägt seitdem den Namen Churwa (Ruine). Erst 1856 wurde »die Churwa« geweiht und diente als Jerusalems Hauptsynagoge bis 1948, als sie von Jordanien zerstört wurde. In den nun abgeschlossenen Wiederaufbau mischte sich, wie so oft in Nahost, auch hohe Politik: Die Palästinenser protestierten gegen die Zeremonie, und selbst die USA äußerten »Bedenken«. Die Gläubigen freilich wollen sich die Freude über ihr altneues Gotteshaus nicht verderben lassen und haben vor, die Synagoge wieder zu einem zentralen Punkt jüdischen Lebens zu machen.

Gebrüllt Israel ist kein ausgesprochen leises Land. Das weiß jeder, dessen Nachbar um zehn Uhr abends Löcher in die gemeinsame Betonwand bohrt oder vor dessen Fenster sich mitten in der Nacht eine dröhnende Gesprächsrunde bildet. Jetzt hat das Umweltschutzministerium den Entwurf neuer Richtlinien zur Verhinderung der Lärmbelästigung vorgelegt. Beispielsweise dürfen Wohnungen nicht nach 20 Uhr und nicht vor 7 renoviert werden. Spätes, beziehungsweise frühes Rasenmähen und sonstige laute Gartenarbeiten werden verboten, bisher waren sie rechtens. Überlauter Betrieb des TV-Empfängers und der Stereoanlage wird zu jeder Nacht- und Tagesstunde untersagt.

Geächtet Wer Kunden aufgrund ihrer Hautfarbe, Volkszugehörigkeit oder sexueller Orientierung den Zutritt verwehrt, macht sich strafbar. Dagegen ist es in Israel – wie es scheint – legal, Soldaten zu diskriminieren. Im konkreten Fall wurden Landesverteidiger in einem von israelischen Arabern in Haifa betriebenen Restaurant nicht bedient. Auch andere Uniformträger, so die Besitzer, dürften nicht rein, weil Uniformen »die Atmosphäre stören«. Damit wären beispielsweise auch Polizisten gemeint. Nach einem Rechtsgutachten der Vereinigung für Bürgerrechte ist diese Aussperrung nach dem Buchstaben des Gesetzes erlaubt. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass der Gesetzgeber etwas dazu sagt.

geworben Die Liquidierung des Hamas-Waffenschmugglers Machmud al-Mabhuch – zu der sich Jerusalem beharrlich ausschweigt – wird in Israel langsam Teil der Volkskultur. Wer etwa mit einem Gitarrenkasten über die Straße läuft, wird schon mal von Bekannten gefragt, ob er unterwegs nach Dubai sei, und so weiter. Jetzt hat auch eine Agentur den Vorfall für den Werbesport einer Supermarktkette genutzt. Der mit Sicherheitskameras aufgezeichnete Kurzfilm zeigt drei nach Manier echter Dubai-Attentäter gekleidete Kunden – Tenniskleidung, Anzug beziehungsweise breitkrempiger Hut und Sonnenbrille –, die durch den Laden schlendern. Die Preise, so der Begleittext, seien »mörderisch günstig«.

Genehmigt Nach jahrelangem Zögern hat die Knesset das Ausrichten von Autorennen im Judenstaat erlaubt. Mit seinem sonnenreichen und regenarmen Klima wäre Israel auch ein idealer Standort für Formel 1 und Genossen. Allerdings klagen Automobilsport-Enthusiasten, Verkehrsministerium und Parlament hätten das Gesetz mit unnötigen bürokratischen Anforderungen so sehr überfrachtet, dass internationale Stars kaum kommen würden. Unter anderem brauchen Ausländer für jedes Rennen einen israelischen Führerschein.

Geflüchtet Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut. Das gilt, wie es scheint, auch für den von der israelischen Naturschutzbehörde in den vergangenen Jahren unternommenen Versuch, den im Gamla-Naturschutzgebiet auf den Golanhöhen lebenden Geiern mithilfe einer List zu mehr Nachwuchs zu verhelfen. Kurz nach dem Legen eines Eies wird dieses aus dem Nest entfernt und im Inkubator ausgebrütet. Daraufhin, so die Theorie, legt die Geier-Dame oft ein zweites Ei. Im Ergebnis steigt die Zahl der Küken, was für die vom Aussterben bedrohte Geierpopulation nur von Vorteil wäre. Indessen sehen es die Vögel anders. Seit Beginn des Eierklaus nimmt die Zahl der gelegten Eier nämlich deutlich ab. Viele Geier haben das Hochplateau auch verlassen, um sich nach sichereren Brutplätzen umzuschauen.

Geirrt An israelischen Schulen breitet sich ein neuer Rechtschreibfehler aus: Statt das Fragezeichen ans Ende des Satzes – im Hebräischen links vom letzten Buchstaben – zu setzen, schreiben viele Schüler das Satzzeichen am Anfang. Die wahrscheinliche Erklärung ist ein Fehler in der hebräischen Version des Internet-Netzwerks Facebook: Dort wird ein am Satzende getipptes Fragezeichen auf dem Bildschirm rechts abgebildet. Das Erziehungsministerium erklärte, das Problem ebenfalls erkannt zu haben. Dabei sollte man meinen, dass die Software-Großmacht Israel über genug Fachkräfte verfügt, um des Problems Herr zu werden. Oder stimmt das nicht?

USA-Besuch

Netanjahu reist zu Gesprächen mit Trump nach Washington – Abflug verzögert sich

Der israelische Regierungschef soll gegenüber seinen Ministern erklärt haben, die US-Regierung wolle einen Abzug Israels Truppen aus dem Libanon, Syrien und Gaza. »Ich werde Nein sagen«, so der Ministerpräsident

 27.07.2026

Aufruf

Zwei Moscheen im Westjordanland angezündet – Siedler sprühen Parolen auf Moschee

In der Westbank ist es zu einer Serie mutmaßlicher Angriffe radikaler Siedler gekommen. Unterdessen forderten zahlreiche frühere Vertreter von Armee und Geheimdiensten Trump auf, gegenüber Netanjahu das Thema anzusprechen

 27.07.2026

Jerusalem

Netanjahu wirft Mamdani Hetze gegen Juden vor

Die Äußerungen des New Yorker Bürgermeisters über Israel schürten Hass, spalteten die Stadt spalten und trügen dazu bei, dass sich viele jüdische Einwohner nicht mehr sicher fühlten

 27.07.2026

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  26.07.2026

Meinung

Wo ist der Geist von Sarajevo?

Auch in Deutschland rufen Vertreter der bosnischen Diaspora zunehmend nach harten Sanktionen gegen Israel und scheuen den Dialog mit den jüdischen Gemeinden hier. Das war schon einmal anders

von Marc Simon  24.07.2026

Tel Aviv

Deutschlands neuer Botschafter in Israel stellt sich auf Instagram vor

Alexander Graf Lambsdorff übernimmt die deutsche Vertretung in Israel. In einer Videobotschaft betont der frühere Moskau-Botschafter die enge Zusammenarbeit beider Nationen

 24.07.2026

Wissenschaft

Israelische Forscher entdecken einzigartiges Immunsystem bei Seeanemonen

Die beteiligten Wissenschaftler hoffen, dass ihre Ergebnisse langfristig zum Schutz von Korallenriffen beitragen könnten

 24.07.2026

Jerusalem

Likud-Abgeordneter verärgert Netanjahu mit behauptetem Angriff auf Iran

Das Likud-Mitglied Moshe Saada sagte in einem Interview: »Jeder weiß, dass wir kurz vor einem Angriff auf den Iran stehen – vielleicht sogar schon an diesem Wochenende.«

 24.07.2026

Meinung

Wenn der »Spiegel« mit der Hamas kuschelt

Die Hamas verkündet, einen Nachfolger für Yahya Sinwar gefunden zu haben. Für das große deutsche Nachrichtenmagazin Grund, eine Runde Sympathie und Mitgefühl zu spendieren

von Sophie Albers Ben Chamo  23.07.2026