Nahost

Israelis verwirrt wegen Trumps Iran-Reden

Menschen im Bunker während iranischer Angriffe im Juni 2025 Foto: Sabine Brandes

Die Menschen in Israel sind verunsichert. Obwohl es nach wie vor keine besonderen Anweisungen aus dem Heimatfrontkommando für die Bevölkerung gibt, hat nach Angaben in verschiedenen israelischen Medien das Verteidigungsministerium in Jerusalem die Alarmbereitschaft erhöht. Grund sind die widersprüchlichen Aussagen des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump zum Iran.

Hintergrund ist die Sorge, US-Präsident Donald Trump könne sich kurzfristig zu einem militärischen Angriff auf den Iran entschließen – möglicherweise innerhalb weniger Tage, wie israelische Sicherheitsbeamte berichten. Öffentliche Erklärungen aus Washington dazu gebe es zwar nicht, dennoch nehme man diese Möglichkeit sehr ernst.

Verantwortliche in Israel bemühen sich, keine Panik zu schüren

Zugleich unterstreichen die Sicherheitsbehörden die enge Abstimmung mit den USA. In Jerusalem geht man zunehmend davon aus, dass die iranische Führung im Falle eines US-Angriffs sorgfältig abwägen würde, ob und wie sie reagiert, auch mit Blick auf die Frage, ob Israel gezielt angegriffen werden solle. Ein mögliches Szenario sei ein israelischer Gegenschlag gegen iranische Ziele, falls Israel selbst unter Raketenbeschuss gerate.

Führende IDF-Vertreter betonen jedoch, es sei keineswegs klar, dass der Iran Israel sofort als primäres Ziel wählen würde, wenn er von den USA angegriffen werde. Nach Einschätzung von Experten der IDF käme ein direkter Angriff auf Israel vor allem dann infrage, wenn eine US-Intervention länger andauere oder die Stabilität des Regimes in Teheran ernsthaft gefährdet wäre. Gleichzeitig bemühen sich die Verantwortlichen in Israel, keine Panik in der Bevölkerung zu schüren und bewusst auf Prognosen zu verzichten.

Doch vom diplomatischen Säbelrasseln, das bereits Wochen andauert, brummt vielen Israelis der Kopf. In einer seiner jüngsten Reden spricht der US-Präsident davon, »den Iran von der Landkarte zu fegen«, in einer anderen beschreibt er die »Verhandlungsbereitschaft« der Mullahs in Teheran.

Markthändler Schimon Nissim: »Ich habe schon ein mulmiges Gefühl in der Magengegend.«

Auch hochrangige israelische Militärvertreter verweisen auf die Unberechenbarkeit Trumps: Selbst, wenn er sich für einen Angriff gegen den Iran entscheide, könne er seine Haltung im letzten Moment wieder ändern, wissen sie. Diese Unklarheit wirkt sich nicht nur auf die militärische Planung aus, sondern auch auf die Stimmung im Land. Viele Israelis reagieren zunehmend verwirrt auf das Hin und Her aus Washington. Mental befindet sich ein großer Teil der Bevölkerung erneut in hoher Alarmbereitschaft.

Besorgte Eltern fragen in den Schulen nach, ob die Sicherheitsräume zugänglich sind, und geben ihren Kindern Anweisungen, wie sie sich in einem Notfall auf dem Schulweg zu verhalten haben. Städter rufen in den Verwaltungen an und erkundigen sich nach öffentlichen Bunkern.

»Ich habe schon ein mulmiges Gefühl in der Magengegend«, gibt der Gemüsehändler Schimon Nissim zu. Er betreibt einen Stand auf dem Carmelmarkt in Tel Aviv. »Wir wissen ja nicht, ob wirklich etwas kommt. Allerdings haben wir im Juni letzten Jahres verstanden, wie es aussehen könnte, wenn die Mullahs angreifen.«

Aufmerksamkeit der IDF gilt dieser Tage auch den Anrainern

Vor rund sieben Monaten hatte der Iran Israel mit Raketen und Drohnen beschossen, nachdem Israel Angriffe im Iran gegen die dortigen Atomanlagen geflogen hatte. Der Krieg dauerte zwölf Tage, es gab Tote und Verletzte auf beiden Seiten.

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Darüber hinaus gilt die Aufmerksamkeit der IDF dieser Tage auch den Anrainern. Das Militär prüft die Möglichkeit, dass der Iran versuchen könnte, über die Hisbollah im Libanon zusätzlichen Druck auf Israel auszuüben. Geheimdienstinformationen zufolge würde die schiitische Terrormiliz derzeit jedoch konkret keine Angriffe vorbereiten.

Als wahrscheinlicher gilt im Falle eines erneute Ausbruchs der Gewalt eine Eskalation durch die vom Iran unterstützten Huthi im Jemen. Je länger ein möglicher US-Angriff andauere und je höher die Kosten für Teheran ausfielen, desto größer sei die Gefahr, dass die Huthi ihr Engagement ausweiten – etwa durch erneute Raketenangriffe auf Israel oder auf internationale Schifffahrtsrouten.

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