Streit

Israel wirft Südkoreas Präsidenten vor, Massaker an Juden zu verharmlosen

Präsident Lee Jae-Myung Foto: picture alliance / YONHAPNEWS AGENCY

Zwischen Südkorea und Israel ist es nach Aussagen des südkoreanischen Präsidenten Lee Jae-Myung zu einer ungewöhnlich scharfen diplomatischen Auseinandersetzung gekommen. Auslöser waren Beiträge Lees in sozialen Netzwerken, in denen er ein angebliches Vorgehen Israels gegen Palästinenser kritisierte. Nach Einschätzung südkoreanischer Medien wie »Chosun« handelt es sich um die schwerste Belastungsprobe der bilateralen Beziehungen seit Aufnahme diplomatischer Kontakte im Jahr 1962.

Lee hatte auf X ein Video geteilt, in dem schwer zu identifizierende Soldaten einen Menschen von einem Dach stoßen. In diesem Zusammenhang zog er einen Vergleich mit Massakern an Juden im Krieg. Offenbar meinte er den Holocaust im Zweiten Weltkrieg. Später erklärte er dazu, es gehe ihm um die Einhaltung von Menschenrechten.

Das israelische Außenministerium wies Lees Äußerungen öffentlich zurück. In einer Erklärung hieß es, die Aussagen des Präsidenten seien »inakzeptabel« und verdienten eine »entschiedene Verurteilung«. Zudem warf Israel dem südkoreanischen Staatschef vor, historische Tatsachen unzureichend geprüft zu haben. Lee habe einen Post von einem X-Konto neu publiziert, das für israelfeindliche Propaganda bekannt sei.

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Seoul bemüht sich um Schadensbegrenzung

Nach israelischer Darstellung bezog sich das von Lee verbreitete Material auf einen älteren Vorfall, der bereits untersucht wurde. Zugleich kritisierte Jerusalem, dass Lee zu Angriffen auf israelische Zivilisten durch den Iran und die libanesische Terrororganisation Hisbollah nicht Stellung genommen habe.

Das südkoreanische Außenministerium versuchte anschließend, die Lage zu beruhigen. Es erklärte, die israelische Seite habe die Aussagen des Präsidenten missverstanden. Zugleich bekundete Seoul Mitgefühl für das Leid der Opfer des Holocaust und sprach den Betroffenen Respekt und Trauer aus.

Beobachter werten dies als Versuch, den Streit einzudämmen und klarzustellen, dass keine Relativierung der NS-Verbrechen beabsichtigt gewesen sei.

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Innenpolitische Debatte in Südkorea

In Südkorea selbst löste der Vorgang eine heftige politische Diskussion aus. Vertreter des Regierungslagers verteidigten Lee und bezeichneten seine Aussagen als legitime Kritik an angeblichen Menschenrechtsverletzungen. Oppositionsnahe Stimmen warnten hingegen vor außenpolitischem Schaden und mangelnder Abstimmung.

Mehrere Kommentatoren verwiesen darauf, dass Äußerungen eines Präsidenten in sozialen Medien international als offizielle Position des Staates verstanden würden. Gerade bei Konflikten im Nahen Osten seien deshalb besondere Vorsicht und diplomatische Vorbereitung nötig.

Einige südkoreanische Analysten sehen auch mögliche Folgen für das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten. Hintergrund ist die enge strategische Partnerschaft zwischen Washington und Israel. Kritiker in Seoul argumentieren, unbedachte öffentliche Stellungnahmen könnten in sensiblen sicherheitspolitischen Fragen negative Reaktionen auslösen.

Zuletzt erklärte Außenminister Cho Tae-Yul, Israel habe die koreanische Erklärung zum Post des Präsidenten akzeptiert. Der Botschafter Seouls in Tel Aviv habe Informationen übermittelt, wonach sich ein hoher Regierungsbeamter im israelischen Außenministerium für die Erläuterungen Südkoreas bedankt habe. Eine Bestätigung aus Israel liegt bisher nicht vor. im

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